Am Freitag lohnt sich Shopping richtig. Mehr kaufen, mehr sparen. Das gilt nicht für FINK.HAMBURG-Redakteur Lorenz Jeric – politisch links, aufgewachsen als Schwabe. Den Black Friday findet er lächerlich. Und sich selbst auch ein bisschen.

Der Weltspartag für Erwachsene ist da – der Black Friday: Endlich gibt es wieder limitierte Deals, fette Rabatte, echte Schnäppchen eben. Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Denn wer den Wettkampf um die besten Deals gewinnen will, muss schnell sein. Wer kauft als erste*r? Wer ergattert den heißesten Scheiß? Sparen kann so spaßig sein, wenn man nur genug ausgibt. Da glüht die Kredikarte und das schüttet Glückshormone aus.

Für mich spielt das aber keine Rolle: Mein Vater hat mir beigebracht mein Geld zusammenzuhalten. Oder zumindest ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich mehr ausgebe als nötig – ein echter Schwabe eben.

Von der Minimalismus-Queen, der Ordnungsberaterin Marie Kondo weiß ich, dass mich allein Ausmisten schon glücklich macht. Seit dem letzten Umzug hab ich ihr Credo im Kopf: „Brauch ich das wirklich? Sonst weg damit!“

Noch dazu wirkt meine eher linkspolitisch verortete Twitter-Bubble mit gefestigten Standpunkten auf mich ein: Shoppen ist grundsätzlich böse, online bei Amazon-Gründer Jeff Bezos ganz besonders.

Auch wer alles hat, braucht manchmal etwas

Kurz gesagt: Ich stehe Konsum kritisch gegenüber oder zumindest rede ich mir das ein. Cyber Monday, Black Friday? Finde ich lächerlich. „Ein Auswuchs des Spätkapitalismus“, wie ich augenzwinkernd in meiner WG-Küche sagen würde.

Meine Freund*innen stimmen mir dann zu. Bevor wir gemeinsam eine neue Kiste Weingläser bestellen – die glänzen doch besonders schön, und kosten ja fast gar nichts. Ich meine, meine Güte! Auch als aufgeklärter, priveligierter Altbaubewohner, der schon alles hat, brauche ich ab und an mal etwas Neues. „Bewusster Konsum“ ist hier das Stichwort. Denn wenn die Trainingsjacke vintage ist oder die Sneaker vegan, dann ist  Shoppen doch halb so wild: Mit jedem Einkauf Gutes tun – darauf kann man schon stolz sein.

Wer kauft am bewusstesten? Wer konsumiert am kritischsten? Der Wettkampf am Black Friday bleibt hart. Und am Ende bleibt man Mensch.

Titelbild: Lorenz Jeric

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Freudenstadt behauptet von sich, den größten Marktplatz Deutschlands zu haben, genau wie Stade. Was Stade definitiv fehlt: Es war nicht seit 1997 das Zuhause von Lorenz Jeric. Er liebt die Ćevapčići seines slowenischen Großvaters, kocht selbst aber am liebsten Käsespätzle. Nach 13 Jahren Waldorfschule zog er nach Hamburg, um einen Bachelor in Medien- und Kommunikationswissenschaft zu machen. Dabei lernte er, dass er es nicht leiden kann, Filme wissenschaftlich zu betrachten, obwohl er sie liebt. Wenn er nicht grade für eine kleine Kommunikationsagentur textet, spielt er gerne am Grindelhof Tischtennis oder fährt mit seinem Campervan Richtung Norden, möglichst ans Wasser. Zusammen mit Freunden produziert er schon seit 2017 den Podcast „Unfertig“, in dem wenig über Gott und viel über die Welt gesprochen wird. Kürzel: loc