Am Montag und Dienstag findet der achte „Hamburg-Summit“ in der Handelskammer statt. Internationale Vertreter aus Politik und Wirtschaft sprechen dabei über Chancen und Risiken der geostrategischen Entwicklung Chinas – die reicht bis Hamburg.

Bei der Konferenz „Hamburg Summit: China meets Europe“ treffen Anfang dieser Woche Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik aus der Volksrepublik und Europa in Hamburg aufeinander. Die Konferenz eröffnet Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Auf der Agenda stehen aktuelle Handelsthemen wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz oder Chinas Milliarden-Investitionsprojekt „Neue Seidenstraße“. Über Wasser und über Land reicht diese Handelsverbindung bis an die Elbe.

Abschottung versus Freihandel

Die Konferenz findet in einer Zeit statt, in der die Handelsbeziehungen zwischen den USA, Europa und China als belastet gelten. Die USA unter Präsident Donald Trump haben Strafzölle verhängt und verfolgen einen eher protektionistischen Handelskurs. Das kommunistische China hingegen positioniert sich angesichts der US-Abschottungspolitik als Vertreter des Freihandels und der Marktwirtschaft.

„Von den dadurch entstehenden Verunsicherungen im weltweiten Handel ist gerade die Hamburger Wirtschaft betroffen“, sagt Handelskammer-Präsident Tobias Bergmann. Schließlich sei der Standort Hamburg durch den Hafen international vernetzt. Einen möglichen Handelsstreit würde er schnell zu spüren bekommen. Der Leiter des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, Professor Henning Vöpel, sagt dazu im Handelskammer-Magazin:

„Es gibt keinen Gewinner. Bei einem Handelskrieg verlieren alle.“

Hamburg-Summit will vermitteln

Die Europäische Union bezeichnet Chinas Wirtschaftssystem durch die hohen staatlichen Subventionen noch nicht als Marktwirtschaft, da es bislang zu wenig liberalisiert ist. Kritik gibt es auch an Chinas autokratischen Strukturen. Trotzdem sind Deutschland und Europa auf das Land angewiesen – nicht mehr nur als Produktionsstandort, sondern auch als Absatzmarkt und Vorbild für innovative Entwicklungen, heißt es bei der Handelskammer.

Hamburg Summit: China ist für den Hamburger Hafen der wichtigste Handelspartner. Hamburg Invest zufolge haben mehr als 550 chinesische Firmen einen Standort in Hamburg. Foto: www.mediaserver.hamburg.de / Christian Spahrbier
China ist für den Hamburger Hafen der wichtigste Handelspartner. Hamburg Invest zufolge haben mehr als 550 chinesische Firmen einen Standort in Hamburg. Foto: www.mediaserver.hamburg.de / Christian Spahrbier

Firmen aus Europa wünschen sich einen fairen Wettbewerb und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit China. „Neue strategische Allianzen und Bündnisse zu schließen oder zumindest in Erwägung zu ziehen, ist für Europa essenziell“, sagt Vöpel in der „Hamburger Wirtschaft“, dem Magazin der Handelskammer. Das ist auch Teil der Konferenz: Der Dialog zwischen den Ländern soll gefördert werden, indem Experten zu aktuellen Themen diskutieren.

China ist wichtigster Handelspartner

Die geostrategische Entwicklung Chinas – eines der Hauptthemen der Konferenz – reicht bis Hamburg. Mit dem Projekt „Neue Seidenstraße“ plant China Milliardeninvestitionen in Infrastruktur zwischen Ostasien und Europa sowie der afrikanischen Ostküste. Mit dem Geld sollen neue Bahngleise, Gas- und Ölleitungen sowie Hafenterminals gebaut werden. Der Name spielt auf die antike Seidenstraße an, deren Hochzeit circa 2000 Jahre zurückliegt. Sie verband schon damals China auf dem Landweg mit Staaten am Mittelmeer.

Die chinesische Staatsreederei Cosco ist ein langjähriger und regelmäßiger Kunde des Hamburger Hafens. Künftig sollen noch mehr Container mit dem Zug in das asiatische Land transportiert werden. Foto: HHLA / Dietmar Hasenpusch
Die chinesische Staatsreederei Cosco ist ein langjähriger und regelmäßiger Kunde des Hamburger Hafens. Künftig sollen noch mehr Container mit dem Zug in das asiatische Land transportiert werden. Foto: HHLA / Dietmar Hasenpusch

Die „Neue Seidenstraße“ ist für die Hansestadt von hoher Bedeutung. Schon heute ist China der wichtigste Handelspartner des Hafens. Jeder dritte Container kommt aus China oder wird dorthin verschickt. „Hamburg wird in China als einer der wichtigsten Endpunkte der Seidenstraße betrachtet, sowohl bei den seeseitigen als auch bei den landseitigen Transportverbindungen“, sagt Lars Anke, der die Stadt in Shanghai mit dem Hamburg Liaison Office repräsentiert. Inzwischen gibt es 235 Containerzug-Verbindungen zwischen Hamburg und China – pro Woche. Im Zusammenhang mit der Neuen Seidenstraße spricht Hafen Hamburg Marketing von vielversprechenden Potenzialen, die das Projekt für den Hafen bietet.

Industrie 4.0 und Nachhaltigkeit

Bei der zweitägigen Konferenz in der Hamburger Handelskammer werden auch Themen zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit besprochen. Dabei geht es um vernetze Produktionsanlagen oder um das Verständnis des Onlineshoppingverhaltens chinesischer Bürger. Außerdem wird ein chinesisch-europäischer Nachhaltigkeitspreis verliehen.

Als Gäste auf dem „Hamburg-Summit“ werden unter anderem der chinesische Vizepremier Liu He, die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager und der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder erwartet. Bürgermeister Peter Tschentscher wird die Gäste am Montag begrüßen. Auch die Chefin des Hafenterminal-Betreibers HHLA, Angela Titzrath, und Vertreter vieler anderer Unternehmen werden an diversen Diskussionsrunden teilnehmen.

la/dpa

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Lennart Albrecht, Jahrgang 1991, hat Olaf Scholz schon einmal drei Monate lang fast täglich auf Schritt und Tritt verfolgt – mit dessen Einverständnis, im Rahmen eines Praktikums beim Hamburger Senat. Auch Hamburgs Herz kennt er besser als die meisten: Im Nebenjob moderiert er Bustouren durch das Hafengelände, und sogar bei einem Praktikum in Hongkong warb er schon für die Vorzüge der Hansestadt. Bei der Reederei Hamburg Süd schrieb er für das Mitarbeitermagazin und half, Messen zu organisieren. Seinen Bachelor in Media Acting und Rhetorik machte er an der Hamburger Medienakademie. Für die Dokumentation „Die Norm“ begleitete Lennart Spitzensportler auf dem Weg zu den Olympischen Spielen. Er selbst fährt gern Rennrad – zum Mediencampus Finkenau aber kann er von zu Hause aus zu Fuß gehen. Kürzel: la

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