Nach seinen Erfolgsfilmen „Absolute Giganten“ und „Victoria“ läuft nun Sebastian Schippers Drama-Komödie „Roads“ im Kino. Ein englischer und ein kongolesischer Jugendlicher unternehmen einen abenteuerlichen Roadtrip in einem Wohnmobil.

Zwei junge Menschen treffen in Nordafrika zufällig aufeinander und unternehmen gemeinsam einen Roadtrip, in dem es hauptsächlich darum geht, die eigene Identität zu finden.

Der neue Film „Roads“ von dem Regisseur Sebastian Schipper ist eine englischsprachige Drama-Komödie. In der deutsch-französischen Produktion klaut der achtzehnjährige Gyllen aus England im Familienurlaub in Marokko das Wohnmobil seines Stiefvaters. Er will damit zu seinem leiblichen Vater nach Frankreich fliehen.

Auf dem Weg trifft er zufällig auf den siebzehnjährigen Kongolesen William. Dieser ist auf der Suche nach seinem aus dem Kongo geflohenen Bruder. Zum letzten Mal hat er von ihm gehört, als er sich in Frankreich aufhielt. Gemeinsam fahren die beiden Jugendlichen mit dem Wohnmobil nach Frankreich.

Vom rauschhaften Hotboxing im Wohnmobil bis zum illegalen Überqueren verschiedener Landesgrenzen erleben Gyllen und William einen abenteuerlichen Weg. Das schweißt zusammen. In Calais angekommen, müssen sie sich entscheiden, ob sie nun getrennte Wege gehen wollen.

Verloren, aber zusammen

Vordergründig geht es darum, dass die jungen Männer beide nach Frankreich wollen, um jeweils ein Familienmitglied zu finden. Tatsächlich geht es aber um viel mehr: Der Film zeigt, wie ähnlich sich zwei Jugendliche sein können, die aus sehr unterschiedlichen Welten kommen. Beide fühlen sich verloren und halten zusammen, da sie so mehr Chancen haben, ihr Ziel zu erreichen.

All das zeigt Schipper mit wenigen Protagonisten und dezenter visueller Sprache. Der Perspektive des Geflüchteten, seinen Gefühlen, wird viel Raum in der Handlung gegeben. Das macht die Geschichte schlicht und gleichzeitig intensiv.

Auch technisch ist der Film gekonnt umgesetzt: Die Kamera nähert sich den beiden wohlwollend und taucht sie in ein warmes Licht. Die Musik unterstützt die Emotionen der Protagonisten und überträgt sie auf die Zuschauer. Fiepender Synthesizer und rumorender Bass lassen Wut und Angst mitfühlen.

Nach „Victoria“ kommt „Roads“

Schipper, 51, hatte vor 20 Jahren sein Regiedebüt mit dem Drama „Absolute Giganten“, in dem es um die Freundschaft von drei Hamburgern geht. Mit dem Film „Victoria“ aus dem Jahr 2015 wurde er noch bekannter. Mit einer Kameraeinstellung gefilmt, erzählt er die Geschichte von Anfang-Zwanzigjährigen, die eine Bank überfallen.

Gegenüber Deutschlandfunk sagte Schipper, dass er zwar politisch interessiert ist, sich allerdings vor „Roads“ nicht so tiefgründig mit dem Thema Flucht beschäftigt hat. Für die Recherche reiste er dann nach Calais und Marokko und schaute sich die Situation vor Ort an.

„Roads“ ist noch bis Anfang Juli in den Hamburger Kinos Zeise-Kino, Alabama-Kino oder 3001 Kino zu sehen. Sehenswert ist er definitiv.

Titelfoto: Studiocanal GmbH 

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