Beim Michel Kinder- und Jugend-Filmfest stehen Filme für junge Filmfans im Mittelpunkt. Die können nicht nur zuschauen, sondern an allen Ecken mitwirken. Ein Besuch beim Umwelttag des 17. Michel-Filmfests.

Im gedimmten Licht des Kinosaals flitzen Kinder vor der Leinwand auf und ab. In den Sitzreihen wird gemurmelt, hier und da rascheln Popcorntüten. Dann wird es plötzlich ganz still. Spot an für Asya und Paola: Die beiden Schülerinnen treten in hellgrünen Shirts und mit gelben Presseausweisen um den Hals ins helle Scheinwerferlicht. Sie greifen zum Mikrofon und begrüßen Kinder und Eltern im großen Saal des Abaton Kinos. Fast ohne vom Zettel abzulesen, umreißen die beiden Mädchen die Handlung eines finnischen Dokumentarfilms. Ganz wie die Großen, von Aufregung keine Spur. Nach der Anmoderation gibt es Applaus für Asya und Paola, dann beginnt „Der unberührte See“.

Parallel zum Filmfest für Erwachsene findet 2019 zum 17. Mal auch das Michel Kinder- und Jugend-Filmfest statt. Neun altersgerechte Filme unterschiedlichster Genres hat das Festival im Programm, darunter sieben ausländische Spielfilme mit jungen Schauspieler*innen. Und natürlich das neueste Abenteuer der Pfefferkörner.

Kino zum Mitmachen

Ronja Niendorff moderiert beim Umwelttag des Michel Kinder- und Jugend-Filmfest.
Ronja Niendorff, Leiterin des „Michel“ Kinder- und Jugend-Filmfests 2019. Foto: Benjamin Eckert

„Manche Filme sieht man bei uns das einzige Mal“, sagt Ronja Niendorff, Leiterin des Kinder- und Jugend-Filmfest über die Filmauswahl. „Kindern so etwas in ihrer Freizeit bieten zu können, sie rauszulocken und etwas anderes kennenlernen zu lassen, das ist total toll.“ Anliegen des Michel sei nicht nur, junge Menschen mit altersgerechten Filmen zu unterhalten, sondern auch aktiv Filmbildung und Medienpädagogik zu betreiben. Kinder und Jugendliche sollen für das Medium Film begeistert werden und von besonderen Kinoerlebnissen erzählen können. Dafür haben sich Ronja Niendorff und ihr Team einiges einfallen lassen. Regelmäßig finden öffentliche Workshops für unterschiedliche Altersklassen statt. Vor den Vorführungen stellen Kinder die Filme im Kinosaal vor, danach leiten sie Publikumsgespräche. Als Teil der Jury für den Michel Filmpreis sichten 12- bis 16-Jährige die Wettbewerbsfilme und küren gemeinsam den Siegerfilm. Und die Michel Movie Kids berichten als junge Reporter*innen vom Geschehen auf dem Filmfest.

Michel Movie Kids

Helen und Noah sind als Michel Movie Kids fester Bestandteil des Filmfest Hamburg. Foto: Benjamin Eckert
Helen und Noah sind als Michel Movie Kids fester Bestandteil des Filmfest Hamburg. Foto: Benjamin Eckert

Noah ist das vierte Mal bei den Michel Movie Kids dabei und schon ein erfahrener Nachwuchsjournalist. „Wir schauen uns alle Filme aus dem Programm an, die wir wollen“, erklärt der 12-Jährige. „Zu jedem Film können wir eine Reportage schreiben oder Interviews mit den Regisseuren und Schauspielern machen. Und dann schreibt noch jemand von uns zu jedem Film eine Kritik.“ Die Beiträge von Kindern für Kinder werden auf ihrem eigenen Blog veröffentlicht. Beim Michel sind die Kinder selbst Botschafter*innen für das junge Kino.

Noahs Kollegin Helen macht seit 2014 Kinderradio und ist darüber auf die Möglichkeiten zur Mitwirkung beim Michel-Filmfest aufmerksam geworden. Wie auch in den letzten Jahren ist die 13-Jährige wieder gespannt auf das neue Abenteuer der Pfefferkörner. „Das ist schon fast Routine“, sagt Helen. Schon seit 2012 feiert die Filmreihe jedes Jahr eine exklusive Premiere auf dem Michel.

