Kaum einem Thema wurde in den vergangenen Tagen mehr Platz in der Presse eingeräumt als der US-Wahl. Und wie berichten die Medien rund um die Welt über die US-Präsidentschaftswahl? Hier findet ihr eine Übersicht.

Die „Taz“ schätzt die Weltvorstellung der Trump-Anhänger*innen folgendermaßen ein:
„Donald Trump ist anschlussfähig an einen Teil der Bevölkerung, dem all das, was man unter dem Stichwort moderne Gesellschaft fassen könnte, zuwider ist. Sie verabscheuen die Gleichmacherei, die staatlich exekutierte Sozialpolitik, die Abwendung von christlichen Werten und die Akzeptanz von Abtreibung und Ehe für alle. Wenn man diese Vereinigten Staaten auf ihren Kern reduziert, dann klingt das so: Gemeinsinn ist eine europäische Erfindung, jeder ist seines Glückes Schmied, und was zählt ist: individuelle Stärke und persönliches Fortkommen in einer Aufstiegsgesellschaft – und natürlich der Börsenkurs.“

“Höhepunkt einer Desinformationskampagne” – so betitelt „tagesschau.de “ Trumps Äußerungen zum angeblichen Wahlbetrug:
Das Nachrichtenportal der ARD warnt vor einer überwältigenden Verbreitung von “gezielte(n) Falschmeldungen” im Netz und kritisiert die unbelegten Behauptungen von US-Präsidenten Trump über angebliche Wahlmanipulationen. Dasselbe sei laut “tagesschau.de” in der Vergangenheit geschehen: Trump behaupte immer wieder ohne Beweise, die US-Wahl 2016 seien manipuliert worden.  “tagesschau.de” kommt zu dem Schluss: “Die gezielt gestreuten Gerüchte über angeblichen Wahlbetrug könnten die US-Wahl damit maßgeblich beeinflussen.“

Trump spekuliert auf Sieg in der US-Wahl
Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Die „Welt“ analysiert, warum Donald Trump in den Umfragen nicht zu unterschätzen ist:
Er hat erneut die Umfrageinstitute widerlegt und deutlich besser abgeschnitten, als die vorausgesagt hatten – und das, obwohl die ihre Modelle nach 2016 angepasst hatten.“ Weiter heißt es: “Es ist ihm auch gelungen, noch mehr Wähler zu mobilisieren als 2016, was unter anderem die Annahme widerlegt, dass eine hohe Wahlbeteiligung stets in die Hände der Demokraten spielt. […] Er überzeugte bereits die Hälfte des Landes, dass besonders ER der richtige sei, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.”

Die konservative Unternehmensanalytikerin Liz Peek kommentiert bei „Fox News“ das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Donald Trump und Joe Biden:
“Es stellt sich heraus, dass Unterstützung für Trump von fast der Hälfte der Nation aus allen Lebensbereichen kommt und in den letzten vier Jahren zugenommen hat. Sie ist gewachsen, weil unter anderem Afroamerikaner und Hispanoamerikaner angefangen haben in Frage zu stellen, ob die demokratische Politik für sie funktioniert.”

So ist diese Presseschau entstanden:
Das Bachelorprojekt „Digitale Kommunikation“ am Department Information der HAW Hamburg hat die FINK.HAMBURG-Redaktion bei der Berichterstattung zur US-Wahl 2020 mit diesem Beitrag unterstützt.

Die liberale “Washington Post” sieht trotz des sich anbahnenden Siegs für Biden große Probleme, die ihm seine Amtszeit erschweren könnten:
„Das knappe Ergebnis unterstreicht die alarmierende Realität, dass ein signifikanter Anteil der amerikanischen Bevölkerung den katastrophalsten und gefährlichsten Präsidenten in unserer Geschichte unterstützen. Biden trat mit dem Versprechen an, die amerikanische Seele wiederherzustellen, allerdings sind die Amerikaner uneins über die Natur dieser Seele. Um es deutlich zu machen: zu viele akzeptieren nicht die Gefahr, die Trump darstellt. Selbst wenn Trump verlieren sollte, würde mit dieser Niederlage keine klare Ablehnung des Trumpismus einhergehen.“ 

