Das genehmigte neue Labor des UKE soll nur für tierversuchsfreie Forschung verwendet werden – das fordert der Verein Ärzte gegen Tierversuche. Vertreter*innen überreichten gestern die gesammelten Unterschriften am Hamburger Rathaus.

In Ärztekitteln und mit Plakaten demonstrierten am gestrigen Montag Tierschützer*innen vor dem Hamburger Rathaus für einen Tierversuchsverzicht im bereits zugelassenen neuen Labor am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). Mitglieder des Vereins Ärzte gegen Tierversuche übergaben eine entsprechende Forderung mit 32.000 Unterschriften an Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank.

Verein fordert Alternativen

„Der aktuelle Skandal um das Tierversuchslabor LPT und der enorme öffentliche Aufschrei zeigen den dringenden politischen Handlungsbedarf“, so eine Sprecherin des Vereins. Vor diesem Hintergrund 32 Millionen Euro für ein neues Tierversuchslabor auszugeben, sei ein falsches Signal. Das bereits genehmigte neue UKE-Labor solle ausschließlich für tierversuchsfreie Forschung verwendet werden.

Der Verein vertritt die Überzeugung, dass Tierversuche nicht geeignet seien, um die Wirkung und Gefährlichkeit von Stoffen für Menschen zu beurteilen. „Tiere reagieren häufig komplett anders auf Substanzen, als der Mensch“, so Gaby Neumann, Tierärztin und Pressesprecherin des Vereins. Heute gebe es bereits menschenbasierte In-Vitro-Methoden, die valide Ergebnisse und eine gute Übertragbarkeit auf Menschen liefern würden. Studien mit Zell- und Gewebekulturen würden zudem zuverlässigere und eindeutigere Ergebnisse liefern und seien deutlich günstiger.

UKE will Tierversuche möglichst vermeiden

Das UKE ist für die Identifizierung von Krankheitsursachen und die Entwicklung neuer Therapieplätze nach wie vor auf Tierversuche angewiesen, so Pressereferentin Anja Brandt vom UKE auf Anfrage von FINK.HAMBURG. „Tierversuche helfen dabei, weit verbreitete Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, neurologische- oder Stoffwechselerkrankungen besser zu verstehen und behandeln zu können.“ Man habe in den vergangenen Jahren zudem versucht verstärkt auf Computersimulationen, Multiorganchips oder permanente Zellkulturen zurückzugreifen und unterstütze die Entwicklung, die Anzahl der Tierversuche langfristig zu reduzieren.

Kürzlich richtete das UKE eine neue Professur für tierversuchsfreie Forschung mit dem Ziel ein, alternative Methoden zu erforschen und Tierversuche auf längere Sicht auszusetzen. Laut Mitteilung des Senats wird die neue Professur von der Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung (BWFG) und der Medizinischen Fakultät des UKE finanziert und soll bis zum Herbst 2020 besetzt werden.

Petition für Schließung des LTP-Tierversuchslabors

In Hannover wurde am gestrigen Montag zudem eine Petition mit mehr als einer Million Unterstützer*innen zur Schließung des LTP-Tierversuchslabors in Mienenbüttel an das Verbraucherschutzministerium in Hannover übergeben. Tierschützer*innen hatten bereits im Oktober angeprangert, dass das Labor Hunde und Affen bei Versuchen misshandeln würde. Behörden ermitteln inzwischen gegen den Betrieb.

isu/dpa

Vorheriger ArtikelBezahlen mit dem Smartphone: Was kann die Koala-App?
Nächster ArtikelNeue Bahnlinie U5: Haltestelle am UKE geplant
Isabel Surges, Jahrgang 1994, ist bilingual aufgewachsen. Von ihrem Vater hat sie nicht nur die spanische Sprache gelernt, sondern auch ihren venezolanischen Zweitnamen bekommen: Yahaira. In Venezuela war sie zwar noch nicht, dafür allerdings mit dem Rucksack in Australien und für ein Semester in Málaga. Einen Kulturschock erlebte die gebürtige Düsseldorferin aber erst durch ihren Umzug nach Köln. Dort studierte sie Medienkulturwissenschaften sowie Germanistik und experimentierte mit neuen Formatideen im Innovationslabor der Filmproduktionsfirma Ufa. Auf deren Partys spielte sie unter anderem mit Joe Gerner Tischtennis. Als Community Managerin in den Kommentarspalten des WDR lernte sie auch die raueren Seiten des digitalen Diskurses kennen. Zuletzt schrieb sie für die Kulturredaktion der Deutschen Welle – oder wie Yahaira sagen würde: La ola alemana. Kürzel: isu