Nachhaltige Kleidung kaufen: Damit das in Zukunft leichter fällt, hat FINK.HAMBURG-Redakteurin Chantal Seiter ein paar hilfreiche Wissensquellen rund um die Textilindustrie und Fair Fashion zusammengestellt.

Unter welchen Arbeitsbedingungen wird eigentlich unsere Kleidung produziert? Welche Auswirkungen hat das auf die Umwelt? FINK.HAMBURG hat fünf  Wissensquellen für euch, die schnell in die Textilindustrie einführen.

Vor allem auf internationaler Ebene gibt es viele Organisationen, die über Mode und deren Auswirkungen aufklären. Zwar setzen sich auch in Deutschland viele Menschen für faire und nachhaltige Mode ein, ein Großteil der folgenden Seiten informiert aber auf Englisch:

1. Fashion Changers: Modeaktivismus aus Berlin

Gemeinsam mit weiteren Autor:innen klären die Gründerinnen Nina Lorenzen, Vreni Jäckle und Jana Braumüller auf fashionchangers.de über die Schattenseiten der Textilindustrie auf. Und sie zeigen uns, wie nachhaltiger Konsum funktionieren kann. Aber Fashion Changers ist nicht nur ein Onlinemagazin, es ist eine Bewegung. Die drei Säulen der Online-Plattform sind das Magazin sowie Events und politisches Engagement.

Auch auf Instagram informieren die Fashion Changers über die Branche: Sie erklären Begriffe wie Cradle-to-Cradle oder geben einen Überblick über unterschiedliche Materialien. Besonders hilfreich: die Label-Liste auf der Website, mit der ihr schnell faire und nachhaltige Marken sowohl für Kleidung als auch für Einrichtung findet.

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2. Fashion Revolution: Die Antwort auf den Einsturz von Rana Plaza

Nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie hört man immer häufiger von den Problemen der Modeindustrie. Wir lesen von Firmen, die Bestellungen stornieren, weil die Abnehmer:innen ausbleiben. Oder von Firmen, die Neuware vernichten und mit falschen Recyclingversprechen locken.

Und dann gibt es noch die Berichte über Fabrik-Unglücke: So gilt der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch vor acht Jahren als der bislang größte Unfall in der Textilindustrie. Mehr als 1000 Menschen verloren am 24. April 2013 ihr Leben, als das Gebäude zusammenbrach, in dem Firmen wie Primark, C&A und Mango ihre Kleidungsstücke produzieren ließen.

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Wer hat meine Kleidung gemacht?

Als Reaktion auf das Ereignis fragten Aktivist:innen auf der ganzen Welt „Who made my clothes?“, also „Wer hat meine Kleidung gemacht?“. Aus der Bewegung wurde eine internationale Organisation, die seit 2013 über die Textilindustrie aufklärt. Zustätzlich stellt sie euch Ressourcen zur Verfügung, mit denen ihr auch selbst aktiv werden könnt: Auf fashionrevolution.org erhaltet ihr beispielsweise Infomaterial und könnt Unternehmen mit Hilfe von E-Mail-Vorlagen fragen, wer eure Kleidung gemacht hat und woraus sie eigentlich besteht.

Einmal im Jahr veröffentlicht Fashion Revolution außerdem den Fashion Transparency Index. In ihm werden 250 Modemarken anhand ihrer Transparenz bewertet. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Menschenrechte, Umweltpolitik und Lieferketten. Der Index beleuchtet zwar nicht direkt die Nachhaltigkeit einer Marke, laut Fashion Revolution ist Transparenz aber eine wichtige Grundlage für Nachhaltigkeit und die Verantwortung von Firmen.

Eine Woche des Erinnerns

Jedes Jahr rund um den 24. April findet die Fashion Revolution Week statt. In dieser Woche gibt es weltweit Veranstaltungen und Demonstrationen, die an das Unglück in Bangladesch erinnern. Auch in Hamburg machen die Aktivist:innen von Fashion Revolution Ende April auf die Missstände in der Textilindustrie aufmerksam.

