Klassische Musik im Generalkonsulat der Republik Östlich des Uruguay.
Im Generalkonsulat der Republik Östlich des Uruguay wird in der Langen Nacht der Konsulate klassische Musik gespielt. Foto: Jana Trietsch

Was macht die uruguayische Gastfreundschaft aus? Im Generalkonsulat von Uruguay warten Häppchen, Rotwein und Herzlichkeit auf die Besucher der Langen Nacht der Konsulate.

Über einen blau-weiß-melierten Teppich betreten die Gäste das uruguayische Konsulat in Hamburg. Der offizielle Name des Staates lautet übrigens Republik Östlich des Uruguay. Wieso das so ist, erfährt man im Konsulat: Der Río Uruguay ist ein Fluss, der sich aus dem Río de la Plata und dem Paraná speist. Er verläuft als Grenze zwischen Argentinien und Uruguay. In der Sprache der Guaraní, ein indigenes Volk, steht sein Name für den Fluss der bunten Vögel.

Uruguay ist das kleinste spanischsprachige Land in Südamerika und befindet sich unterhalb von Brasilien an der Atlantikküste. Das Generalkonsulat tritt weniger pompös auf, als seine benachbarten Konsulate: Von einem schmalen Flur aus gehen drei Räume, eine Küche und ein Bad ab. Aus dem Empfangsraum neben dem Büro der Generalkonsulin erklingt Klaviermusik. Der uruguayische Musiker spielt klassische Musikstücke, die nicht südamerikanisch klingen.

Für die Liebe nach Hamburg

Eine Frau mit rotem Lippenstift sitzt auf dem braunen Ledersofa und hört andächtig zu. Die gebürtige Uruguayerin erklärt, dass eigentlich der Tango als Tanz und Musikstil fester Bestandteil der uruguayischen Kultur ist. Im Gegensatz zur Klassik gehe es beim Tango um Leidenschaft. Auf die Frage, warum sie Uruguay verlassen habe, antwortet sie: „Aus dem besten Grund: der Liebe.“ Den Deutschen legt sie Nachhilfe im Tango nahe, damit sie weniger steif tanzen. Eine Mitarbeiterin des Generalkonsulats verrät, wo man in Hamburg am besten Tango tanzen lernen kann.

Das Treppenhaus führt in den zweiten Stock des Stadthauses in der Hochallee.
Über das Treppenhaus mit der auffälligen grünen Tapete gelangen die Besucher in den zweiten Stock des Stadthauses in der Hochallee. Foto: Jana Trietsch

Im Flur des Konsulats tragen große Plakate die Aufschrift: „Fliehen Sie! Kommen Sie, das natürliche Rindfleisch Uruguays zu kosten!“ Was hinter dem Aufruf steht, erklären selbstgebastelte Plakate mit Informationen zu Uruguay. Die Weideflächen der Pampa sind charakteristisch für die uruguayische Landschaft. Vor allem die Viehzucht ist ökonomisch wichtig für das Land. Im Konsulat sucht man allerdings vergeblich nach dem Rindfleisch. Die kulinarische Seite decken an diesem Abend andere Partyklassiker ab.

In Uruguay gibt es Häppchen

Es riecht nach herbem Rotwein, der auf einem Tablett durch die Räume getragen wird. Seine intensiv dunkelrote Farbe und den kräftigen Geschmack erhält der Wein durch die in Uruguay angebaute Tannat-Traube, die Weinkenner sehr schätzen. Neben Rotwein gehören Häppchen zu einer uruguayischen Party: traditionelle Sandwiches mit Thunfisch und Salat oder Käse und Schinken. Die meisten Gesprächen werden auf Spanisch geführt, Deutsch hört man nur vereinzelt. Viele in Hamburg lebende Uruguayer, kommen an diesem Abend in das Konsulat. Die Begrüßungen sind herzlich: Wangenkuss statt Handschlag.

Das Büro der Generalkonsulin bleibt an diesem Abend leer
Das Büro der Generalkonsulin bleibt an diesem Abend leer. Foto: Jana Trietsch

Die Besucher sammeln sich um das Klavier im Empfangsraum. Das Büro der Generalkonsulin bleibt leer. Ein Foto von der Skyline der Hauptstadt Montevideo steht auf dem Bücherregal, die weiß-blau gestreifte Flagge mit der gelben Sonne hängt an einem Stab neben dem großen Schreibtisch aus Holz. Gerahmte Bilder zeigen das traditionelle Wappen Uruguays und den uruguayischen Präsidenten Tabaré Vázquez. Aber ein Detail stört den Eindruck, in einem uruguayischen Büro zu sein: Auf der großen Tasse auf dem Schreibtisch steht „Washington D.C.“.

Nach Äthiopien zu einer Kaffeezeremonie auf dem Küchenboden?

Oder nach Italien zu Focaccia und Jazz?

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Anika Schnücke, Jahrgang 1992, stuft sich selber als Gefahr für den Hamburger Verkehr ein. In drei Jahren in der Fahrradmetropole Münster hat sie sich einen rücksichtslosen Fahrstil angewöhnt. Neben ihrem Fahrrad bringt sie ihr Gespür für Lokaljournalismus mit in die Hansestadt. Während ihres Kommunikationswissenschaft-Studiums schrieb Anika in Münster als freie Journalistin für die Lokalzeitung und ein Stadtmagazin. Wie man ernste Themen mit Humor behandelt, lernte sie bei einem Praktikum in der Online-Redaktion der „Heute Show“. Über politische Satire schrieb sie auch ihre Bachelorarbeit. Anika freut sich auf die Einführung von rothaarigen Emojis – obwohl sie findet, dass man sich mit Gifs sowieso viel besser ausdrücken kann. Kürzel: as