Die „Moscow Times“ kommentiert, wie sich die russische Berichterstattung zur US-Wahl von den Ansichten des Kremls unterscheidet:
Die russischen Medien mögen Trump vielleicht lieben. Das heißt aber nicht, dass der Kreml das auch tut. […] Die russischen Medien sind kein Sprachrohr für die Absichten des Kremls. […] Die Pro-Trump-Rhetorik, die ich sehe, ist auf Russisch, für Russen. Das mag vieles bedeuten, aber es gibt nicht unbedingt das wieder, was Kremlstrategen denken.

Über den Nutzen Trumps für Putin schreibt die „Moscow Times“:
Was sich aber auch herausstellt, ist möglicherweise der einzige wirkliche Nutzen, den Putin jemals für Trumpf hatte – Putin wie den Erwachsenen auf der Weltbühne aussehen zu lassen“.

James Griffiths kommentiert für „CNN“ aus Honkong die Auswirkung von Trumps unbelegten Behauptung auf das internationale Image der USA so:
„Chaotische Debatten und eine hässliche Kampagne hatten bereits in diesem Jahr das Ansehen des demokratischen Systems der USA in Übersee beeinträchtigt, aber der Anblick des amerikanischen Führers, der offen versuchte, die Abstimmung zu delegitimieren, war für viele immer noch ein Schock. […] Die diesjährigen Wahlen können der Botschaft – und damit Washingtons Glaubwürdigkeit – jedoch noch dauerhaften Schaden zufügen, wenn anderen gesagt wird, wie Demokratie funktionieren soll.“

Eine Frau hält ein Schild mit dem Titel: Count every vote. Trumps Siegeserklärung erntet Kritik.
Trump erntet Kritik für Siegeserklärung. Foto: dpa

Die kanadische Tageszeitung „The Globe and Mail“ wirft einen düsteren Blick auf die Zeit nach der Präsidentschaftswahl:
„Die Vereinigten Staaten sind ein gebrochenes Land und ein herzzerreißender Ort zum Leben. Es kommen gefährliche Zeiten, voller Krankheiten, Gewalt und Instabilität – egal, wer gewinnt. Eine zweite Trump-Periode wird wahrscheinlich zu einem tief verwurzelten Autoritarismus führen. Eine Amtszeit von Biden wird wahrscheinlich zu Chaos führen, während das Land versucht, sich wieder aufzubauen. In beiden Fällen werden wir unter einer Pandemie in einer dezimierten Wirtschaft leben. […] Wir werden als Amerikaner leben und sterben, als eine Nation, vereint in Angst – voreinander, vor unserer Regierung, vor unserer Zukunft“.

Das Onlinemagazin „Mexiko Today“ kommentiert, warum die Zeit nach der Wahl für die USA entscheidend wird:
„Viel wurde darüber gesprochen, welchen Schaden Donald Trump unserer Demokratie, unserem bürgerlichen Diskurs und unseren kulturellen Regeln angetan hat. Und abhängig davon, wie der Präsident auf das Wahlergebnis reagiert und sich in den kommenden Wochen verhält, könnte das Schlimmste noch kommen. Eine Sache, die über all den Schaden, den er angerichtet hat, bisher nicht genug betont wurde, ist, wie vermeidbar dieser war. […] Wird Amerika diesen Akt demokratischer Sabotage beenden und seine Werte sowie die globale Führungsposition zurückfordern? […] Aber das sind alles Fragen für den Tag nach Trumps Fall – einen Tag, den das Land unbedingt braucht, wenn es wirklich wieder groß werden will.“

Mit Beiträgen von: Jacqueline Vuong, Ha An Nguyen, Rhea Lichtenberg, Jenny Seyfried, Mats Bente, Minh Ngoc Bu, Lena Richter, Pascal Wittkowski, Alina Weinack und Lynn-Anika Petersen
Titelbild: Unsplash

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