Ab 2020 werden Hebammen in einem dualen Bachelorstudiengang an der HAW Hamburg und dem UKE ausgebildet. Das Studium für Hebammen verspreche bessere Ausbildung, der Beruf könnte attraktiver werden, meint Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD).

Angehende Hebammen müssen ab dem kommenden Jahr ein Studium absolvieren. Das ist Vorgabe der Europäischen Union. Hamburg habe sich auch sehr dafür eingesetzt, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Mittwoch. Die Ausbildung ist bislang im Gesetz über den Beruf der Hebamme und des Entbindungspflegers geregelt. Der Bundesrat hat es nun der EU-Richtlinie angepasst. Künftig schreibt er ein sechs- bis achtsemestriges duales Studium vor.

Studienstart im März 2020

Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW Hamburg) organisiert das duale Hebammenstudium gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). Voraussetzung ist die Fachhochschulreife. Das Studium startet mit dem im März 2020 beginnenden Sommersemester. Nach sieben Semestern sollen die Student*innen den Bachelor in der Tasche haben.

Petra Weber ist ausgebildete Krankenschwester und seit 23 Jahren Professorin für Pflegewissenschaft an der HAW. Im Gespräch mit FINK.HAMBURG sagte die Prodekanin für Weiterbildung und Personalentwicklung an der Fakultät für Wirtschaft und Soziales, dass laut EU-Recht ab dem Jahr 2020 nur noch „Personen Hebamme oder Geburtspfleger werden können, die zwölf Jahre zur Schule gegangen sind.“

Komplexer Beruf erfordert Studium

Der neue HAW-Studiengang sei aber nicht nur juristisch notwendig, auch inhaltliche Gründe sprächen dafür: „Der Aufgabenbereich einer Hebamme ist so komplex, dass er nach unserer Einschätzung ein Hochschulstudium erfordert“, so HAW-Professorin Weber. Hebammen und Entbindungspfleger könnten nach Abschluss ihres Studiums in unterschiedlichen Kontexten tätig werden. Etwa als Angestellte in Kliniken oder freiberuflich in Geburtshäusern.

Im vergangenen Jahr waren nach Angaben der Gesundheitsbehörde in den Hamburger Geburtskliniken und dem Geburtshaus 25.576 Kinder zur Welt gekommen. Laut Hebammen-Verband arbeiten 700 Geburtshelfer*innen in Hamburg, davon fast 370 freiberuflich.

Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks glaubt, dass die Akademisierung den Beruf der Hebamme oder des Geburtshelfers für Abiturient*innen attraktiver macht. Zurzeit brauchen Auszubildende dafür die mittlere Reife. Bisher wurden sie an Hebammenschulen auf den Beruf vorbereitet, das bleibt übergangsweise bis 2022 möglich. Die meisten hätten jetzt schon die Hochschulreife, so Prüfer-Storcks. In Hamburg wird die Zahl der Ausbildungsplätze im nächsten Jahr von 108 auf 180 aufgestockt.

dpa/tob/viva
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