Väter, die sich um ihren Nachwuchs kümmern, suchen Gesellschaft von anderen Vätern – so funktionieren Angebote wie die Spaziergruppe “Walking Dads” und auch das Väterzentrum. Warum brauchen Väter eigene Angebote? Wir haben uns umgehört.

Vater werden – da verändert sich eine Menge im Leben. Die neue Rolle erfordert Fürsorge, Zeit und Verantwortung. Da hilft es, wenn sich Eltern untereinander austauschen können. Für Familien gibt es in Hamburg viele Angebote: Babyschwimmen, Krabbelgruppen und Elterntreffs. Sie werden (noch) vorwiegend von Müttern genutzt – oder richten sich sogar nur an sie. Dabei gibt es auch Anlaufstellen speziell für Väter.

Walking Dads Club: Spazierengehen, verbindet

Ein Mann steht in einem grünen Park mit einem Baby auf dem Arm.
Jochen Sendel mit seiner Tochter. Foto: Luise Beyer

Jochen Sendel hat 2025 den „Walking Dads Club” in Hamburg gegründet. Das Konzept: Väter gehen gemeinsam mit ihren Babys und Kleinkindern spazieren. Der 44-Jährige ist Vater einer fast einjährigen Tochter. Auf der Suche nach Möglichkeiten, sich mit anderen Vätern zu treffen, ist er letztes Jahr in den sozialen Medien auf den „Brooklyn Stroll Club“ gestoßen. Ein sogenannter „Dad Walk“ in New York City.

In Hamburg gab es das Konzept noch nicht. Sendel legte eine Seite bei Instagram an und verteilte Werbesticker in der Stadt. Der erste Spaziergang fand im Oktober statt. Damals waren sie zu zweit. Mittlerweile nehmen um die 20 Väter teil. Sie gehen in Planten un Blomen oder im Stadtpark spazieren. Inzwischen gibt es zwei Dad Walks in Hamburg. Ihre Instagram-Reels haben über eine Million Aufrufe.

Das Bild zeigt einen Kinderwagen im Park auf einer Wiese.
Alle Papas haben einen Kinderwagen dabei. Foto: Luise Beyer

Ein 29-jähriger Vater, der an den Walks teilnimmt, sagt: „Ich habe selbst nicht so viele Bekannte und Freunde, die auch Kinder haben. Es ist so eine nette Möglichkeit zum Austauschen.” Viele der teilnehmenden Väter hätten Handynummern ausgetauscht oder gemerkt, dass sie Nachbarn sind, sagt Sendel. 

Dennoch gibt es auch Kritik an den Dad Walks. Dass Väter mit ihren Kindern spazieren gehen, sollte selbstverständlich sein, finden Kritiker*innen. Die Dad Walks seien performativ. Die teilnehmenden Männer würden sich dafür feiern, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Sie würden das nur für die soziale Anerkennung tun.

Der Dad Walk kommt in Planten un Blomen an zwei Frauen mittleren Alters vorbei. Beim Anblick der Gruppe klatschen sie anerkennend.

Sendel kann die Kritik verstehen. Doch er entgegnet: „Was wir hier machen, ist ein Zusatzangebot. Keiner, der hier mitläuft, gibt das Kind nachher wieder ab und geht dann Playstation spielen. Die sind hier alle motiviert, sich einzubringen.

Ein Ort für die Anliegen von Vätern

Seit 25 Jahren gibt es den Väter e.V. – ein gemeinnütziger Verein, der von der Sozialbehörde finanziert wird und sich um die Anliegen von Vätern in Hamburg kümmert. Der Verein betreibt ein Väterzentrum in Altona und kümmert sich um „alles, was mit Vätern, Familien und Kindern zu tun hat, von Erziehungsfragen bis Trennung”, so Michael Strelow, der Pädagogische Geschäftsführer des Vätervereins. „Wir wollen für die Familie, für die Kinder da sein”, sagt Strelow.

Das Bild zeigt einen kleinen runden Tisch vor einem Sofa. Über dem Tisch hängt eine Lampe.
Im Väterzentrum gibt es wöchentliche, offene Treffen für Väter. Foto: Luise Beyer

Im Väterzentrum gibt es jede Woche Frühstück, einen Elternzeittreff und Beratungsangebote für Väter und Familien zu rechtlichen Themen oder zu Partnerschaften. Manchmal finden Erste-Hilfe-Kurse statt. Auch gab es eine Kooperation mit dem Dad Walk. Im Juni trafen sich die Väter zu ihrem Spaziergang vor dem Väterzentrum und endeten auch dort, um die verschiedenen Angebote zu vernetzen.

Insgesamt würden laut Strelow über 1000 Väter im Jahr erreicht werden. Dabei sei das Klientel breit gefächert: „Vom CEO, der in Ottensen eine Vier-Zimmer-Wohnung hat, bis zum Vater, der nichts auf der hohen Kante hat”, sagt er. Ein Großteil der Angebote ist kostenlos. Die Rechtsberatung kostet 40 Euro für 45 Minuten. Das sei nicht anders machbar, es würden sich aber in Notsituationen immer Lösungen finden, erklärt Strelow.

