US-Bürger*innen lieben ihren Sport. Vor der US-Wahl haben Sportler*innen nicht nur zur Wahl aufgerufen, einige legten sich auch mit Präsident Trump an. Immer wieder wurde der US-Sport zur Bühne politischer Diskussionen.

Vom Beginn der US-Nationalhymne bis zum letzten Ton strecken Tommie Smith die rechte und John Carlos die linke Hand in den dunklen Nachthimmel von Mexico-City. Ihre Hände sind unter einem schwarzen Lederhandschuh zur Faust geballt. Die Blicke der US-Sportler zum Boden gesenkt.

Bei den Olympischen Spielen 1968 sprintete Smith über 200 Meter zu Gold, sein Landsmann Carlos zu Bronze. Am nächsten Tag mussten die beiden Afroamerikaner das Olympische Dorf verlassen und wurden auf Lebenszeit für die Spiele gesperrt. Politischer Protest war beim Sportgroßereignis unerwünscht.

Fast genau 50 Jahre später kniete der US-Footballer Colin Kaepernick während der Nationalhymne vor dem Beginn eines Vorbereitungsspiels. Kaepernick wollte mit dem Kniefall gegen Rassismus und Polizeigewalt protestieren. Unter anderem von Donald Trump wird seine Geste schon damals als respektlos gegenüber dem Land und dem Militär bezeichnet. Der US-Präsident beschimpfte Kaepernick über ein Jahr später deshalb als „Hurensohn“.

US-Sport: Kaepernick findet kein neues Team mehr

Die Club-Besitzer*innen diskutierten 2018, ob die knienden Spieler von der Liga bestraft werden können. Präsident Trump gefiel das. Die Spielergewerkschaft und die National Football League (NFL) verständigten sich jedoch vor Saisonstart, dass es keine Strafen geben wird. Deshalb knieten einzelne Spieler weiterhin.

Während der diesjährigen „Black Lives Matter“-Bewegung griffen viele Sportler in den USA – aber auch in Europa – Kaepernicks Kniefall wieder auf. Kaepernick selbst tat das nicht mehr: Nachdem der Quaterback Anfang 2017 seinen Vertrag bei den San Francisco 49ers auflöste, fand er kein neues Team mehr – obwohl er laut zahlreicher Expert*innen sportlich vielen Mannschaften hätte helfen können.


In diesem Jahr gab der Chef der amerikanischen NFL, Rodger Goodell, zu, man hätte Kaepernick früher zuhören müssen. Zuvor hatten zahlreiche Superstars um Patrick Mahomes, den besten Spieler der vergangenen Saison, die NFL zu einem Statement aufgefordert. In dieser Saison knien teilweise ganze Teams zur Hymne oder bleiben in der Kabine.

Clubbosse spenden an die US-Politik

Sportler*innen können im US-Sport mittlerweile also politische Haltung zeigen. Die größtenteils millionenschweren Teambesitzer*innen machen das schon länger, indem sie an Parteien spenden. Wie „USA Today“ herausfand, spendeten 183 Besitzer*innen von 161 Teams aus der Baseball-, Fußball, Eishockey- und Footballliga, sowie der Männer und Frauen Basketballliga mindestens 14,6 Millionen US-Dollar an politische Zwecke. 86 Prozent davon an die Republikaner oder deren Anliegen. Rund zwei Millionen Dollar davon spendete Woody Johnson, der Besitzer vom Footballteam New York Jets, an die Republikaner. Er wurde 2017 von Donald Trump zum Botschafter in Großbritannien bestimmt.

Die „Black Lives Matter“-Bewegung hat im US-Sport für viel Bewegung gesorgt. Etwa 70 Prozent der Spieler*innen der NFL und Basketballliga der Männer (NBA) und Frauen (WNBA) sind schwarz. Nach dem Corona-Neustart lief die überwiegende Mehrheit der WNBA und NBA Spieler*innen mit Botschaften über der Rückennummern auf. So stand beispielsweiße „Say their names“, „Equality“ oder „Social justice“ auf den Trikots. Nachdem ein Weißer Polizist dem Schwarzen Jacob Blake sieben Mal in den Rücken schoss, boykottieren die Milwaukee Bucks ein Playoff-Spiel.

In der Vergangenheit legten sich mit LeBron James und Stephen Curry bereits zwei absolute Superstars der NBA mit Donald Trump an.

US-Sport mischt sich in die Wahlen ein

Auch der diesjährige Wahlkampf war in der Basketball-Liga sichtbar: In den Pausen liefen während der Basketball- und Footballspielen in den vergangenen Monaten häufig Werbespots, in denen Spieler und Trainer die Fans zum Wählen aufforderten. Die beiden NBA-Trainer Steven Kerr und Doc Rivers sprachen sich für Joe Biden als Präsident aus. Mit dem Frauen-Basketballteam der Seattle Storms stellte sich ein komplettes Team hinter den demokratischen Kandidaten.

Es gibt aber auch US-Sportarten, bei denen Donald Trump willkommen ist. In der Rennserie Nascar fuhr Corey Lajoie mit unübersehbaren „Trump 2020“-Schriftzügen auf seinem Auto. Der amtierende Präsident selbst ließ sich auf dem Daytona International Speedway in einer Limo über die Strecke kutschieren.

Trump schummelt beim Golfen

Joe Biden ist als großer US-Sport-Fan bekannt, regelmäßig besucht er Baseballspiele der Philadelphia Phillies und der New York Yankees. Er setzte sich Anfang des Jahres für die US-Fußballerinnen ein, indem er dem Verband drohte: Die Spielerinnen sollen die gleichen Prämien wie die Männer bekommen, sonst ließe er die Fördergelder für die Fußball-WM 2026 in den USA kürzen, sollte er die Präsidentenwahl gewinnen.

Donald Trumps Lieblingssport ist Golf. Sportjournalist Rick Reilly spielte mit allen noch lebenden Präsidenten schon mal Golf. Auch mit Trump schlägt er regelmäßig ab. Im „ZDF“ erzählt Reilly über die besonderen Tricks von Trump: „Wie Trump Golf spielt, sagt viel über ihn aus. Er hat ein superschnelles Kart, ist immer weit voraus. Er kann mit dem Ball hantieren, während du noch hinten bist.“ Die bisherigen Präsidenten hielten sich immer an die Regeln, Trump aber lege sich den Ball unbemerkt nach vorne oder kicke den gegnerischen Ball in den Bunker.

Bleibt abzuwarten, welche Spielchen Donald Trump nach der Wahl spielt.

Beitragsbild: Mark J. Terrill/AP/dpa