Silberlinge Hamburg Verschrottung
In Zukunft werden die Bahnen der Linie U5 automatisch fahren Foto: Laura Lagershausen

Klaus Uphoff, U5-Projektleiter der Hochbahn, ist überzeugt von der neuen Schnellbahnlinie, die von Barmbek bis Osdorf reichen soll. Allerdings birgt das Projekt auch Konfliktpotential.

Mit der Rubrik #FINKaboutit beleuchtet die Redaktion von FINK.HAMBURG regelmäßig relevante Themengebiete. Und trägt dafür die wichtigsten Fakten, News und Hintergrundinformationen zusammen.

Die Hochbahn erklärte am Mittwoch, dass der renommierte Architekt Hadi Teherani mit der Gestaltung der neuen U5-Haltestellen beauftragt wurde. Der in Teheran geborene und in Hamburg aufgewachsene Stadtgestalter hat unter anderem die Tanzenden Türme an der Reeperbahn entworfen. Außerdem ist er für nachhaltige Projekte, wie den ersten „grünen Bahnhof“ am Frankfurter Flughafen, bekannt. Ein Highlight seines U5-Konzepts ist die Lichtgestaltung, die sich an den menschlichen Tagesrhythmus anpassen soll. Außerdem soll die Überdachung der Eingänge zu den Haltestellen auch als Sitzgelegenheit genutzt werden können.

Wir haben in unserem FINKaboutit die wichtigsten Fakten zum Bau der U5 zusammengetragen:

Bauabschnitte

Obwohl die exakten Streckenverläufe noch nicht feststehen, wurde das Großprojekt in drei Bauabschnitte aufgeteilt:

Bauabschnitt Ost reicht von Bramfeld bis zur neuen Haltestelle New-York-Ring zwischen Rübenkamp und Stadtpark. Der Bauabschnitt Mitte verläuft vom Borgweg rund um die Alster und über die Hoheluftbrücke bis zum Siemersplatz in der Nähe von Hagenbecks Tierpark. Der Bauabschnitt West führt schließlich von dort bis zum Osdorfer Born.

Neue U-Bahn Linie U5
Diese Strecke soll die neue U-Bahn-Linie U5 fahren. Bild: Hochbahn

Zeitplan

Die endgültige Planung soll bis 2019 abgeschlossen sein. Erst dann sollen sich laut Hochbahn-Chef Henrik Falk belastbare Kostenpläne erstellen lassen.

Die Arbeiten für den Abschnitt Ost sollen von 2021 bis 2026/27 andauern. Diese Strecke soll bereits in Betrieb genommen werden, während der zweite und längste Bauabschnitt von 2025 bis 2033 realisiert werde. Der letzte Teil soll von 2027 bis 2035 gebaut werden.

Neuanbindungen

Die Linie soll die Haushalte von etwa 100.000 Personen erstmals an das Schnellbahnnetz anbinden.

Bisher ist ein Großteil der Anwohner im Einzugsgebiet nur via Bus mobil. Rund um die Großwohnsiedlungen in Lurup, Osdorf und Steilshoop ist bisher selbst das Busnetz nicht ausreichend ausgebaut, um schnell an die nahgelegenen S-Bahnhaltestellen zu kommen. Aber auch östlich und nordöstlich der Außenalster seien die Anwohner bisher zu schlecht an das Netz angebunden.

Innovationen

Eine Neuerung sollen die Bahnsteigtüren sein, die eine Barriere zu den Gleisen darstellen, wie man sie aus Metropolen wie Kopenhagen, Paris und London kennt. Somit wäre die U5 die erste Schnellbahnlinie Deutschlands mit einer zu den Schienen hin abgeschlossenen Bahnsteigkante.

Neue U-Bahn Linie U5
Ein Entwurf des Architektenbüros Hadi Teherani für die Haltestellen. Bild: Hochbahn

Außerdem soll die eingesetzte Fahrzeuggeneration DT 6 vollautomatisch fahren. Ein Hochbahnmitarbeiter werde zuerst trotzdem immer dabei sein. Die neuen Züge können in Intervallen von 90 Sekunden fahren, also doppelt so schnell wie bisher.

Alle Haltestellen werden barrierefrei entworfen.

Uneinigkeiten beim ersten Streckenabschnitt

Pläne zum Streckenabschnitt Ost liegen in zwei Varianten vor: Die Südvariante macht von Steilshoop aus einen Schlenker über Rübenkamp zur Sengelmannstraße. Die Nordvariante führt von Steilshoop direkt zur Sengelmannstraße und von dort weiter zur City Nord.

Bei der Südvariante würde eine Haltestelle im kleinen Quartier Hartzloh gebaut werden, was auf Unverständnis bei den Anwohnern stieß. Diese befürchteten eine jahrelang währende Baugrube in ihrem kleinen Quartier und organisierten sich unter dem Motto „Rettet den Hartzloh!“. Sie merkten an, dass keine neue Haltestelle nötig sei, da der Bahnhof Rübenkamp ohnehin in der Nähe liege.

