In der Corona-Zeit sind mehr Menschen auf Hilfe angewiesen. Engagement muss nicht viel Zeit in Anspruch nehmen. Der Student Belami packt beispielsweise Corona-Care-Pakete – und versorgt damit auch andere Studierende.

Text und Fotos von Lynn Petersen und Rhea Lichtenberg

Ein Fläschchen Desinfektionsmittel und Einwegmasken packt Belami in den Schuhkarton zur Tube Zahnpasta, der Seife und weiteren sanitären Notwendigkeiten des täglichen Bedarfs. Danach schiebt er das Paket weiter zu seinem Kollegen, welcher ein Shampoo und ein Duschgel hinzufügt. Das Paket wandert von Hand zu Hand, bis es das Ende des U-förmigen Tischs erreicht hat. „Nach einer Stunde ist für uns eine Routine eingekehrt“, sagt der junge Student, als er einige Wochen später seinen Einsatz reflektiert.

Dieser Text ist im Rahmen des Bachelor-Projektseminars „Digitale Kommunikation“ an der HAW Hamburg entstanden.

In einer Halle, die durch ein lokales Unternehmen zur Verfügung gestellt wurde, haben Belami und sieben weitere Helfer*innen ehrenamtlich Corona-Pakete für Hilfsbedürftige in Hamburg zusammengestellt. Der 26-Jährige hat sich aus eigenem Antrieb heraus dazu entschieden, für ein paar Stunden bei dieser gemeinnützigen Aktion des Vereins Hanseatic Help dabei zu sein. Für ihn ist es selbstverständlich, sich auch in der Corona-Pandemie zu engagieren. Schließlich mussten viele Hilfsangebote schließen, und, wenn er ehrlich ist, hat er auch gerade mehr Zeit als sonst, die er lieber wertvoll einsetzt.

Ehrenamt statt Clubnacht

Belami würde am Wochenende normalerweise mit seinen Freunden die Nacht zu elektronischen Klängen durchtanzen – eben das Leben eines jungen Studenten in Hamburg genießen. Er würde auf dem Rückweg in einer voll besetzten Bahn nach Hause fahren, sich noch ein Frühstück vom Bäcker besorgen und dann in einem hippen Burgerladen die Kunden bedienen. Dass ein Wochenende so abläuft, kann man sich nach einem Jahr Corona-Pandemie gar nicht mehr vorstellen.

Seit Beginn des Jahres 2020 befindet sich die Welt im Ausnahmezustand. Tausende Menschen verloren während der Corona-Pandemie und durch die damit verbundenen Eindämmungsmaßnamen ihren Arbeitsplatz, gerieten in finanzielle Schwierigkeiten und wurden zu Hilfsbedürftigen.

Durch seinen Job bei einer Versicherungsagentur ist Belami auf die gemeinnützige Arbeit aufmerksam geworden. „Jedes Jahr veranlasst die Firma einen sozialen Tag, an dem alle Angestellten an einem ehrenamtlichen Projekt teilnehmen können“, erzählt er. Im letzten Jahr half er bei der Arche, einem christlichen Kinder- und Jugendhilfswerk, aus und entdeckte, dass ihm soziale Arbeit Spaß macht.

Kleiner Aufwand, große Wirkung

Der gemeinnützige Verein Hanseatic Help organisiert auch während der Corona-Pandemie Hilfsangebote für eine diverse Zielgruppe. Bekannt wurde der Verein im Jahr 2015 zu Zeiten der Flüchtlingskrise. Mittlerweile setzt sich die Initiative auch für viele andere Projekte im sozialen Bereich ein. „Ich hatte überlegt, wo man momentan aushelfen könnte und das Ganze am besten noch einigermaßen coronakonform. Schließlich bin ich auf das Corona-Care-Projekt gestoßen“, so Belami.

So trifft er Anfang Oktober in Hamburg Wandsbek auf sieben andere Helfer*innen. Vom 18-jährigen Studierenden bis zum 60-jährigen Helfer ist die Gruppe sehr gemischt zusammengesetzt. Die großzügige Lagerhalle bietet viel Platz, um die Hygieneregeln einzuhalten. Nach einer herzlichen Begrüßung und Einweisung versammeln sich die Mitwirkenden an dem langen Tisch. Das Organisationsteam hat bereit alles vorbereitet, sodass es direkt losgehen konnte – so schildert es Belami aus der Erinnerung.

Neben sanitären Hilfspaketen bestücken die Helfer*innen Pakete mit Nudeln, Reis und Konserven. Auch Stifte und Büroartikel sind dabei – etwa für Studierende. Die verschiedenen Pakete gingen an mehrere soziale Initiativen in Hamburg, wie das Kennedy Haus in Harburg, Kirchengemeinden oder die Seniorenanlage Avo.

Mehr Studierende sind hilfsbedürftig

„Die Nachfrage hat seit Beginn der Pandemie stark zugenommen“, sagt Corinna Walter, Vorstandsmitglied bei Hanseatic Help, am Telefon, während sie Tüten für eine Waschbeutel-Aktion packt. Seit Corona arbeitet der Verein eng mit dem Studierendenwerk zusammen. Diese Zielgruppe habe Walter vor der Pandemie „gar nicht auf dem Schirm“ gehabt.

Auch Belami bekommt mit, dass einige seiner Kommilitonen gerade auf jeden Euro schauen müssen, weil sie ihren Nebenjob im Café oder Kino verloren haben, der eigentlich die Kosten für das WG-Zimmer decken. „Ich war dankbar, dass ich keiner davon bin und möchte etwas zurückgeben“, sagt er.

Helfen ist ein Tuwort

Nachdem Belami das 400. Desinfektionsmittel in eines der Päckchen gelegt hat, ist für ihn nach vier Stunden Feierabend. Vier Stunden, die ihn nichts gekostet haben aber mit denen er mühelos etwas Gutes tun konnte. Viele Zehntausende Pakete wurden auf diese Weise schon seit Juni letzten Jahres gepackt.

Mit einem der anderen Freiwilligen unterhält sich Belami noch eine Stunde über Jinjitsu – einer Sportart für die er sich seit der Jugend begeistert. Irgendwann will er sie auf einem gemeinnützigen Wege Kindern beibringen. Und sobald die Beschränkungen es erlauben, will er sich wieder zur Verfügung stellen und ehrenamtlich engagieren – ein Gedanke dem man jedem nur ans Herz legen kann.