Eigentlich ist die jährliche Schau der Modedesign-Studierenden der HAW Hamburg ein Spektakel mit Laufsteg, lauter Musik und beeindruckenden Outfits – und das bleibt auch in der Corona-Pandemie so. Nur, dass sie diesmal als digitale Modenschau stattfindet. 

Rund 1700 Menschen sahen im vergangenen Jahr die Abschlusskollektionen der Absolvent*innen am Campus für Modedesign in der Armgartstraße. Das Interesse an den Werken des Abschlussjahrgangs der HAW Hamburg ist traditionell groß. Schließlich gibt es auch viel zu sehen: leuchtende Accessoires, kubistische Ganzkörperanzüge, ungewöhnliche Materialien – diese Modenschau ist für die Jungdesigner*innen eine Möglichkeit, von Profis entdeckt zu werden, die oft im Publikum sitzen.

digitale_modenschau_a+11_haw_hamburg_fink_hamburg
Kampagnenbilder der A+11 Modenschau. Fotos: Lukas Besenfelder

Dieses Jahr finden die Abschlussarbeiten der Absolvent*innen keine Live-Bühne in Form eines Laufstegs. Das liegt an den Anti-Corona-Maßnahmen. Für die Bachelorstudentinnen Anna-Louis Lochmüller und Jovana Marjanović war trotz der Pandemie klar, dass sie den Absolvent*innen die Möglichkeit geben möchten, ihre Kollektionen zu präsentieren. Denn obwohl es für sie noch eine Zeit dauern wird, bis sie ihre eigenen Werke bei der Schau zeigen, ist dieses Jahr ebenso wichtig für sie:

„Diese Modenschau ist ein Generationenvertrag“, erklärt Anna. „Die Shows werden immer von den neuen Studierenden organisiert, damit sich die Absolvent*innen ganz auf ihre Kollektion konzentrieren können.“

„Wir wollen kein Video zeigen, auf dem irgendwelche Mädels hin- und herlaufen“

Anna und Jovana mussten sich aufgrund der Beschränkungen also etwas Neues einfallen lassen: „Wir wollen kein Video zeigen, auf dem irgendwelche Mädels hin- und herlaufen“, stellt Anna klar. „Die Leute haben keine Lust mehr auf solche Online-Veranstaltungen. Deshalb haben wir gemeinsam mit Studierenden aus der Medientechnik und dem Kommunikationsdesign an der HAW Hamburg eine interaktive Show gestaltet. Wir hatten durch den Lockdown die Möglichkeit, etwas völlig Neues zu machen.“

Über den Studienschwerpunkt Modedesign:
Der Studienschwerpunkt Modedesign wird innerhalb des Bachleor- (B.A.) und konsekutiven Masterstudiengangs (M.A.) Modedesign Kostümdesign Textildesign (MoKoTex) an der HAW Hamburg angeboten.

Wie genau die digitale Umsetzung der Modenschau aussehen wird, möchten die beiden Studentinnen noch nicht verraten. Ihnen ist es wichtig, trotz der digitalen Umsetzung den Eventcharakter der Präsentation beizubehalten. Deshalb läuft auch auf der Website von „A+11“ ein ständiger Countdown, bis die Abschlusskollektionen präsentiert werden.

„Für die meisten Menschen sind das ein paar T-Shirts mit ein paar Falten“

Anna und Jovana befürchten, dass trotz der jährlichen Modenschauen ihr Studienschwerpunkt für viele Menschen zu abstrakt sei: „Für die meisten Menschen sind das ein paar T-Shirts mit ein paar Falten. Mit unserer Show wollten wir das Handwerk, von der Nähmaschine bis auf den Laufsteg, sichtbar machen.“

Das ursprüngliche Motto „Geborgenheit“, das Anna und Jovana schon zu Beginn des Jahres festgezurrt hatten, mussten die beiden Studentinnen dann schon bald anpassen. Schließlich hatten sich die Rahmenbedingungen komplett verändert. Besonders unterstützt haben sie dabei Lukas Besenfelder und Julia Löffler. Die beiden studieren Kommunikationsdesign und haben sich um die grafische Umsetzung und das Kampagnenkonzept gekümmert.

„Das Thema „Geborgenheit“ mussten wir während unserer Planung immer wieder neu interpretieren“, ergänzt Julia. „Jetzt ist eine offene Suche nach Geborgenheit im digitalen Raum daraus geworden. Wir nutzen für unsere Kampagne eine App, die auf analoge Werbeflächen unsere digitalen Plakate legt. Damit bespielen wir lauter Werbeflächen digital, die es für unsere Show eigentlich gar nicht gibt. Mittlerweile funktioniert das sogar mit einem Zehneuroschein.“

„Durch unsere Arbeit mit den Farben Blau und Weiß wollten wir die digitale Ästhetik mit aufnehmen“, erzählt Lukas. „Die verschwommenen Formen haben wir mit klaren Kanten kombiniert, um die Differenz zwischen dem Analogen und Digitalen aufzuzeigen.“

„Meinetwegen können sich alle vor dem Computer schick machen“

Am Samstag, den 21.11.20 warten um 20 Uhr dann rund 60 Outfits von zwölf der diesjährigen Absolvent*innen auf das Online-Publikum. „Meinetwegen können sich alle vor dem Computer schick machen“, findet Anna. Schließlich ist die diesjährige Präsentation ja auch ein Grund zu feiern, findet Jovana: „Ganz oft fehlt die Verbindung zwischen den Studiengängen an der HAW. Aber wir haben mit dieser Show so ein großes Team aus so vielen Departments, ohne die wir das nie geschafft hätten.“

Die „A+11“ Modenschau wird dieses Jahr unter anderem organisiert von:
Jovana Marjanović / Projektleitung/ Modedesign, Anna-Louis Lochmüller/ Projektleitung / Modedesign, Lukas Besenfelder/ Corporate Identity / Kommunikationsdesign, Julia Löffler/ Corporate Identity / Kommunikationsdesign, Gina Bartzok/ Website- corporate identity, Dominik Korte / Szenografie /Master Sound/Vision, Canan Bunk/ Szenografie / Master Kommunikationsdesign, Stephan Kraus/ Sounddesign /Master Kommunikationsdesign, Yinjung Zhang/ Sounddesign / Master Sound/Vision, Luisa Kiendl /Videoproduktion/ Kommunikationsdesign und Marcel Kwapich/ Videoproduktion /Kommunikationsdesign

Fotos: Lukas Besenfelder Models : Katja Seiffert und Jonas Schoster Styling : Nikol Dankova 

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here