Thementag Umweltschutz

Am Auftaktwochenende rückt der Natur- und Artenschutz in den Mittelpunkt des Michel-Programms. Rund 25 Kinder und Jugendliche sind an dem verregneten Samstagmittag mit ihren Eltern zu einem Vortrag ins Festivalzelt auf dem Allende-Platz gekommen. Die Tierärztin Hanna Emde setzt sich im Dschungel, aber auch in Hamburg für den Artenschutz ein und möchte ihre jungen Zuhörer*innen heute in die Welt des Regenwaldes eintauchen lassen. „Ihr müsst euch vorstellen, ihr seid gerade im Dschungel angekommen und müsstet diesen schlammigen Pfad entlangfahren. Die nächste Stadt ist acht bis zehn Stunden entfernt.“ Auf zwei Bildschirmen zeigt die 27-Jährige Fotos und Videos aus dem Dschungel von Borneo, von bekannten und seltenen Tieren, einige davon giftig, viele bedroht.

Tierärztin Hannah Emde hält einen Vortrag über ihre Arbeit zum Natur- und Artenschutz. Foto: Benjamin Eckert
Tierärztin Hannah Emde hält einen Vortrag über ihre Arbeit zum Natur- und Artenschutz. Foto: Benjamin Eckert

„Junge Menschen sind am wenigsten vorbelastet und machen sich wirklich Gedanken“, berichtet Hannah Emde von ihren Erfahrungen aus der Umweltbildung. Die Tierärztin erfährt immer wieder, dass schon Grundschulkinder über die Gefährdung von wilden Tieren oder den Anbau von Palmöl wissen. Und sogar über dessen Zusammenhang mit dem Konsum in Deutschland. Jeder Einkaufszettel im Supermarkt sei wie ein Stimmzettel. „Was wir kaufen hat direkten Einfluss auf wilde Tiere“, so die Tierärztin. Vor zwei Jahren hat sie den Verein Nepada Wildlife zum Schutz von Natur- und Artenvielfalt gegründet. Hier im Festivalzelt hat sie die volle Aufmerksamkeit der Kinder. Durch den Vortrag sollen sie ein Bewusstsein für Natur und Tiere entwickeln, zu Botschafter*innen für die Umwelt werden.

Asya und Paola bei ihrer Anmoderation des Films "Der unberührte See". Foto: Benjamin Eckert
Asya und Paola bei ihrer Anmoderation des Films „Der unberührte See“. Foto: Benjamin Eckert

Der unberührte See

Beim Michel werden unter anderem Filme zum Thema Umweltschutz gezeigt. „Das Michel-Filmfest unterstreicht mit dieser Filmauswahl die Fragen, mit denen die Schüler*innen seit Sommer vergangenen Jahres im Rahmen der Fridays For Future-Bewegung auf die Straßen ziehen: Wie soll unsere Zukunft aussehen und was muss dafür getan werden?“, so Ronja Niendorff.

Beim Umwelttag wurde der finnische Film „Der unberührte See“ zum ersten Mal in Deutschland gezeigt. Noch hat er keinen deutschen Kinoverleih gefunden. Im Publikum sitzen die Michel Movie Kids und viele der jungen Gäste vom Vortrag am Mittag.

Der Film begleitet die 13-jährige Emika und ihren Cousin Antti ein Jahr lang bei ihren Ausflügen zum Saimaa, dem größten See Finnlands. Für einen modernen Kinderfilm ist die Dokumentation auffällig ruhig geschnitten. Die Bilder der finnischen Natur dürfen in all ihrer Schönheit über weite Strecken für sich sprechen. Nur die Stimmen der jungen Hauptfiguren erzählen von ihren Erfahrungen mit der Natur und wilden Tieren – auf Finnisch! Denn wie auch beim Filmfest für die Großen, werden beim Michel fremdsprachige Filme im Originalton und mit Untertiteln gezeigt. Bei den Kinderfilmen jedoch vertonen professionelle Sprecher*innen die Dialoge live im Kino. Noch so ein besonderes Kinoerlebnis.

Auch Moderatorin Asya zeigt sich von der Vorführung begeistert: „Ich fand den Film wirklich toll. Ich sag mal: tierisch gut!“ Mit der Abmoderation von ihr und Paola endet der Umwelttag beim Michel, das Filmfest mit vielen kleinen Botschafter*innen für Kino und Umwelt.

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