Der Wiederaufbau der ehemaligen Synagoge am Bornplatz im Grindelhof soll ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Die Holocaust-Überlebenden Ester Berajano und Peggy Parnass äußerten nun Vorbehalte. 

Esther Bejarano (96) und Peggy Parnass (93) überlebten als junge Frauen das Grauen des Holocausts. Bejarano spielte im Mädchenorchester Auschwitz, später arbeitete sie als Zwangsarbeiterin im Siemenslager Ravensbrück. Parnass überlebte die Nazi-Zeit in Schweden. Zum geplanten Wiederaufbau der Hamburger Bornplatzsynagoge äußerten beide auf der Seite des Auschwitz-Komitees Skepsis. Ob eine Synagoge als Symbol des Judentums Antisemitismus stoppen könnte, sieht Bejarano kritisch: „Ja, wenn das helfen würde, würde ich sagen: Bitte baut tausend Synagogen!“. Alleine zweifle sie allerdings an der Sinnhaftigkeit des Vorhabens.

Die 96-jährige sagte weiter, Antisemitismus ließe sich nur durch das Gewinnen der jungen Menschen bekämpfen. „In diese Jugend setze ich meine ganze Hoffnung, ihr traue ich zu, die Welt zu verändern.“ Auch Parnass äußerte sich kritisch: „Eine Synagoge, egal welche, fördert keinen Antisemitismus, löscht ihn aber auch nicht aus. Antisemitismus, den treffen wir überall.“

Mehr Sichtbarkeit für jüdisches Leben

Die Synagoge am ehemaligen Bornplatz wurde während der Novemberprogrome 1938 von Nazis ausgeraubt und in Brand gesetzt. Bislang blieb der Platz im Grindelviertel leer – als Symbol für das Verschwundene. Der Wiederaufbau soll nun die Sichtbarkeit des jüdischen Lebens in der Stadt stärken.

Am 27. November 2020 hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags 65 Millionen Euro für das Projekt bewilligt. Die Stadt Hamburg soll weitere 65 Millionen übernehmen. Eine Plakataktion wirbt seit Anfang des Jahres für den Wiederaufbau der größten Synagoge Norddeutschlands.
Wie der Bau aussehen soll, ist noch unklar. Die Jüdische Gemeinde befürwortet, dass die neue Synagoge in ihrer Gestaltung und in ihren Dimensionen an das zerstörte Gotteshaus anknüpft.

Ein Ort der Begegnung

Was die jüdische Gemeinschaft braucht und was Hamburger*innen gegen Antisemitismus tun können – darüber sollten laut Bejarano alle gemeinsam nachdenken. Sie wünscht sich einen offenen Ort der Begegnung für alle Menschen. „Ein Haus, in dem über die Ursachen von Antisemitismus, über Lebensbedingungen heute, über Solidarität und Gerechtigkeit, über Umwelt und Bildung diskutiert wird“.
Parnass hingegen schlägt den Bau einer kleinen Synagoge vor: „Hier wünschte ich mir jetzt eine kuschelige kleine Synagoge, wie ich sie in Prag gesehen habe. In so eine würde ich gerne gehen. Für gigantische Projekte habe ich nichts übrig.“

man/dpa

Beitragsbild: Wikimedia Commons

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