Eine Pressemitteilung der Hochbahn vom Juli 2017 stellt ebenfalls fest, dass die Anzahl der Umsteigevorgänge an der Haltestelle Rübenkamp geringer ausfallen würde, als ursprünglich angenommen.

In einem Eintrag des Hochbahn-Blogs erklärte Pia Gängrich, dass noch fünf Haltestellen auf der Südroute geprüft werden. „Aber wie es aussieht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es die von uns zuerst angedachte Haltestelle Hartzloh Ost wird, eher gering“, so die Sprecherin.

Allerdings ist eine Haltestelle im Hartzloh West weiterhin gut möglich. Allerdings: Der dort befindliche Wochenmarkt sei wichtig für das Quartier und könne für die Bauzeit ebenfalls nicht stattfinden, so Robert Lindenau von der Bürgerinitiative für einen lebenswerten Hartzloh. Außerdem meint der ortsansässige Mitgründer der Initiative, dass die Nordvariante ohnehin günstiger und somit auch für die Hochbahn attraktiver wäre.

Zudem steht die Nordroute über die Nordheimstraße zur Prüfung aus. Für diese Lösung spricht, dass sie aufgrund ihrer Geradlinigkeit 1,2 Kilometer kürzer und somit schneller sowie billiger zu realisieren sein würde. Eine Entscheidung soll bis Ende des Jahres fallen.

Neue U-Bahn Linie U5
Die umstrittene Stelle im Norden Barmbeks. Bild: MissyWegner [CC BY-SA 4.0] via Wikimedia Commons

Planungsprozess

Auf welcher Grundlage die Trassen und Haltestellen geplant werden, erklärt Christoph Kreienbaum, Pressesprecher der Hochbahn auf Nachfrage von FINK.HAMBURG. Eine Rolle spiele die Erschließung von Wohngebieten und Arbeitsplatzstandorten aber auch wo Krankenhäuser, Altenheime und Schulen liegen. „Hinzu kommen Geschäftsgebiete, die angeschlossen werden sollen“, so der Sprecher.

Außerdem müssen Fahrtzeiten und Umsteigemöglichkeiten zu anderen Schnellbahn- und Buslinien ausgewertet werden. Wie viel Geld vom Bund für den Bau eingefordert werden kann, hängt auch davon ab, wie intensiv die neue Bahnlinie genutzt werden wird. Die Kriterien werden von den Planern abgewogen. „Das haben wir im Falle Barmbek Nord sehr transparent im Bürgerdialog dargestellt“, so Kreienbaum.

Bürgerrechtler Robert Lindenau zweifelt an der Transparenz und dem Aufruf zur Bürgerbeteiligung. „Wir hätten vielleicht die Farben der Kacheln aussuchen können, aber ohne unseren organisierten und öffentlichkeitswirksamen Protest hätte ein Umdenken bei der Hochbahn nicht stattgefunden.“

Ein grundsätzlicher Kritikpunkt der Bürgerinitiative für einen lebenswerten Hartzloh ist jedoch die Bauweise. Durch offene und extrem tiefe Baugruben an den Eingängen der Haltestellen sei der Prozess oberflächen-, umwelt-, und menschenschädigend, so Lindenau. Dies sei besonders in dichten Wohngebieten der Fall. Die Hochbahn entschied sich bewusst für das Verfahren: Pressesprecher Kreienbaum erklärt, dies sei der sicherste Weg, um eine solche Haltestelle zu errichten und verwies auf Städte wie Lissabon und Barcelona.

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Lukas Schepers, Jahrgang 1992, arbeitet als freier Journalist unter anderem für das Stadtmagazin Szene Hamburg. Außerdem ist er Mitherausgeber des Literaturmagazins Nous, für das er Lyrik und Prosa schreibt und illustriert. Nach dem Journalismus- und PR-Studium an der Westfälischen Hochschule in seiner Geburtsstadt Gelsenkirchen zog es ihn zusammen mit seinem Hund, der einem Fuchs zum Verwechseln ähnlich sieht, nach Hamburg. Es folgten Praktika und eine Dramaturgie-Hospitanz am Thalia Theater. Wenn Lukas nicht gerade Schallplatten hört, rollt er auch gerne mal mit dem Skateboard durch seine neue Heimat.

2 KOMMENTARE

  1. Schon mal planen ist gut, Lichtgestaltung ist wichtig, „modernste“ ist SUPER!
    Aber wo fährt die längs?
    Und ist die immer noch die Modernste, wenn sie 2050 fertig ist? Vielleicht fährt sie ja mit Licht!

    Und für mich als Stellinger ganz schlimm: obwohl Fluglärmgeschädigter muss ich weiterhin um die Alster fahren um zum Flughafen zu kommen. Ohne Koffer wäre ich zu Fuß genauso schnell.

  2. Die neuen Züge können in Intervallen von 90 Sekunden fahren, also doppelt so schnell wie bisher.

    „ , also doppelt so oft“ wäre meiner Meinung nach besser.

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