Zum Vatertag kamen mehrere Hundert Männer auf dem Heiligengeistfeld zusammen, um gegen Gewalt an Frauen zu demonstrieren. So sah der Gegenentwurf zum jährlichen Männerbesäufnis aus.
Er wird Vatertag, Herrentag oder Christi Himmelfahrt genannt, dieser eine Tag im Mai. Und er wird jedes Jahr vor allem von Männergruppen gefeiert, die betrunken durch die Gegend ziehen. Letzten Donnerstag kamen bei wechselhaftem Wetter mehrere Hundert Männer unter dem Motto „Come on, Boys!“ auf dem Heiligengeistfeld zusammen, um mit diesem Bild zu brechen. Die Veranstalter schätzen die Teilnehmer*innenzahl auf etwa 3000, darunter auch Frauen und Kinder. Auffällig für eine Demonstration gegen Gewalt an Frauen: der hohe Männeranteil.
Rapper und Schauspieler im Orga-Team
Organisiert wurde die Demo von einer kleinen Gruppe Hamburger Männer aus Kultur- und Medienbranche. Unter den Initiatoren der Demo sind bekannte Namen, wie der Schauspieler Enrique Fiß und der Rapper Captain Gips.
„Wir wollen Frauen und queeren Menschen zeigen, dass es doch auch einige Männer gibt, die den Ist-Zustand absolut nicht okay finden. Und wir wollen Männer davon überzeugen, nicht mehr wegzugucken, nicht mehr zu schweigen, wenn irgendein Kumpel sexistische Witze macht oder sich FLINTA* gegenüber in irgendeiner Weise diskriminierend verhält“, schreibt der Hamburger Musiker Captain Gips auf Anfrage von FINK.HAMBURG.
Redebeiträge zu häuslicher Gewalt

Die Demonstration war ein Gegenentwurf zum üblichen Bild an Vatertag. Neben FLINTA*-Toiletten, Awareness-Team und einem Kinderbereich mit einem kleinen Fußballfeld, war auch Wildpinkeln explizit unerwünscht. Queer-Aktivistin Didine van der Platenvlotbrug moderierte die Kundgebung und sagte zu Beginn: „Wir müssen anfangen unsere Kinder besser zu erziehen – Wir müssen anfangen uns selbst besser zu erziehen.“
Auf der Bühne gab es abwechselnd Musikeinlagen und Redebeiträge. Unter anderem auch von Sogol Kordi, Gründerin des Start-up Myprotectify und selbst Opfer von häuslicher Gewalt. Sie sagte in ihrer Rede: „Wir müssen aufhören zu fragen: Warum ist sie nicht gegangen – Und anfangen zu fragen: Warum konnte er so lange weitermachen?“
Unruhe von der Polizei aufgelöst
Am Rande der Demo kam es zu einer kurzen Konfrontation, als einzelne Personen aus einem Vatertags-Zug eines Sportvereins provozierende Parolen in Richtung Demo riefen. Die Situation wurde von Polizei und Sicherheitsdienst deeskaliert. Der Ablauf der Demonstration wurde dadurch nicht gestört.

mok
Auf dem Trittbrett eines Müllwagens zu stehen: Das ist ein Traum von Moritz Kracht, Jahrgang 2002. Aufgewachsen ist er zwischen Hannover und Braunschweig, für sein Journalismusstudium zog er nach Magdeburg. Dort arbeitete Moritz beim MDR und nahm Anrufe für „Flirteinander“ entgegen – wie viele Ehen er gestiftet hat, weiß er aber nicht. Irgendwann hatte er keine Lust mehr, in den frühen Morgenstunden Anrufe entgegenzunehmen und wechselte ins TV-Sportressort. Er berichtete unter anderem über Tischfußball, später bei Hitradio Namibia dann übers Surfen (ohne Segel). In Hamburg fährt er jetzt gelegentlich über die Alster (mit Segel). Trittbrettfahrer? Höchstens bei der Müllabfuhr.
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