Mieten in Hamburg gestiegen.
Zu wenige Sozialwohnungen und teure Mieten. Foto: Lilly Brosowsky

Der Hamburger Mietspiegel ist erschienen. Ergebnis: Die Mieten in Hamburg sind seit der letzten Erhebung deutlich gestiegen. Und das trotz Bemühungen der Stadt, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Am Montag ist der Hamburger Mietspiegel erschienen. Diese Erhebung wertet alle zwei Jahre aus, wie sich die Mietpreise in Hamburg entwickeln. Das diesjährige Ergebnis zeigt einen Anstieg der Mieten von 7,3 Prozent. Die Netto-Kaltmiete hat sich dementsprechend in Hamburg seit 2019 um 63 Cent pro Quadratmeter erhöht. Aktuell kostet der Quadratmeter in Hamburg durchschnittlich 9,29 Euro. 2019 lag der Preis noch bei durchschnittlich 8,63 Euro.

Konkret bedeutet der Anstieg, dass Hamburger:innen für kleine Wohnungen mit beispielsweise 45 Quadratmetern 356 Euro pro Jahr mehr zahlen als noch 2019. Wohnungen mit beispielsweise 75 Quadratmetern kosten pro Jahr 594 Euro mehr. Und große Wohnung mit beispielsweise 150 Quadratmetern 1188 Euro pro Jahr.

Mieten spiegeln den angespannten Wohnungsmarkt

Der Mietspiegel zeige wie angespannt der Wohnungsmarkt in Hamburg sei, so Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD). Die Gründe für den Mietanstieg sind vielfältig. Stapelfeldt gab an, dass die Inflation eine Rolle spiele. Zudem sei der Preis für Baukosten gestiegen. Ein leichter Anstieg der Mieten, wie er noch von 2017 auf 2019 verzeichnet wurde – um 2,6 Prozent – sei daher nicht zu erwarten gewesen.

Die höheren Baukosten wirken sich auch auf die Miete von modernisierten Gebäuden und Neubauten aus. Auch, wenn Vermieter:innen nicht renovierte Wohnungen neu vermieten, hätten sie laut Stapelfeldt in den letzten zwei Jahren höhere Mieten angesetzt. Hamburg liegt mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 9,29 Euro aber immer noch hinter anderen deutschen Städten wie München, Stuttgart und Frankfurt am Main.

10.000 neue Wohnungen geplant

Um das Wohnungsproblem zu lösen, hatte der rot-grüne Senat im Frühsommer dem Bau von 10.000 Wohnungen zugestimmt. Es soll bei den neuen Bauprojekten mehr sozial geförderte Wohnungen geben. Dies wurde im dritten „Bündnis für das Wohnen“ festgehalten. Seit 2011 wurden knapp 114.000 neue Wohnungen gebaut.

Da aber jedes Jahr Menschen nach Hamurg ziehen, wächst die zweitgrößte Metropole Deutschlands ständig weiter. Rolf Bosse, Geschäftsführer des Hamburger Mietvereins, nannte den Hamburger Wohnungsmarkt diesbezüglich instabil. Die bisherigen Bemühungen hätten nicht gefruchtet. Er appellierte an den Senat, den Mietenanstieg als Signal zu sehen. Nötig wären ein verstärkter Bau von bezahlbaren Wohnungen und eine wirksame Mietpreisbremse.

Hamburger Wohnungsmarkt instabil

Weitere wohnungspolitische Sprecher:innen halten das bisherige Vorgehen des Senats ebenfalls für problematisch. Kritik kam etwa von Andreas Breitner, dem Direktor des Verbands Norddeutscher Wohnungsunternehmen. Er forderte mehr Kontinuität beim Wohnungsbau sowie umsichtige Anforderungen bezüglich des Klimaschutzes.

Der Hamburger Mietenspiegel basiert auf Aussagen von Mieter:innen und Vermieter:innen. Es wurde eine repräsentative Stichprobe von 13.500 Antworten ausgewertet. Stichtag war dafür der 1. April 2021. Dabei wurden nur Mieten berücksichtigt, die sich in den letzten sechs Jahren verändert hatten. Insofern werden Sozialwohnungen mit Mietpreisbindung und unveränderte Mietpreise nicht abgebildet.

bros/dpa

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Lilly Brosowsky, 1994 ist im Schatten der Zugspitze aufgewachsen: in Garmisch-Partenkirchen. Der Höhenlage ist sie lange treu geblieben, hat mal auf 3.640 Meter Höhe in La Paz als Barkeeperin gearbeitet, mal Waliser Schwarznasenschafen auf einer Hochhausalm in München die Klauen geschnitten. Nach sieben Jahren in München musste sie im flachen Hamburg erst einmal lernen, dass sie in einer Bäckerei fragend angeschaut wird, wenn sie Fleischpflanzerlsemmeln bestellt. Dabei ist sie kulinarisch durchaus aufgeschlossen: Als Volontärin kostete sie für „Mit Vergnügen“ bereits kandierte Heuschrecken. Für das Stadtmagazin schrieb sie unter anderem über die Münchner Szene. Als sie den Hype eines Clubs kritisch kommentierte, wurde sie von der „Süddeutschen Zeitung“ auf Instagram zitiert. Vor ihrem Volontariat hat Lilly einen Bachelor in Literaturwissenschaften und einen in Philosophie gemacht. Sie wünscht sich für die Zukunft Feminist:innen wie Sophie Passmann wegen ihrer progressiven Ansichten zu interviewen. (Kürzel: bros)