Nach vier Jahren Planung beginnen auf dem Grasbrook die sichtbaren Bauarbeiten. An der Stelle des Überseezentrums entsteht ein neuer Stadtteil mit 3.000 Wohnungen und 16.000 Arbeitsplätzen.

Bye bye Überseezentrum: Die Entwicklung des neuen Quartiers Grasbrook geht weiter. Deshalb wird der bei seiner Eröffnung im Jahre 1967 größte Sammel- und Verteilerschuppen der Welt nun abgerissen. Im Juli beginnen die Arbeiten. Danach folgt die Kampfmittelräumung, die als besonders aufwendig gilt, da bis zu dreizehn Meter tief  geprüft werden muss. In einem dritten Schritt erfolgen Bauarbeiten für den Hochwasserschutz des Stadtteils. Dafür ist eine Aufschüttung auf 9,7 Meter über Normalnull notwendig.

Bereits seit 2017 werden die Flächen des ehemaligen Übersee-Zentrums nicht mehr für ihre ursprüngliche Bestimmung genutzt. Manche Teile wirken verfallen. Foto: Lennart Albrecht

Neuer Stadtteil Grasbrook wirkt sich auf die Veddel aus

Auf dem Areal soll ein neuer Stadtteil entstehen. 3000 Wohnungen und 16.000 Arbeitsplätze sind geplant. Bei den Wohnungen soll es gemäß den Vorgaben auch geförderten Wohnraum geben. Geschäfte, Bildungsmöglichkeiten, ein zentral gelegener Park sowie Freizeit- und Sportangebote stehen ebenfalls auf dem Plan. Der Grasbrook soll ein „Zehn-Minuten-Stadtteil“ werden, wo alle Orte innerhalb kürzester Zeit zu Fuß erreichbar sind. Der Stadtteil wird zusammen mit der Veddel gedacht, die an den Grasbrook anschließt. Das Projekt soll 2024 fertig gestellt werden, die Kosten sind auf 24 Millionen Euro angesetzt.

Planung auf der Zielgeraden

Für die Planung des Stadtteils hat die Stadt Hamburg das Planungsteam Herzog & de Meuron sowie Vogt Landschaftsarchitekten beauftragt. Diese werden ihre Arbeit im Sommer 2021 abschließen. Danach veranstaltet die Stadt einen Architekturwettbewerb für die Hochhäuser und vergibt im Anschluss die Grundstücke.

Visualisierung der Quartiersplanung. Menschen sitzen gesellig am Wasser, im Hintergrund sieht man Gebäudeskizzen.
Für das Quartier sind Einkaufsmöglichkeiten, ein zentral gelegener Park sowie Freizeit- und Sportangebote geplant. Visualisierung: Planungsteam Herzog & de Meuron und Vogt Landschaftsarchitekten

Ein Stück Hafengeschichte macht Platz

Bisher war das Gelände am Südufer der Elbe geprägt durch die markanten Lagerhallen, die man bei der Fahrt über die Elbbrücken sieht. Das Überseezentrum verfügte über 150.000 Qudratmeter offene und 100.000 Quadratmeter überdachte Lager- und Büroflächen. Seit 2016 steht der Gebäudekomplex ungenutzt leer.

Olaf Scholz präsentierte 2017 die Idee für den neuen Stadtteil, 2019 fand ein internationaler Wettbewerb zur Konzeptentwicklung statt. Da das historische Gebäude des Überseezentrums nicht erhalten werden kann, soll das Schild mit dem Schriftzug „Überseequartier“ gerettet werden, um an dieses Stück Hafengeschichte zu erinnern. Auch das Deutsche Hafenmuseum soll ab 2025 seinen Platz im Quartier finden.


Titelbild: Planungsteam Herzog & de Meuron und Vogt Landschaftsarchitekten

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Es gibt keinen Gedanken, den Marina Schünemann, Jahrgang 1997, nicht jederzeit notieren kann: Sie besitzt 25 Notizbücher, thematisch geordnet. Neben ihrer Liebe zum Schreiben zeichnet sie gerne berühmte Frauen wie Amalie Sieveking, die Mutter der ersten Sozialhäuser in Hamburg. Marina liebt das Theater, sie näht dafür sogar selbst Kostüme. Weil es in ihrer Heimatstadt Salzgitter keine größeren Bühnen gibt, zog die Kulturliebhaberin nach Hamburg, um hier Medien- und Kommunikationswissenschaft zu studieren. Für ihre Bachelorarbeit beobachtete sie ein Jahr lang, wie rechte Influencerinnen auf Instagram Gleichgesinnte rekrutieren. Neben dem Studium arbeitete sie für das Hamburger Straßenmagazin „Hinz & Kunzt“. Gerade setzt sie sich als Vizepräsidentin von Golden Z, einem jungen Netzwerk für Frauen, etwa für Geschlechtergerechtigkeit in der Politik ein. Kürzel: mar