Zug, Hauswand, Tunnel: In Hamburg wird reichlich Farbe versprüht. Der Senat nannte Graffitis im Stadtbild gerade eine „Plage“, Fans verteidigen die Werke. Doch wo wird in Hamburg eigentlich am meisten getaggt?

Mit insgesamt 2407 Wandbildern bis einschließlich September 2019 hat die Zahl der erfassten Wandmalereien in Hamburg nur um sechs Graffitis zugenommen. Der Stadtteil Ottensen überholte dabei mit 115 Fällen den einstigen Spray-Spitzenreiter St. Pauli.

Im Vergleich zu 2018 hat sich die Zahl der Graffitis in St. Pauli von 169 auf 85 halbiert. Das Engagement der Polizei ist dort auffällig: Die Aufklärungsquote ist von 19,5 Prozent auf 29,4 Prozent gestiegen.

Ottensen wird dicht gefolgt von Eimsbüttel (99), Barmbek-Nord (95), Bergedorf und Eidelstedt (beide 94). Aber auch in Altstadt-Nord (86), Neugraben-Fischbek (69) und Wilhelmsburg (66) wird munter gesprüht und geklebt.

Hamburg-Karte mit den Bezirken und Graffiti-Fallzahlen von 2019.
Hamburg-Karte mit den Bezirken und Graffiti-Fallzahlen von 2019. Grafik: Kim Ly Lam / Sprühdosen-Icon: Eucalyp auf flaticon.com

Tags in Harburg beliebt

Getagged, damit ist das Schreiben von Hand gemeint, wurde vor allem in den Bezirken Hamburg-Mitte und Harburg. Die meisten beschmierten Verteilerschränke zählte Stromnetz Hamburg GmbH in Wandsbek.

Türen, Kabinenwände und Wandfliesen von WCs wurden von Klebe- und Kritzelwütigen ebenfalls bearbeitet: Besonders in Hamburg-Mitte und Harburg entdeckten die Behörden Graffitis und sogar eingebrannte Wörter.

Top 3 der Bezirke - kategoriengeordnet
Top 3 der Hamburger Bezirke nach Kategorie. Grafik: Kim Ly Lam / Icons: Freepic, Smashicons, Payungkead auf flaticon.com

Hamburg: Viele Sprayer kommen davon

Die Aufklärungsquote bleibt indes niedrig: Nur 12 Prozent der diesjährigen Fälle wurden bislang aufgeklärt. In Harburg lösten das Ordnungsamt und die Polizei immerhin 42 der insgesamt 188 Fälle. Dies entspricht einer Quote von 22,3 Prozent.

Schlechter sieht es in Wandsbek aus. Dort konnten die Beamt*innen lediglich 32 von 441 Fällen aufklären – gerade mal 7,3 Prozent.

Auch sind die Fälle gestiegen, in denen die Stadtreinigung Hamburg Graffitis entfernt hat: Bis Ende September 2018 beseitigten die Reinigungskräfte 389, im gleichen Zeitraum dieses Jahres 480 Wandmalereien. Dies geschehe nur in Absprache mit den Eigentümern der Gebäude oder im Rahmen gewerblicher Aufträge, hieß es.

Der Senat veröffentlichte die Daten Ende Oktober 2019 als Antwort auf eine Kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion.

kil/dpa

Titelfoto: Pixabay
Grafiken: Kim Ly Lam

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Es gibt kein Gericht, das Kim Ly Lam, Jahrgang 1996, nicht mag – sogar Raupen hat sie schon einmal probiert. Besonders begeistert ist sie von der internationalen Küche, denn diese ist so bunt und vielfältig wie ihre Interessen: Hip-Hop, Film, Politik und Reisen zählen etwa dazu. In Südafrika arbeitete sie in einer NGO und betreute die Kinder traumatisierter Frauen aus den Townships. Mit diesen Erfahrungen im Gepäck zog sie für ihren Bachelor in Digital Media nach Hamburg. Dort startete sie als freie Autorin für das “Hamburger Abendblatt”, “ze.tt” sowie die “Berliner Gazette” und schrieb über Big Data, Hamburger Lokalpolitik und auch sensible Themen wie sexuellen Missbrauch. Dem Essen blieb sie auch beruflich treu: In der Versuchsküche von Gruner + Jahr verkostete sie täglich bis zu zwölf Gerichte – und kochte sogar für Tim Mälzer. Kürzel: kil

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