Blinker statt Bierdusche, Hupe statt Moshpit – Rapper Finch Asozial tourt aktuell mit seinem Ford Fiesta durch die Autokinos des Landes. Wie ist die Stimmung bei dem Live Event unter Corona-Regeln? FINK.HAMBURG war dabei.

Hupend fahren 200 Fahrzeuge auf das Gelände des Cruise Inn Autokino in Hamburg. Endlich geht es los. Manche warten bereits seit Stunden in der Autoschlange, um ganz vorne dabei zu sein. Vor maritimer Kulisse tritt gleich Finch Asozial beim Autokonzert auf.

Aus den Fahrzeugen grölen Menschen in bunten Trainingsanzügen, mit echtem oder künstlichem Vokuhila und anderen schrägen Outfits. Die gute Laune steckt an – alle sind in Party-Stimmung.

Finch Asozial hat schnell auf Corona reagiert. Seit Ende Mai tourt er mit seinem kultigen Ford Fiesta durch Deutschland. Bautzen, Zwickau und Kelbra waren die ersten drei Stationen. Bei „Finchis Fiesta Tour“ bleiben die Fans geschützt im Auto, statt wie üblich wild durcheinander zu tanzen.

Im knallroten Anzug mit weißen Herzen betritt Finch Asozial die Bühne. Er nimmt einen letzten Schluck von seiner Mische, wirft den Becher Richtung Publikum. Statt in strahlende Augen schaut der Sänger in strahlende Scheinwerfer.

Finch singt Rap bis Schlager

Der Musiker mit Vokuhila und Schnauzer erfüllt absichtlich alle Klischees eines Ostdeutschen. Finch ist in Fürstenwalde als Nils Wehowsky aufgewachsen. Bekannt wird er durch das YouTube-Format „Rap am Mittwoch“ als Battle-Rapper. Mittlerweile lebt er in Berlin, hat ein abgeschlossenes Fachstudium zum Elektrotechniker.

Seit 2018 konzentriert er sich auf die Musik: Sein Repertoire reicht über Rap und Techno hinaus bis zu Schlager und Kuschelsongs. Passend dazu hat er bereits einen Song mit Scooter und Achim Petry, dem Sohn von Wolfgang Petry, aufgenommen.

Die Mischung aus ungewöhnlicher Erscheinung und vielfältiger Musik zieht eine breite Fangemeinde an. Allerdings stehen seine teils provokanten und vulgären Songtexte auch in der Kritik.

„Habt verdammt nochmal Spaß!“

Die Bässe hallen von der Bühne gerade mal bis in die dritte Reihe. Den Rest regelt das Autoradio: Wie in der Auto-Disco und im Autokino gelangt der Ton über eine Radiofrequenz in die Fahrzeuge. Während der ersten Songs ist die Stimmung verhalten. Das merkt auch der Rapper.

Finch Asozial in Hamburg
Finch Asozial bei seinem Auftritt in Hamburg. Foto: Patrick Nägele

„Macht mit und habt verdammt nochmal Spaß!“, fordert Finch das Publikum auf. Das lassen sich die Fans nicht zweimal sagen. Viele schnappen sich ihr Bier, setzen sich in ihr Autofenster und klatschen im Takt aufs Autodach oder in die Hände. Alle singen mit.

Wer die unterhaltsame Show von hinten nicht sieht, kann sie über einen Bildschirm neben der Bühne verfolgen. Als „Roy Calyptus“ trägt Finch einen langen Ledermantel, bei „Der letzte echte Macho“ rennt er oberkörperfrei über die Bühne. Statt Beifall ertönt immer wieder lautes Hupen. Finch stellt viele Fragen an sein Publikum, lässt sich feiern: Das Auto-Partyvolk ist in sorgenloser Ekstase.

Autokino Cruise Inn Hamburg
Autokonzert vor maritimer Kulisse. Foto: Patrick Nägele

Gegen Ende des Konzerts zücken alle ihr Handy, machen die Taschenlampe an. Es ist kurz vor 23 Uhr. Mittlerweile ist es dunkel. Finch singt einen seiner ruhigeren Songs. Das Lichtermeer wirkt fast wie bei einem normalen Open-Air-Konzert. „Es geht schlimmer!“, stellt Finch fest.

Finch-Fans fehlt der Moshpit

Dennoch fehlt zum gewohnten Live Event einiges. Das Auto darf nur für den Gang zur Toilette verlassen werden. Die Security ist wachsam und hat die Besucher*innen gut im Blick.

Statt Moshpit und Bierdusche bestimmen also Blinker und Hupe die Atmosphäre. Die Fans haben Verständnis, dass in Zeiten von Corona nicht alles möglich ist.

Das Vergnügen hat einen ernsten Hintergrund

„Ihr könntet jetzt zu Hause sitzen und nichts machen, aber ihr seid hier und habt wenigstens ein bisschen Spaß“, sagt Finch zum Abschluss. Der Besuch im Autokonzert dient nicht nur dem Vergnügen. Corona hat die Eventbranche besonders hart getroffen. Veranstaltungen im Auto sind eine Möglichkeit, Einnahmen zu sichern.

„Ich mache das alles nicht für noch mehr Geld. Davon habe ich genug. Ich mache das vor allem für die Techniker, Securitys, DJs und Backups – für alle, die wir dabeihaben: Denen ermöglicht ihr, dass ihre Familien noch Essen auf dem Tisch haben.“

Mit diesem Statement von Finch endet das Autokonzert. Innerhalb von Minuten ist der Platz am Hafen wie leergefegt. Als wäre nichts gewesen.

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Wenn sie etwas sagt, hören Schauspieler*innen ganz genau zu: Linda Proske, Jahrgang 1995, rettet im Theaterverein regelmäßig als Souffleuse den Abend. Herausforderungen nimmt sie an: Eigentlich trainierte sie auf einen Halbmarathon, da waren die Startplätze allerdings vergeben. Daher lief sie gleich den Hamburger Marathon. Für ihren Bachelor in Kommunikationswissenschaft zog sie von Rostock an der schönen Ostsee quer durch Deutschland in den Kessel nach Stuttgart. Mit einem Praktikum bei ProSiebenSat.1 erfüllte sich für Linda ein Kindheitstraum. Dort textete sie für „Galileo“ die Werbetrailer. Im Studio traf sie Bully Herbig, der grüßte sie zwar nicht, Thore Schölermann aber schon. Zurück im Norden schrieb sie Werbetexte für Kühne, „die mit den Gewürzgurken“. Die Unterscheidung zwischen Salat- und Gewürzgurken ist ihr daher besonders wichtig. Ihr Lieblingsdrink ist naheliegend: Gin Tonic. Kürzel: lip
Patrick Nägele, 1995 geboren, turnte, bevor er laufen konnte – seine sehr sportlichen Eltern nahmen ihn schon als Baby mit in die Halle. Die erste ernsthafte Verletzung zog er sich jedoch erst viel später zu, als Student beim Action-Verstecken in Norwegen: Er stolperte über das Bein eines Mitspielers und riss sich das Kreuzband. Zum Glück konnte er sein Studium der Sportpublizistik in Tübingen trotzdem fortsetzen. Für die Sportschau interviewte er später unter anderem die Ausnahmeturnerin Simone Biles. In seine Heimat, eine Kleinstadt in der Nähe von Stuttgart, würde er für die Maultaschen seines Opas jederzeit zurückkehren. Kürzel: pan