Bernd Lucke hält am kommenden Mittwoch seine letzte Vorlesung des Wintersemesters. Der Volkswirt, der die AfD mitgründete, war vor drei Monaten an die Uni Hamburg zurückgekehrt – und heftig angefeindet worden.

AfD-Mitgründer Bernd Lucke hält am kommenden Mittwoch die letzte Vorlesung Makroökonomik des Wintersemesters. Die Polizei hatte Proteste in den ersten Vorlesungen im Oktober an der Universität Hamburg beenden müssen, anschließend wurden private Sicherheitskräfte eingesetzt.

Keine Störung in Lucke-Vorlesungen seit Wochen

Die Aufregung scheint sich allerdings gelegt zu haben. „Wir hatten in den letzten Wochen keine Störungen mehr“, sagte ein Polizeisprecher. Normalität ist laut Lucke dennoch noch nicht eingekehrt, da es nach wie vor Sicherheitsvorkehrungen wie Kontrolle der Studierendenausweise am Eingang gebe.

Sind diese Vorkehrungen weiterhin nötig? „Ich wäre dafür, die Sicherheitsmaßnahmen jetzt zu beenden. Irgendwann muss man ja doch ausprobieren, was passiert“, sagte Lucke. Der private Sicherheitsdienst kostete knapp 100.000 Euro seit Semesterbeginn. Ab April wird Lucke wohl Seminare und Vorlesungen im Wahlpflichtbereich anbieten. Das Vorlesungsverzeichnis sei aber noch nicht final, heißt es seitens der Universität.

Lucke hatte als Kritiker an der Finanzpolitik der EU vor sieben Jahren die Alternative für Deutschland mitgegründet. 2014 zog er für die Partei ins Europaparlament ein und hatte sich von seiner Professur in Hamburg beurlauben lassen. Zwei Jahre später verlor er den Parteivorsitz im Streit um eine stärker nationalkonservative Ausrichtung der AfD.

Proteste nach Rückkehr an die Uni

Die erste Vorlesung im Oktober musste wegen Protesten abgebrochen werden. Der Allgemeine Studierendenausschuss AStA hatte zur Kundgebung aufgerufen – unter dem Motto „Lucke lahm legen“. Im Anschluss wurde Lucke geschubst, angebrüllt, als „Nazischwein“ bezeichnet und am Pult mit Papierkugeln beworfen.

Von diesen Übergriffen hat sich der AStA distanziert. Es sei ihm darum gegangen, „dass darüber diskutiert wird, wer sich hier nach einer gescheiterten Politikkarriere in den Universitätsbetrieb zurückzieht“, so ein Sprecher. Kritik an Luckes nach AStA-Ansicht „menschenverachtenden Aussagen“ bestünden weiterhin. Die Proteste hatten in Hamburg eine Debatte um die Freiheit der Lehre ausgelöst.

dpa/tob
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