Vor der Pandemie schützten Kopfhörer in den Ohren vor ungebetenem Smalltalk. Die zeigten: Ich kann dich nicht hören. Heute trägt man eine Maske und die signalisiert: Ich kann auch nichts sagen – leider.

Denn mit einer Maske vor Nase und Mund unterhält es sich nicht gut. Das haben mittlerweile auch die ausdauerndsten Plauderer eingesehen. Der Zwangsplausch mit dem redseligen Nachbarn beim Brötchen holen ist endlich Geschichte. Zu Coronazeiten ist ein Nicken aus zwei Metern Abstand als Gruß völlig ausreichend. Dass das Wetter heute wechselhaft ist, bleibt der Menschheit auch ohne Smalltalk nicht vorenthalten. Social Distancing und die Pflicht zur Maske als Befreiungsschlag für den ungestörten Gang zum Bäcker.

In erster Linie soll eine Maske vor dem Coronavirus schützen. Direkt danach folgt der Selbstschutz. Aber nicht vor dem Virus. Eher vor zeitstehlenden, unnötigen, oberflächlichen Nettigkeiten und der feuchten Aussprache mancher Menschen, der man auch gerne entgeht, ohne dass eine gefährliche Tröpfcheninfektion mit dem Coronavirus droht.

Maske Smalltalk dont panic
Mit der Maske gegen Smalltalkt. Foto: Unsplash

Die Luft unter der Maske ist knapp und jedes Wort für Smalltalk ist eins zu viel.

Deshalb bleibt es oft nur beim Nötigsten: Bitte und Danke gebietet der Anstand – aber das war‘s dann auch. Mit Maske gibt es eben keinen Grund für Smalltalk. Dem hilfsbereiten Angestellten im Baumarkt braucht man keinen „schönen Tag“ mehr zu wünschen. Denn seien wir ehrlich: Er muss an einem Samstag arbeiten und schön ist das nicht. Das gestelzte Gespräch mit dem entfernten Bekannten, den man zufällig in der U-Bahn trifft, bekommt gar nicht erst die Chance in peinlicher Stille zu versanden. Das heißt: Stille ja, peinlich ist es allerdings nicht. Super, so kann man ganz in Ruhe weiter dem Lieblings-Podcast lauschen.

Mit einer Maske vor dem Gesicht wird jede unterlassene Floskel verziehen. Den Nasen-Mund-Schutz als Legitimation zur Unhöflichkeit: Der Traum aller Misanthrop*innen.


Beitragsbild: Unsplash

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Bei einem Dreh schlug Profi-Boxer Axel Schulz die geballte Faust in ihre Kameralinse – während Sarah Seitz sie auf der Schulter trug. Trotzdem blieb sie der Medienbranche treu. In der Nähe von Winnenden in Baden-Württemberg wurde sie 1994 geboren, in Furtwangen im Schwarzwald studierte sie Online-Medien und arbeitete unter anderem für das Mitarbeiterfernsehen von Porsche in Stuttgart. 2018 zog Sarah nach Hamburg. Erste Großstadterfahrungen machte sie bei Spaziergängen mit Hund Siva im Park: „Hey“ flüstern nur Dealer, gegrüßt wird mit „Moin“. Sarah liebt Spinning zu Clubbeats und schlürft gerne Moscow Mule im Landgang auf St. Pauli. Auf die Entschuldigung von Axel Schulz wartet sie bis heute vergeblich. Kürzel: sas

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