In einem Raum im Hamburger-Rathaus stehen Andy Grote (Innen- und Sportsenator), Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister Hamburg und Katharina Fegebank (Grüne), Zweite Bürgermeisterin, an Pulten und sprechen zur Presse.
Statement zum Ausgang des Olympia-Referendums: Andy Grote (Innen- und Sportsenator), Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister Hamburg und Katharina Fegebank (Grüne), Zweite Bürgermeisterin, sprechen im Hamburger Rathaus. Foto: Mara Mennekes

Die Olympia-Bewerbung in Hamburg ist gescheitert. Während der Senat das Ergebnis als verpasste Chance bewertet, spricht die Gegenseite von einem Erfolg. Die politische Aufarbeitung hat bereits begonnen.

Die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) bezeichnet das Ergebnis als „herbe Enttäuschung“. Gerade der Sport habe die Kraft, Menschen zusammenzuführen. Hamburg habe nun die Möglichkeit verpasst, zusätzliche Investitionen in klimafreundliche Mobilität, Klimaschutz und moderne Sportstätten zu erhalten. „Wir wollen dennoch möglichst viel davon auch ohne die Spiele umsetzen“, sagt Fegebank.

Auch Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bedauert das Scheitern der Bewerbung. Geplante Infrastrukturvorhaben sollen dennoch weiter verfolgt werden. „Wir werden unsere Ziele in der Stadtentwicklung und die Umsetzung der großen Infrastrukturprojekte, für die wir die Unterstützung der Bundesregierung benötigen, jetzt auch ohne Olympia mit aller Kraft verfolgen“, sagt Tschentscher. Hamburg bleibe eine großartige Sportstadt. Er freue sich auf kommende Sportereignisse.

Als einen Grund für das Scheitern der Bewerbung nennt Tschentscher die besondere Situation Hamburgs als Stadtstaat. Die Stadt hätte rund zwei Drittel der Kosten selbst tragen müssen. Zwar könne Hamburg solche Projekte allein stemmen, dennoch sei die Sorge vieler Bürger*innen vor Mieterhöhungen und Großevents groß gewesen, sagt Sportsenator Andy Grote (SPD).

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Weikert, und IOC-Mitglied Michael Mronz hätten die Entscheidung ebenfalls bedauert, berichtet Tschentscher. Beide hätten Hamburgs Konzept für überzeugend gehalten.

Positives Statement zur gescheiterten Olympia-Bewerbung

Die Linksfraktion sieht das Votum als Erfolg. „Diese ebenso arrogante wie unlautere Kampagne hat unsere Stadt gespalten, auch mit moralischer Erpressung und Drohungen“, sagt Heike Sudmann, Co-Vorsitzende der Fraktion Die Linke. Sie fordert Bürgermeister Peter Tschentscher und den Senat auf, Konsequenzen zu ziehen und ihre Politik zu hinterfragen. Tschentscher habe sich “weit aus dem Fenster gelehnt” und an die 500.000 Bürger*innen einen Brief geschickt mit ,nur’ positiven Punkten und darin aufgefordert, mit ,Ja’ zu stimmen, so Sudmann. Die Linksfraktion freut sich: „Wir können uns nun wieder auf Themen der Stadt konzentrieren”, sagt Martin Wolter, Fachsprecher für Sport der Linken, auf Nachfrage von FINK.HAMBURG.

Auch die Initiative „NOlympia” Hamburg zeigt sich zufrieden. Sprecher Eckart Maudrich sieht das Ergebnis als klares Signal der Bevölkerung. „Hamburgerinnen und Hamburger lieben ihre Stadt und lassen sich nicht von einer Millionen Euro teuren Werbekampagne hinter die Fichte führen“, sagt Maudrich. Statt einer Olympia-Bewerbung wünsche sich die Mehrheit bezahlbare Mieten, gut ausgestattete soziale Einrichtungen sowie Investitionen in Sportplätze, Schulen und Hochschulen. „Die Menschen wollen nicht, dass Grundrechte wie Barrierefreiheit von einem Mega-Event wie Olympia abhängig gemacht werden. Diese Probleme muss der Senat jetzt angehen“, sagt Maudrich.

Olympia-Gegner*innen mit Heike Sudmann (Die Linke) in der Mitte freuen sich nach erfolgreicher Abstimmung.
Olympia-Gegner*innen mit Heike Sudmann freuen sich nach erfolgreicher Abstimmung. Foto: Gregor Fischer/dpa

DOSB entscheidet im September über Kandidatur

Nach dem Ausscheiden Hamburgs bleiben drei Bewerber*innen für eine deutsche Olympiakandidatur im Rennen: München, die Rhein-Ruhr-Region und Berlin. Der DOSB will am 26. September entscheiden, mit welcher Bewerbung Deutschland in das internationale Auswahlverfahren geht.

Dabei sollen verschiedene Kriterien bewertet werden, darunter auch Ergebnisse von Bürgerbefragungen. Nach Angaben des DOSB soll die Zusammenarbeit mit Hamburg fortgesetzt werden. Ziel sei es zu prüfen, welche Elemente des Hamburger Konzepts unabhängig von einer Olympia-Bewerbung umgesetzt werden können.

AfD fordert Rücktritt von Tschentscher

Die AfD reagiert mit scharfer Kritik auf das Ergebnis. Fraktionschef Dirk Nockemann fordert den Rücktritt des Bürgermeisters. „Bürgermeister Peter Tschentscher muss jetzt seinen Hut nehmen“, sagt Nockemann. Der Senat habe die Haltung der Bevölkerung zu Olympia falsch eingeschätzt. „Die Hamburger lieben den Sport, aber sie haben verstanden, dass Olympia unter diesem rot-grünen Senat kein Sportfest, sondern ein unkalkulierbares Milliardenrisiko wäre.“

Bürgerschaftspräsidentin lobt Referendum

Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit bewertet das Referendum dagegen positiv. Das Ergebnis habe Klarheit geschaffen. „Nun ist die Botschaft klar: „Hamburg soll sich nicht bewerben“, sagt Veit. Es sei richtig gewesen, die Entscheidung den Bürger*innen zu überlassen. Das Parlament hätte der Bewerbung vermutlich zugestimmt und damit möglicherweise gegen den Mehrheitswillen gehandelt. „Demokratie bedeutet, den Willen der Bevölkerung umzusetzen, nicht den der jeweiligen Regierung“, sagt Veit.

rot/dpa

Als Kind war sie kein Fan ihres Namens, liebte aber die Farbe. Rosa Bort, geboren 1998 in Braunschweig, zog nach dem Abitur nach Köln. Fürs Studium in Medien- und Wirtschaftspsychologie und, wie überall wo sie hinkommt: um dort zu tanzen, am liebsten zu Hiphop oder House. In Köln arbeitete sie nebenbei im Vertrieb und Marketing bei einem Fahrradhersteller. Im Anschluss an ein Praktikum in Prag baute sie den TikTok-Kanal des deutsch-tschechischen Magazins „Landesecho“ auf und wurde 2025 dafür mit dem „Johnny”-Klein-Preis ausgezeichnet. Sie lernte dabei unter anderem, dass Slytherin auf Tschechisch “Zmijozel” heißt. Im Praktikum bei Next Media Hamburg half sie, Workshops und Events für Medienunternehmen zu organisieren. Heute liebt Rosa ihren Namen, aber die Farbe ist ihr zu zart. Kürzel: rot

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