Die Angebote des Vätervereins werden gut besucht. Es gibt einen Beratungstermin, bei dem die Väter ohne Anmeldung kommen können. Strelow erklärt, dass der emotionale Zugang zu Männern anders und manchmal schwerer sei, als zu Frauen. Strelow erzählt von einem Vater, der immer wieder auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Väterzentrums auf und ab gelaufen ist. Irgendwann wechselte er die Straßenseite und Strelow sprach ihn an. Der Vater brach in Tränen aus und sagte: „Ich habe jetzt Weihnachten alleine überlebt, Silvester alleine überlebt, jetzt brauche ich Hilfe.”

Das Bild zeigt einen ebenerdigen Laden. Vor diesem steht ein Tisch und zwei Stühle auf dem Gehweg. Auf einer Fahne steht: Väterzentrum.
Das Väterzentrum in Altona. Foto: Lisann Leopold

Eltern-Angebote für Väter

Turnen, Schwimmen, Männergruppen: In Hamburg gibt es neben dem Väterzentrum und selbstorganisierten Dad Walks einige Angebote für Väter. 

Eine Vielzahl an Angeboten, die Väter wahrnehmen können, sind “Eltern”-Angebote. So bieten beispielsweise viele Sportvereine Eltern-Kind-Turnen oder Eltern-Kind-Schwimmen an. Auch Elternschulen sind eine Anlaufstelle für Väter in Hamburg. Die Elternschule Altona bietet beispielsweise jeden 2. und 4. Samstag im Monat einen Vater-Kind-Vormittag an. Elternschulen gibt es in jedem Hamburger Bezirk, insgesamt sind es 22. Sie sind Anlaufstelle und Treffpunkt für Familien, Eltern und Erziehungsberechtigte. 

Verschiedene Webseiten bieten außerdem Auflistungen von Angeboten für Väter in Hamburg an. Auf der Seite kidsgo findet eine Suchmaschine diverse Angebote für Eltern und Familien in Hamburg und es gibt die Möglichkeit, explizit nach Angeboten für Väter in Hamburg zu suchen. Auch die Website “Geburt in Hamburg” hat eine Übersicht zu Veranstaltungen und Angeboten für Väter in Hamburg.

Kirchen und kirchliche Gemeinschaften bieten einige Angebote für Väter in Hamburg an. Die Katholische Familienbildungsstätte Hamburg veranstaltet Männergruppen und Papa-Kind-Turnen.

Für werdende Väter finden sich an verschiedenen Krankenhäusern und Kliniken in Hamburg Geburtsvorbereitungskurse.

Auch Workshops für Väter gibt es: die Universität Hamburg zum Beispiel hat im Mai den Workshop “Ich werde Vater!” angeboten. Am Geburtshaus Hamburg können Väter den “Workshop für Caregiver und Väter” besuchen.

Luise Mia Beyer, Jahrgang 2002, liebt ihren Geburtsort St. Pauli, war aber schon viel unterwegs. Als Pfadfinderin wanderte sie quer durch Europa, mit einem Holzboot reiste sie in Indonesien von Insel zu Insel, in ständiger Angst vor einer Havarie. In Norddeutschland betreute sie Kinderschauspieler*innen auf einem Filmset und in Hamburg lieferte sie im Smart Pizza aus. Ihren Spaß am Skifahren und Surfen verband sie an der Leuphana mit Social Media: Sie produzierte Reels über Hochschulsportreisen. Nach dem Bachelor in Kulturwissenschaften machte sie ein Praktikum im Bereich Kultur- und Wissenschaftskommunikation bei Holtzbrinck Berlin. Beim Goethe-Institut in San Francisco betreute Luise die digitale Kommunikation und wohnte drei Monate im Turm der Feuerwache aus "The Princess Diaries". Jetzt, endlich, lebt sie wieder auf dem
Kiez. Kürzel: isi

Lisann Marie Leopold, geboren 2001 in Hamburg, wäre am liebsten die neue Stimme des HVV: „Ich hab richtig Lust zu sagen: nächste Haltestelle Landungsbrücken.“ Ihre Affinität zur Sprache konnte sie schon beim NDR in Lüneburg zeigen. An der Leuphana lernte sie im Studium der Kulturwissenschaften, gesellschaftliche Strukturen zu hinterfragen. Zum Beispiel, ob Männer bei Instagram lernen können, feministisch zu denken (eher nein). Für FINK schaut Lisann da hin, wo Journalismus oft nicht hinsieht: in die Lebensrealität von Menschen, die etwa von Armut oder Rassismus betroffen sind. Lernen will sie außerdem, Videoreportagen zu vertonen - und so schön zu sprechen wie die Stimme der U-Bahn. Kürzel: leo

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