Corona, Feiern, Kommentar
Die Corona-Inzidenzen sind so hoch wie nie und trotzdem sind die Clubs und Bars voll. Quelle: Pexels, Harrison Haines

Steigende Corona-Zahlen, die neue Omikron-Variante und drastische Szenen aus deutschen Krankenhäusern. Auf der anderen Seite volle Bars und Clubs. Sollte man trotz der vierten Welle weiter feiern gehen? FINK.HAMBURG-Redakteurin Katharina Böhmer kommentiert.

Da ist es wieder: Dieses unliebsame Bauchgefühl. Etliche Monate hatten Clubs und Bars geschlossen. Bei Treffen im kleinen Kreis malte man sich aus, wie es wäre endlich wieder feiern zu gehen. Dann ging es und die Wochenenden wurden ausgelassener. Auch ich habe mich ins Getümmel gestürzt, mich sorglos zur Musik treiben lassen. Das war schön nach so langer Zeit. Clubs und Bars sind immer noch geöffnet. Statt ausgelassener Feierlaune macht sich aber zumindest in meinem Bauch ein unsicheres Gefühl breit.

Corona-Situation verschärft

Die Nachrichten zeigten in den letzten Tagen Bilder der Luftwaffe, die Covid-Patienten in weniger ausgelastete Krankenhäuser ausflog. Viele meiner Freund:innen teilten auf Instagram ein Video von einer Frau, die Corona zur Witwe machte. Die neue Variante Omikron breitet sich aus. All diese Nachrichten haben mir die Feierlaune verhagelt. Ich habe zwar meinen Teil dafür getan, dass die Pandemie endet, in dem ich mich impfen lassen habe, aber mit gutem Gewissen kann ich mich nicht mehr zwischen tanzenden Personen zur Bar durchquetschen.

Die Statistik zeigt zwar, dass die Impfung einen guten Schutz bietet, aber seit einige Bekannte sich trotz zweifacher Impfung infiziert haben, fühle ich mich weniger sicher. Nach fast jeder meiner Club-Nächte zeigte mir die Luca-App ein erhöhtes Infektionsrisiko an. Sicher auch wegen gefälschter Impfpässe. Ich weiß, dass ich geschützt bin, aber meinem Bauchgefühl ist das egal. 2G-plus macht es nicht besser. Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass Schnelltests bei Geimpften meistens negativ ausfallen. Zumindest so lange keine Symptome da sind. Falsche Sicherheit.

Das Leben muss weitergehen

Ich bin im Zwiespalt. Mal wieder. Ich möchte nicht jedes Jahr im Winter Kontakte vermeiden und mich isolieren. Corona soll mir nicht mehr vorschreiben, was geht und was nicht. Das Leben muss weiter gehen, aber das unliebsame Gefühl bleibt. Also müssen Alternativen her. Der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt ist für mich eine gute Lösung.

Beim Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln und gemeinsam mit meinen Freund:innen fühle ich mich wohl. Das Coronavirus bevorzugt stickige Clubs. Die meide ich wohl erst einmal, bis das unliebsame Bauchgefühl wieder weg ist. Vielleicht hilft die Booster-Impfung auch dagegen.

Warum Feiern gehen trotzdem weiterhin möglich sein sollte, kommentiert Jan-Eric Kroeger hier.

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