3. Good On You: Für Mode, die nicht nur gut aussieht

Schnell und einfach herausfinden, wie nachhaltig deine Lieblingsmarken sind? Das geht mit Good On You. Die Plattform wurde 2015 in Australien ins Leben gerufen und ist seitdem rasant gewachsen. Sie bewertet Marken anhand unterschiedlicher Kriterien und gibt euch einen schnellen Überblick darüber, ob ihr ein Unternehmen lieber meiden solltet oder ob ihr dessen Kleidungsstücke guten Gewissens kaufen könnt.

In die Bewertung der Marken fließen Informationen der Unternehmenswebsites und Faktoren wie Siegel ein. Außerdem achtet Good On You auf die Verwendung tierischer Materialien, auf den Umgang mit Arbeiter:innen und das Ressourcen- und Abfallmanagement der Modelabels.

Gute Marken einfach nachschlagen

Das Ergebnis ist ein Nachschlagewerk, das Tausende bewertete Marken aus der ganzen Welt enthält: Die Bewertungsskala reicht hierbei in fünf Schritten von „Great“ bis „We Avoid“ („meiden wir“). Die jeweiligen Einträge geben Aufschluss über den Grund der Beurteilung. Zusätzlich zu den Ratings findet ihr auf dem Blog außerdem Artikel über Materialien, Shopping-Guides oder hilfreiche Listen mit Alternativen für gängige Fast-Fashion-Brands.

Besonders cool: Good On You gibt es nicht nur im Browser und auf Instagram, sondern auch als praktische App!

4. Remake Our World: Bildungsarbeit aus Amerika

Die Organisation Remake Our World aus den USA informiert auf ihrer Website und in den sozialen Medien über die Textilindustrie und deren negativen Einfluss auf die Umwelt. Ziel des Zusammenschlusses aus Modeliebhaber:innen, Frauenrechtler:innen und Umweltaktivist:innen ist, Nachhaltigkeit zugänglich und inklusiv zu gestalten. Hierfür leistet die Organisation Bildungsarbeit, setzt sich auf rechtlicher Ebene ein und sorgt für mehr Transparenz.

Zwar richtet Remake Our World sich vor allem an Menschen in den USA, Fakten über Umwelteinflüsse und Missstände in der Modeindustrie sind aber allgemeingültig. Die Auflistung nachhaltiger Modelabels auf der Website enthält zudem viele Marken, die international verfügbar sind.

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5. Clean Clothes Campaign: Einsatz für saubere Kleidung seit 1989

1989 wurde in den Niederlanden die Schone Kleren Campagne, also die Kampagne für saubere Kleidung, ins Leben gerufen. Was als Protest in Solidarität mit thailändischen Textilarbeiterinnen begann, entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem globalen Bündnis. Heute ist die Clean Clothes Campaign (CCC) ein Netzwerk aus mehr als 200 Menschen- und Frauenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und Verbraucher:innenverbänden in 45 Ländern.

Der Fokus von CCC liegt vor allem auf den sozialen Aspekten der Textilindustrie und ist weniger auf ökologische Auswirkungen gerichtet. Mit ihrer Arbeit machen die Aktivist:innen auf arbeitsrechtliche Missstände aufmerksam und setzen sich gemeinsam mit den Menschen in den Produktionsländern für faire Löhne und Arbeitsschutz ein.

Als Teil der Clean Clothes Campaign entstand 1996 in Deutschland die Kampagne für saubere Kleidung. Der Verein wirkt hier vor Ort auf Unternehmen und deren Wertschöpfungsketten ein und engagiert sich für eine Gesetzgebung, die Menschenrechtsverletzungen durch deutsche Unternehmen verhindert.

Unterstützung für bessere Kaufentscheidungen

Nicht umsonst heißt es häufig: „Der beste Konsum ist kein Konsum“ – die Welt hat ein Fast-Fashion-Problem, das prekäre Arbeitsbedingungen fördert und für wachsende Textilmüllhalden sorgt. Laut Fashion Revolution ist die Textilindustrie für rund vier Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ökologische Konsequenzen reihen sich neben den sozialen Auswirkungen einer Branche ein, in der sich viel ändern muss.

Doch Konsum ist nicht gleich Konsum. Die genannten Organisationen und Plattformen zeigen, wie bewusster Konsum funktioniert. So stehen sie, gemeinsam mit zahlreichen weiteren, für einen Wandel ein, der längst überfällig ist.

Titelbild: Francois Le Nguyen via Unsplash, Illustrationen: Chantal Seiter

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