Am 3. November wird nicht nur der Präsident der Vereinigten Staaten gewählt. Indirekt stimmen die Amerikaner*innen auch für die First Lady. Aber was genau beinhaltet das unfreiwillige Amt, und wie politisch ist es?

Lage zur US-Wahl 2020

Extrem unterschiedliche Kandidaten, ein tief gespaltenes Land und ein Kongress, der in großen Teilen neu gewählt wird: Die US-Wahl 2020 ist in jeder Hinsicht historisch. Wie wichtig ist die Briefwahl? Was passiert in den kommenden Tagen? Und wird die Wahlbeteiligung so hoch ausfallen wie seit einem Jahrhundert nicht mehr? FINK.HAMBURG verfolgt für euch die Wahl und liefert Hintergründe, Erklärungen und Neuigkeiten, wenn es heißt: Trump oder Biden?

Die ganze Welt steht Kopf: Die Wahl des neuen US-Präsidenten steht an. Auf Social Media und in den Nachrichten wird seit Wochen nur noch über die beiden Präsidentschaftskandidaten gesprochen. Entscheidet das amerikanische Volk für eine Amtsverlängerung des Republikaners Donald Trump, oder wird der Demokrat Joe Biden das Rennen machen?

Wer das Amt des amerikanischen Präsidenten innehält – bisher war es immer ein Mann – gilt als mächtigste Person der Welt. Doch wer steht an seiner Seite? Richtig, die First Lady. Denn mit der Amtseinführung des Präsidenten der Vereinigten Staaten muss auch die jeweilige Ehefrau in das Weiße Haus einziehen und die Rolle der First Lady übernehmen.

„Hat die nicht Corona?“

Wer die Gattin von Noch-Präsident Donald Trump ist und was ihre Aufgaben als First Lady sind: Wir haben in der Hamburger Innenstadt nachgefragt.

FINK.HAMBURG klärt auf

Unsicherheiten beim Namen, Unklarheiten über die aktuelle Wohnsituation, Unwissen über ihre Aufgaben – wir haben recherchiert und uns die aktuelle First Lady und ihr Amt genauer angeschaut:

25.08.2020, USA, Washington: Melania Trump, First Lady der USA, spricht im Rosengarten des Weißen Hauses,Foto: Evan Vucci/AP/dpa
Melania Trump, Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Melanie, Melania, oder doch Ivana?
Die First Lady heißt Melania Trump. Sie wurde als Melanija Knavs am 26. April 1970 im heutigen Slowenien geboren. Mit 16 Jahren begann sie zu modeln, 1996 zog sie für den Job nach New York. Dort lernte sie 1998 Donald Trump kennen, im Januar 2005 heirateten die beiden. Ein Jahr später kommt ihr gemeinsamer Sohn Barron auf die Welt.

Ivana Trump gibt es aber auch: Sie ist die Ex-Frau von Donald Trump. Sie waren von 1977 bis 1990 verheiratet. Drei Kinder stammen aus dieser Ehe: Ivanka Trump, Donald Trump Junior und Eric Trump.

Lebt Melania Trump im Weißen Haus?
Ja, aber gemeinsam mit Sohn Barron zog Melania erst einige Monate nach dem Präsidenten ins Weiße Haus. Vorerst blieben Mutter und Sohn in New York, damit Barron sein Schuljahr noch beenden konnte. Am 12. Juni 2017 verkündete die First Lady dann ihren Umzug auf Twitter.

Hat die First Lady Corona?
Nein, aber sie wurde – wie Donald Trump – am 2. Oktober 2020 auf Covid-19 positiv getestet. Beide sind mittlerweile gesund und machen wieder Wahlkampf. Auf der offiziellen Website des Weißen Hauses könnt ihr Melania Trumps persönliche Erfahrungen mit dem Coronavirus nachlesen.

Und wofür setzt sich Melania Trump ein?
Seit Mai 2018 setzt sich die First Lady mit ihrer Kampagne „Be Best“ für das Wohlergehen von Kindern ein. Der Fokus liegt dabei auf Online-Sicherheit, Cyberbullying und Opioid-Missbrauch. Das könnte einigen bekannt vorkommen: Melania wird vorgeworfen, die Texte auf der „Be Best“-Website und den dazugehörigen Flyern von einer Obama-Kampagne aus dem Jahr 2014 abgekupfert zu haben. Und das soll nicht das erste Mal gewesen sein, dass sie ihre Vorgängerin Michelle Obama kopierte. Bereits zwei Jahre zuvor soll sich Melania bei einer Rede auf dem Parteitag der Republikaner an Michelle Obamas Worten aus dem Jahr 2008 bedient haben.

