Lange Nacht der Konsulate: Frankreich
Lange Nacht der Konsulate im französischen Konsulat. Foto: Nadine von Piechowski

Zwischen alten Stadtvillen und protzigen Neubauten steht in Harvestehude das französische Konsulat. Vor der alten, weißen Villa stehen drei Menschen, die Zigaretten rauchen, ein Glas Wein trinken und laut lachen. Beim Betreten des Konsulats schlägt einem der Geruch von Wein, Käse und Kaffee entgegen. So stellt man sich Frankreich vor.

Kaffee vs. Café

Bild im französischen Konsulat
Bild im französischen Konsulat. Foto: Nadine von Piechowski

Der Anblick der großen Kaffeemaschine im Flur ist zunächst etwas befremdlich. Latte Macchiato, Cappuccino und Co. stammen doch ursprünglich aus Italien. Aber auch in Frankreich gibt es eine lange Kaffee-Tradition. Die unterscheidet sich allerdings stark von dem, was deutsche oder italienische Kaffeetrinker als Genuss empfinden. Die Franzosen trinken ihren Café noch genauso,  wie es vor Jahrzehnten üblich war. In einer kleinen Tasse und aus der verhältnismäßig scharfen Robusta-Bohne gebraut. Da verwundert es nicht, dass die deutschen Gäste des Konsulats nach einer Kostprobe die Nase rümpfen.

Hamburg gehörte im 19. Jahrhundert zu Frankreich

Ein freundliches „Bonjour, Bienvenue“ am Eingang und schon muss man weitergehen. Von hinten drängen die nächsten Gäste. Das zweistöckige Gebäude mit hohen Decken und Fenstern ist hell und  freundlich. An den Wänden hängen schwarz-weiß Fotografien aus ganz Frankreich. Auf einer kleinen Bühne spielt eine Band schnellen Jazz. Die Zuschauer klatschen und wippen mit den Köpfen.

Hamburg und Frankreich verbindet eine lange Geschichte. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Hamburg über mehrere Jahre von Frankreich besetzt – 1811 sogar vollständig in das französische Kaiserreich eingegliedert. 1814 mussten die Franzosen die Hansestadt allerdings wieder freigeben. Bis heute merkt man diese Nähe, auch in der Sprache. Im Hamburgischen gibt es den Ausdruck „Fisimatenten machen“, also Dummheiten anstellen. Der stammt ursprünglich aus dem Französischen. Angeblich forderten französische Soldaten junge Frauen mit dem Ausdruck „Visite ma tente!“ auf, sie in ihrem Zelt zu besuchen.

Die Senatorin im Garten

Durch den Keller, in dem ein Bücherbazar stattfindet, gelangt man in den Garten. Auf dem ungemähten Rasen und zwischen verwilderten Hibiskus-Büschen haben sich kleine Gruppen gebildet. Kurz herrscht Stille, denn der Leiter des Institut Francaise kommt mit der Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen Dorothee Stapelfeldt die Treppen hinauf.
In der Villa steht inzwischen eine riesige Leinwand auf der Bühne. Eine Künstlerin schreibt die Worte „Liberté, Egalité, Fraternité“ in den Farben der französischen Flagge auf den Stoff. Danach verwischt sie die Worte und ein orange-rotes Gemälde entsteht.

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Nadine von Piechowski, Jahrgang 1992, studiert in dem Gebäude, in dem sie geboren wurde: die Finkenau 35, früher eine Geburtsklinik, heute die HAW Hamburg. Bislang hat sie nur nördlich der Elbe gelebt: In Kiel und Kopenhagen studierte sie Geschichte und Archäologie. Nadines ursprünglicher Plan: ein weiblicher Indiana Jones werden. Hut und Peitsche hat sie als Ausrüstung zum Abschluss schon geschenkt bekommen. Trotzdem will sie lieber in den Journalismus. Nadine absolvierte diverse Praktika, etwa in der Pressestelle des Bundes für Natur und Umweltschutz und bei „Radio Hamburg“ in der Redaktion. Beim Helms-Museum in Harburg lektorierte sie einen Ausstellungskatalog. Sie schreibt unter anderem für den Blog „Typisch Hamburch“. In ihrer Freizeit spielt sie Handball und versucht, mit ihrem bienenfreundlichen Balkon die Welt zu retten. Kürzel: nvp
Amelie Rolfs, Jahrgang 1993, hat eine genaue Vorstellung vom perfekten Sonntag: Frühstück in einem der besten Cafés Hamburgs und anschließend auf dem Flohmarkt nach alten Schallplatten stöbern. Ihre Bachelorarbeit hat sie in Politikwissenschaften über feministische Instagrammerinnen geschrieben und zuvor beim Kindermagazin „Dein Spiegel“ gelernt, wie man Dinge einfach erklärt. Bei "stern.de" schrieb sie über Themen aus Frankreich und den USA. Außerdem organisierte sie beim NDR die Sendung „Wahlarena“ zur Bundestagswahl 2017 mit – und machte dabei natürlich ein Selfie mit Martin Schulz. Angela Merkel war zu gut abgeschirmt. Kürzel: ar