Besonders die Clubszene leidet unter Corona. Das Risiko, sich auf der Tanzfläche anzustecken, ist extrem hoch. Getanzt werden kann jetzt aber trotzdem: FINK -Redakteurin Linda nimmt euch mit in die erste Auto-Disco im Norden.

Noch nie bin ich in Sporthose und Kapuzenpulli zu einer Party gefahren. Gespannt genieße ich die halbstündige Autofahrt auf dem Beifahrersitz von Hamburg zum Fun-Parc Trittau. Der Parkplatz der Großraum-Disco in Schleswig-Holstein wird heute den vierten Abend in Folge zur Auto-Disco. Hier teste ich eine der skurrilsten Party-Alternativen zu Coronazeiten.

Als mein Begleiter und ich gegen 20 Uhr das Gelände erreichen, wird uns sofort ein Platz in einer der vier Warteschlangen zugewiesen. Wir lassen die Scheiben runter. Aus den umstehenden Autos dröhnt laute Hardstyle-Musik.

Kurz bezweifele ich, ob die Hardstyle-Edition der Auto-Disco die richtige Entscheidung war. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht. Schon winkt uns ein Mann in Warnweste durch die Ticketkontrolle. Zwei junge Mädchen reichen uns eine Platzkarte, Infomaterial und zwei Tütchen Gummibärchen. Das funktioniert gerade so, denn unsere Scheiben dürfen maximal zu 25 Prozent heruntergelassen werden – so die Vorschrift.

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Bühne der Auto-Disco
Auf dieser Bühne steigt gleich die Party. Foto: FUN-PARC TRITTAU

Party unter strengen Auflagen

„Und hier eure Toilettenkarte“, sagt eines der Mädchen und drückt uns ein laminiertes Kärtchen in die Hand. Damit darf immer nur eine Person pro Auto die Toilette aufsuchen. Mit Maske versteht sich. Ansonsten ist das Verlassen des eigenen Wagens streng untersagt. Schnell merken wir: Die Auto-Disco wurde von A bis Z unter Berücksichtigung aller Hygieneauflagen durchgeplant.

Wir fahren zu unserem Platz in Reihe neun. Am Himmel erscheint ein riesiger Regenbogen. Sicher ein gutes Zeichen. Meine Vorfreude steigt. Innerhalb weniger Minuten stehen um uns herum rund 350 Fahrzeuge. Maskottchen laufen durch die Reihen, seichte Elektromusik sorgt bis zum Start für gute Stimmung. Über die Frequenz 99,7 empfängt jede*r die Beats im eigenen Auto. So sollen Anwohner*innen vor Lärm geschützt werden – in der Theorie. Zunächst klappt das erstaunlich gut. Sobald man das eigene Radio ausstellt, hört man die Musik der anderen Autos nur gedämpft.

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Autos feiern in der Auto-Disco
Die Stimmung steigt. Es wird getanzt - ob im Smart oder in der Limo. Foto: FUN-PARC TRITTAU

Autos blinken und wackeln im Takt

Ab 21 Uhr animiert ein DJ-Duo mit wummernden Bässen die sicher in hunderte Autos verpackte Menge. „Show me some Fernlicht!“ Prompt fangen die durch tanzende Insass*innen wackelnden Autos an zu blinken. Auf großen LED-Leinwänden wird die Show der DJs für alle übertragen. Drohnen senden Liveaufnahmen des außergewöhnlichen Spektakels von oben, Kameramänner filmen in die bebenden Fahrzeuge der Feierwütigen.

Die Stimmung ist ausgelassen. Wir kommen beim Tanzen allein mit dem Oberkörper und im Auto sogar richtig ins Schwitzen. Durch die leicht geöffneten Scheiben zieht ein angenehmes Lüftchen. Ich bin beeindruckt von der aufwendigen Lasershow, der Pyrotechnik und vor allem der strukturierten Organisation.

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Muss die Auto-Disco abgebrochen werden?

Sogar für Essen und Trinken ist gesorgt. Mit einer WhatsApp-Nachricht an das Fun-Parc Team kann man sich Pizza, Bier und Co. direkt ans Auto liefern lassen. Viele Gäste haben sich aber eigene Getränke mitgebracht. Neben uns beobachten wir zwei junge Frauen, die sich über den Abend hinweg Shots, Wein und weitere Spirituosen zu Gemüte führen. Kurz vor Ende der Party nimmt die Beifahrerin am Steuer Platz. Die Frauen haben wohl entschieden, wer die „Nüchterne“ von beiden ist.

Immer wieder müssen Ordner kleine Grüppchen auf und vor den Autos zum Abstand halten ermahnen. Flaschen werden herumgereicht, Handschläge ausgetauscht. Manchen scheint der Sinn der Auto-Disco nicht bewusst zu sein.

Plötzlich erscheint ein Warnhinweis auf den LED-Tafeln: „BITTE BÄSSE RUNTER. ES DROHT VERANSTALTUNGSABBRUCH. ANWOHNERBESCHWERDEN (LEIDER)“. Erschrocken drehen wir unser Radio leiser. Wir sind doch grade erst auf den Geschmack von Hardstyle und Auto-Disco gekommen.

Wunderkerzen zum Abschluss

Am Ende findet das Event trotz einer weiteren Beschwerde wie geplant bis 24 Uhr statt. Es werden Wunderkerzen verteilt. Gemeinsam singen alle zu Scooter „Always Hamburg“. Ein gebührender Abschluss eines gelungenen Abends. Mit zwölf Euro pro Person liegt der Eintritt noch im Rahmen eines gängigen Clubbesuchs. Allerdings reicht es für mich aus, die Auto-Disco einmal erlebt zu haben. Die Bewegungsfreiheit ist doch ziemlich eingeschränkt.

Weitere Termine für Auto-Discos hat der Fun-Parc Trittau aber auch noch nicht bekannt gegeben.

Titel-Foto: FUN-PARC TRITTAU

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Wenn sie etwas sagt, hören Schauspieler*innen ganz genau zu: Linda Proske, Jahrgang 1995, rettet im Theaterverein regelmäßig als Souffleuse den Abend. Herausforderungen nimmt sie an: Eigentlich trainierte sie auf einen Halbmarathon, da waren die Startplätze allerdings vergeben. Daher lief sie gleich den Hamburger Marathon. Für ihren Bachelor in Kommunikationswissenschaft zog sie von Rostock an der schönen Ostsee quer durch Deutschland in den Kessel nach Stuttgart. Mit einem Praktikum bei ProSiebenSat.1 erfüllte sich für Linda ein Kindheitstraum. Dort textete sie für „Galileo“ die Werbetrailer. Im Studio traf sie Bully Herbig, der grüßte sie zwar nicht, Thore Schölermann aber schon. Zurück im Norden schrieb sie Werbetexte für Kühne, „die mit den Gewürzgurken“. Die Unterscheidung zwischen Salat- und Gewürzgurken ist ihr daher besonders wichtig. Ihr Lieblingsdrink ist naheliegend: Gin Tonic. Kürzel: lip

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