Seit vergangenem Mittwoch sind HVV-Tickets, die per App gekauft werden, erst nach 90 Sekunden gültig. Der Verkehrsverbund möchte damit gegen Schwarzfahrer*innen vorgehen – und erntet Kritik.

Noch knapp die Bahn erwischen und schnell ein Ticket per App kaufen, das ist im HVV seit vergangenem Mittwoch nicht mehr möglich. Der Hamburger Verkehrsverbund hat das Ticketing-System in seiner App umgestellt: Wer mit dem Smartphone einen Fahrschein kauft, muss nun 90 Sekunden lang auf die Gültigkeit des Tickets warten.

Der Grund für die Umstellung: Der Verkehrsverbund will vermeiden, dass Fahrgäste erst dann ein Ticket per App kaufen, wenn sie kontrolliert werden. Aber widerspricht das nicht den Vorteilen der Ticket-App, die der Verkehrsverband sonst so oft betont? Schnell, komfortabel und von unterwegs aus soll der Kauf von HVV-Tickets per App funktionieren. Bremst ein 90-Sekunden-Countdown den urbanen Nahverkehr nicht aus?

„Countdown“ bei HVV-Tickets erntet Kritik

In den sozialen Medien regte sich bereits nach Bekanntgabe des neuen Features Kritik. Zahlreiche Nutzer*innen beschwerten sich, dass sie nun warten müssten, bis sie tatsächlich einsteigen könnten – und werfen dem HVV vor, von unabsichtlichen Schwarzfahrer*innen profitieren zu wollen.

„Keine Zumutung“

Der Pressesprecher des HVV, Rainer Vohl, hält gegen. „Wir haben Marktforschung betrieben“, sagte er gegenüber FINK.HAMBURG. Diese haben ergeben, dass nur acht Prozent der Fahrgäste ihr Ticket am Bahnsteig oder im Fahrzeug lösen. „Es ist keine Zumutung für unsere Fahrgäste, ihr Ticket 90 Sekunden vor dem Fahrtantritt zu lösen. Die Mehrheit der Fahrgäste tut das sowieso“, so Vohl.

Zudem: „Es gibt die Möglichkeit, das noch nicht gültige Ticket bei den Buslenker*innen vorzuzeigen und dort Bescheid zu geben“, sagt der Pressesprecher. Aber sind an S- und U-Bahn-Stationen nicht eigentlich ganze Bereiche fahrkartenpflichtig? Muss ich also im ungünstigsten Fall über eine Minute lang vor der Linie zum fahrkartenpflichtigen Bereich warten? „Strenggenommen ja“, sagt Vohl. Entscheidend sei aber vor allem, dass das Ticket beim Betreten der Bahn gültig ist.

Die Hochbahn versucht derweil, die aufgebrachten Kritiker*innen in den sozialen Medien zu beruhigen. Es sollte „echt nicht zu viel verlangt sein“, das Ticket 90 Sekunden vor Antritt einer Fahrt zu lösen. Die Maßnahme sei schließlich ja auch „für“ die Kund*innen des HVV.

aba

Titelfoto: Hochbahn

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