Blick auf die Hafenmeile des Hafengeburtstags 2018 mit seinen Essensständen, einem Riesenrad und einer Menschenmasse.
Die Hafenmeile beim Hamburger Hafengeburtstag. Foto: www.mediaserver.hamburg.de / Jan Traupe

Der 830. Hafengeburtstag lockt wieder Massen von Tourist*innen nach Hamburg und sorgt für dichtes Gedränge auf der Festmeile am Hafenbecken. Doch das ist nicht das einzige Problem des Großevents.

“Das interessiert doch eh niemanden aus Hamburg.” Diesen Satz hört man immer wieder, wenn man sich als Zugereister umhört, wer einen zu seinem ersten Hafengeburtstag in Hamburg begleiten möchte. Seltsamerweise werden am Wochenende wieder über eine Million Menschen am Elbufer erwartet und hunderte Schiffe kommen für ein reines Schaulaufen nach Hamburg. Ganz in der Nähe wartet die wohl berühmteste Luftmessstation Deutschlands darauf, endlich bessere Werte als im Vorjahr zu messen. All das lässt einen schon vorab die Lust am Geburtstagfeiern verlieren.

Mehr ist mehr

Der Hafengeburtstag in Hamburg hat sich verselbstständigt. Was in den 70er Jahren als interne Veranstaltung der Hafenwirtschaft begann, ist heute ein weiteres Großevent, das den Bewohner*innen in Neustadt und auf St. Pauli die Nerven raubt. Über 350 Essensstände und Fahrgeschäfte und mehr als zehn Bühnen mit Mainstream-Musik ziehen beim Hafengeburtstag so viele Tourist*innen an, dass Einheimische schon vorab davor warnen, sich in Hafennähe zu begeben.

Der Hafengeburtstag ist ein Volksfest für Tourist*innen, getreu dem Motto: “Mehr ist mehr”. Dabei hat der Hamburger Dom schon an drei von vier Jahreszeiten geöffnet. Braucht es daneben eine weitere Kirmes in Hamburg, eine Stadt, die sich mit etlichen Open-Airs, Straßenfesten und Großevents eh schon nah an der Übersättigung bewegt?

Abfertigung der Massen

Anlass für die alljährliche Feier auf der Hafenmeile ist laut Tourismusbehörde die angebliche Geburtsstunde des Hamburger Hafens: 1189 soll Kaiser Friedrich Barbarossa das Aufblühen des mittlerweile größten Hafens Deutschlands ermöglicht haben, indem er die Zölle für einlaufende Schiffe abschaffte. Das Dokument stellte sich allerdings als Fälschung heraus.

Ohnehin wird beim Blick auf das Programm schnell klar, dass sich der Hafengeburtstag weniger um das Hochleben eines geschichtlichen Ereignisses dreht, sondern um die Massen von Tourist*innen. 830 Jahre nach dem vermeintlichen Erlass wird am Hafenbecken im dichten Gedränge mit überteuertem Bier und den üblichen Kirmesständen gefeiert. Kaiser Barbarossa hätte sich vermutlich geärgert. Nicht wegen der Feierlichkeiten, sondern wegen der schlechten Luft im Hafen.

Der Schornstein eines Schiffs stößt beim Hamburger Hafengeburtstag eine dunklle Abgaswolke in den Himmel.
Mehr als 300 Schiffe kommen zum Hafengeburtstag nach Hamburg. Foto: www.mediaserver.hamburg.de / Christian Spahrbier

Dicke Luft am Hafenbecken

2014 hat der Naturschutzbund (NABU) während der Einlaufparade eine 80-fache Überschreitung der als unbedenklich geltenden Werte an Partikelemissionen gemessen. Ähnlich wie beim kollektiven Böllern an Silvester ist an diesem Wochenende wieder mit dicker Luft im Hafengebiet zu rechnen. Nur zwei Kilometer Luftlinie entfernt von den Schiffen soll die erste Dieselverbotszone Deutschlands in der Max-Brauer-Allee verhindern, dass eben diese Schadstoffe der Gesundheit der Hamburger*innen schaden. Die dortige Messstation misst seit ihrer Errichtung vor einem Jahr nur leider keine besseren Luftwerte.

Da hilft auch kein einzelner Öko-Katamaran, der wie ein Mahnmal neben all den Diesel-Schiffen zum Hafengeburtstag vorbeischaut. Wenn über 300 Schiffe auf einmal in den Hafen einfahren, dann ist und bleibt die größte Verliererin des Hafengeburtstags die Umwelt. Gefeiert wird trotzdem – am Samstag auch noch mit einem großen Feuerwerk.

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Benjamin Eckert, Jahrgang 1988, hat das Unmögliche möglich gemacht: Mit nur einer Bewerbung ergatterte er in Altona ein Zimmer in seiner Traum-WG. Dass Hamburg für ihn genau die richtige Stadt ist, würde er vor seinen Freunden aus seiner Heimatstadt Dortmund niemals zugeben. Seit 2009 arbeitet er als freiberuflicher Kommunikationsdesigner, 2013 schloss er seinen Bachelor in Fotografie ab. Beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend in Paderborn verantwortete er im Anschluss die Öffentlichkeitsarbeit und traf den Bundespräsidenten im Schloss Bellevue. Für die Landesinitiative StadtBauKultur NRW betreute er Newsletter und Webseiten. Nebenbei arbeitet Benjamin fleißig an seiner Bucketlist, einiges hat er schon abgehakt: sein eigenes Hochbett bauen, einen Baum pflanzen und ein Buch herausgeben. Kürzel: ben

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