Die Rolle der First Lady im Wahlkampf

Die Frauen der Präsidentschaftskandidaten stehen schon vor dem offiziellen Amtsantritt ihrer Männer in der Öffentlichkeit – ob sie das wollen oder nicht. Bereits während des Wahlkampfs hält die potenzielle First Lady Reden und unterstützt ihren Mann, wo sie kann. Zum Beispiel erzählt Joe Biden in einem Video auf Twitter vom 18. Oktober 2020 von seinen fünf Heiratsanträgen an seine Frau Jill, zeigt alte Familienfotos von den beiden und teilt persönliche Einblicke in ihre Beziehung. Privates wird der Öffentlichkeit präsentiert und Vergangenes wieder herausgekramt. Die First Lady steht stets im Rampenlicht, Medien berichten über falsche Outfits oder Blicke – nichts bleibt unkommentiert.

Und die First Lady muss zu ihrem Mann stehen, egal wie er sich aufführt. Eine Erfahrung, die Hillary Clinton in den 1990ern im Zuge der Lewinsky-Affäre bereits machen musste. Melania Trump verteidigte ihren Mann im Oktober 2016 nach seinen frauenfeindlichen Aussagen („grab her by the pussy“) in einem Interview: Donald Trump hätte lediglich einen „boytalk“ gehalten und nicht gewusst, dass er dabei aufgenommen worden sei. Außerdem habe der Host, Billy Bush, ihren Mann dazu angestachelt, derartige Dinge zu sagen.

Keine Bezahlung für das Amt der First Lady

Auch Bodyguards gehören zu dem Alltag einer jeden First Lady – genauso wie Staatsempfänge und Veranstaltungen im Weißen Haus. Sie sind immer top gestylt, lächelnd winken sie in die Kameras, wenn sie den US-Präsidenten begleiten oder in eigener Sache an die Öffentlichkeit gehen. Übrigens: Ein Vollzeitjob, der nicht bezahlt wird. In Deutschland sieht das nicht anders aus: Auch die Frau des Bundespräsidenten hat repräsentative Pflichten, einen Vollzeitjob und bekommt kein Gehalt.

Aber ist das Amt der First Lady wirklich nur repräsentativ? Zumal die First Lady einen eigenen Berater*innenstab und ein Budget zur Verfügung gestellt bekommt. Was haben frühere First Ladies aus ihrem – nicht ganz freiwillig gewählten – Amt gemacht?

Fünf historische First Ladies und wofür sie bekannt sind

Es gibt keine festgeschriebenen Regeln oder Aufgaben für eine First Lady. Die Rolle des Amts hat sich stetig verändert. Jede Präsidentengattin hat das Weiße Haus und die amerikanische Politik auf ihre eigene Weise geprägt. Wir haben für uns fünf der ehemaligen First Ladies genauer angeschaut.

Quellen: ZDF History „First Ladies. Die sanfte Macht im Weißen Haus“, Offizielle Website des Weißen Hauses, Offizielle Website Mount Vernon

Titelbild: Evan Vucci/AP/dpa

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Marie Filine Abel, geboren 1992 in Hamburg, diskutiert leidenschaftlich gern: Mit einem Verschwörungstheoretiker im Flugzeug über Aliens, mit Margarete Stokowski via Instagram über die feministischen Implikationen jungfräulicher Cocktails, oder beim Kartenspiel am Küchentisch. Zwischen den Zeilen zu lesen hat sie während ihres Studiums der Kulturwissenschaften in Lüneburg gelernt. Sie hospitierte am Hamburger Schauspielhaus in der Regie und interviewte für das Stadtmagazin „Szene Hamburg“ Künstler, Krippensammler und Klimaaktivist*innen. Da war klar: Marie will als Journalistin Anderen Raum für ihre Geschichten geben. Eine sein, die den Mund aufmacht und auf Missstände hinweist - ganz so, wie sie es in ihrer Kindheit aus Musikkassetten von Hannes Wader oder Fredrik Vahle gelernt hat. Kürzel: mfa

1 KOMMENTAR

  1. […] Melania Trump war für ihren Mann war für ihren Mann auf Tour: „Amerikaner können für einen Anführer stimmen, der unsere Verbündeten zur Verantwortung zieht, oder für einen früheren Vizepräsidenten, der sich für amerikanische Größe entschuldigt“, sagte Melania Trump in Huntersville in Bundesstaat North Carolina. […]

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