Schutzpuppen aus der Ukraine
Vier Tage braucht Tetyana Zolochevska für eine Motanka-Puppe. Foto: Tobias Zuttmann

Kunsthandwerk und klassische Musik: Bei der Langen Nacht der Konsulate präsentiert sich die Ukraine von ihrer folkloristischen Seite. Aber auch der Krieg im Land ist für die Ukrainer in Hamburg ein wichtiges Thema.

Überall sieht man Blumen – an den bunten Kleidern der Frauen, eingeflochten in ihren Haaren und auf den Stoffpuppen im Eingangsbereich. Die Gäste im ukrainischen Konsulat unterhalten sich, es wird gelacht, immer wieder hört man Gespräche auf Ukrainisch.

Lange Nacht der Konsulate

Am 15. Mai öffneten im Rahmen der Europawoche 30 Konsulate, vier Kulturinstitute und der Internationale Seegerichtshof in Hamburg ihre Türen für Besucherinnen und Besucher. Die Europawoche fand 2018 zum siebten Mal in Hamburg statt. 12 Redakteurinnen und Redakteure von FINK.HAMBURG reisten in dieser Nacht durch die Hansestadt und auch um die Welt. Ihre Eindrücke und Erfahrungen haben sie im Rahmen einer Serie festgehalten. (hl)

Und immer wieder lenken die bunte Figuren die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Die Herstellerin Tetyana Zolochevska berichtet stolz von ihrer Sammlung: Alle Puppen sind handgemacht und aus Naturprodukten hergestellt. Insgesamt vier Tage Arbeit stecken in jeder von ihnen.

Jede Schutzpuppe hat eine besondere Bedeutung. Eine Figur mit sechs Armen soll Hausfrauen helfen, ihre zahlreichen Aufgaben zu bewältigen. Eine Puppe mit Kind soll die Mutter-Tochter-Beziehung stärken.

Das Innere der Puppe ist ein Maiskolben oder gerollter Stoff. Weidenzweige sorgen für die Stabilität. Die Köpfe bestehen aus einer Walnuss, die ein gutes Gedächtnis symbolisiert. Zolochevska schwingt eine Puppe durch die Luft und ein angenehmer Minzgeruch ist zu vernehmen. Im Rock der Puppe sind verschiedene Kräuter eingearbeitet, wie Lavendel oder Lorbeer.

 Schutzpuppen aus der Ukraine
Jede Puppe hat eine bestimmte Bedeutung. Foto: Tobias Zuttmann

Tetyana Zolochevska stammt aus Charkiw, der Ostukraine. Heute lebt sie in Bremen und arbeitet in einem Kindergarten. In ihrem Heimatland war sie schon viele Jahre nicht mehr. „In der Ukraine herrscht Krieg, das sollte man nicht vergessen. Jeden Tag sterben dort Menschen“, sagt sie mit fester Stimme. Sie spendet regelmäßig Bettwäsche, Medikamente und Kleidung.

Wenige Minuten später tanzt sie fröhlich zur Musik und summt die Melodie mit. Zwei junge Musikerinnen singen ukrainische Lieder und spielen dazu Keyboard und Trommel. Die Ukraine hat sich an diesem Abend von ihrer fröhlichen und ernsthaften Seite gleichzeitig gezeigt.

Video von Hannah Lesch

Nach Frankreich zu Wein, Baguette und Kunstperformance?

Oder nach Argentinien zu Tango und Galerie Atmosphäre?

Vorheriger ArtikelBulgarische Couchgespräche
Nächster ArtikelWangenkuss statt Handschlag in Uruguay
Tobias Zuttmann, Jahrgang 1995, ist als Kind so heftig in eine Glastür gelaufen, dass er darin steckengeblieben ist. Heute bewältigt er lieber einen Halbmarathon. Nach dem Ressortjournalismus-Studium im fränkischen Ansbach absolvierte er eine Reihe von Praktika, unter anderem beim WDR, ZDF und „Kicker“. Am längsten blieb er bei ProSiebenSat.1 in der Redaktion der Sportsendung „ran“, denn auf Sport liegt auch im Journalismus sein Fokus. Anschließend folgte die Übernahme als freier Mitarbeiter. Wenn Tobias nicht gerade auf Weltreise ist, kann man ihn während der Football-Saison im ICE auf der Strecke Hamburg-München antreffen, wenn „ran“ wieder mal nach einem kompetenten Sportbericht verlangt. Dafür zeigt er vollen Einsatz: Für acht Stunden Arbeit fährt er innerhalb eines Tages zwölf Stunden Zug. Kürzel: tz