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Isolation, Einsamkeit, unsichere Jobs: Die Corona-Pandemie verlangt allen viel ab. Für ehemals Suchtkranke ist diese Mischung besonders gefährlich. Viele werden rückfällig, berichtet die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen.

Die Corona-Pandemie wirkt sich nicht nur körperlich, sondern auch psychisch auf viele Menschen aus. Wie die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen nun mitteilt, werden seit Beginn der Pandemie immer mehr Menschen mit Suchtproblemen rückfällig.

„Viele Menschen, die mehrere Jahre trocken waren, sind in der Isolation wieder rückfällig geworden“, sagt Linda Heitmann, Geschäftsführerin der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen. Als Grund für die hohe Rückfallquote nennt sie vor allem die großen psychischen Belastungen, die durch die Pandemie ausgelöst würden.

Einsamkeit, Langeweile und unsichere Jobs

Neben einem Gefühl von Einsamkeit durch die Kontaktbeschränkungen wirkten sich auch die Jobunsicherheit durch die Pandemie und die Langeweile aufgrund des Lockdowns negativ auf eine Suchtproblematik aus, so Heitmann. Nicht nur die Verbände für Suchtselbsthilfe würden von mehr Rückfällen als üblich berichten. Auch in den Kliniken sei die Nachfrage nach Therapieplätzen gestiegen.

Schon während des ersten Lockdowns im März hätten Menschen generell mehr Alkohol in Supermärkten und Kiosken gekauft, sagt Heitmann. Demnach sei der Umsatz an Spirituosen dort um ein Drittel gestiegen.

Beratungsangebote und Kliniken unbedingt offen halten

Besonders wichtig sei es daher jetzt, dass Entgiftungsstationen nicht wieder, wie im ersten Lockdown, geschlossen würden. Auch sei es wichtig, die Angebote der Suchtberatung und -behandlung offen zu halten, so Heitmann. Die Landesstelle für Suchtfragen vertritt insgesamt 42 Hamburger Einrichtungen und Verbände, die sich im Bereich der Drogen- und Suchtkrankenhilfe engagieren.

Titelbild: Unsplash
aba/dpa