Viele Menschen waren an diesem Abend zu Besuch im Konsulat von Bulgarien. Foto: Hannah Lesch
Das Konsulat von Bulgarien Foto: Hannah Lesch

Wein, 40 Liter Bohnensuppe und Fotos mit den Obamas: Das Konsulat von Bulgarien liegt zwischen Alster und Thalia Theater, inmitten von schicken Bürogebäuden, und erinnert eher an ein Wohnzimmer, als an eine Behörde.

„Nehmt euch ein Glas Wein und einen Stuhl und setzt euch dazu!“ So wird jeder Gast im Honorarkonsulat von Bulgarien begrüßt. Es fühlt sich an, als würde man in ein Wohnzimmer treten: In einem großen Kreis sitzen gut 20 Personen auf Sofas und Sesseln und unterhalten sich. Ein paar weiße Klappstühle wurden dazugestellt. Die Stimmung ist gut: Es wird gelacht, angestoßen und getrunken.

Lange Nacht der Konsulate

Am 15. Mai öffneten im Rahmen der Europawoche 30 Konsulate, vier Kulturinstitute und der Internationale Seegerichtshof in Hamburg ihre Türen für Besucherinnen und Besucher. Die Europawoche fand 2018 zum siebten Mal in Hamburg statt. 12 Redakteurinnen und Redakteure von FINK.HAMBURG reisten in dieser Nacht durch die Hansestadt und auch um die Welt. Ihre Eindrücke und Erfahrungen haben sie im Rahmen einer Serie festgehalten. (hl)

Mittendrin sitzt Gerd-Winand Imeyer. Der 84-Jährige trägt eine große Hornbrille und eine breite Krawatte in den Farben der Bulgarischen Flagge. Er ist seit 15 Jahren Honorarkonsul, erzählt er stolz und zeigt auf seine Frau Petra, die den nächsten Gästen Wein ausschenkt. Sie habe für heute Abend 40 Liter bulgarische Bohnensuppe gekocht. „Aber die sind leider schon weg.“

Ansprechpartner für 50.000 Bulgaren

Schaut man sich genauer um, wird das Wohnzimmer dann doch zum Konsulat von Bulgarien: In einer Ecke des Raumes wird eine Ikone angeleuchtet, am Eingang hängt die bulgarische Flagge neben dem Hamburger Wappen und das große Bücherregal ist vollgestopft mit politischen Wälzer, Reiseführern und einem Teeservice.

Auf Imeyers Schreibtisch stehen gerahmte Bilder auf denen er mit Barack Obama und dessen Schwester Auma Obama zu sehen ist. Er muss kurz überlegen, fährt sich durch die weißen Haare, dann fällt es ihm wieder ein: Kennengelernt habe er Auma durch die amerikanische Generalkonsulin.

Aber eigentlich seien die Beziehungen zu Amerika kein großer Teil seiner Arbeit, er konzentriere sich vor allem auf die Situation der Bulgaren in Deutschland. Im Konsulat werden täglich Visa und Pässe ausgestellt, mit bulgarischen Schulen und der bulgarisch-orthodoxen Kirche in Hamburg kommuniziert.

Imeyer ist seit 25 Jahren im Dienst - sein Computer beinahe auch. Foto: Hannah Lesch
Imeyer ist seit 25 Jahren im Dienst im Konsulat von Bulgarien – sein Computer beinahe auch. Foto: Hannah Lesch

Imeyer vertritt als Honorargeneralkonsul in Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ca. 50.000 Bulgaren. Für sein Amt bekommt er kein Geld. „Mein Lohn ist, dass ich jeden Morgen gesund aufwache“, sagt er mit großer Ernsthaftigkeit und fügt lächelnd hinzu: „Das Amt ist für mich eine Lebensaufgabe.

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Hannah Lesch, Jahrgang 1994, überlebte bereits Wildwasser-Rafting mit Krokodilen in Namibia. Dort hat sie auch Bogenschießen gelernt. Nach dem Bachelor im Wissenschaftsjournalismus ging sie für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Afrika, um für die „Deutsche Welle Akademie“ Trainings für Medienschaffende anzubieten. Nebenbei organisierte sie ein Festival, bei dem in 48 Stunden Filme produziert wurden. Wissenschaftsjournalistin möchte sie werden, seit sie bei „Jugend forscht“ einen Preis gewonnen hat. Dafür kartierte sie Mauereidechsen. Und nein, mit Harald Lesch ist sie nicht verwandt. Ihren Namensvetter und ihr Idol würde sie trotzdem gerne mal treffen. Immerhin: Seine Gehaltsabrechnung wurde ihr beim Praktikum beim „Bayerischen Rundfunk“ aus Versehen zugestellt. Geöffnet hat sie diese aber nicht. Kürzel: hl