Weil die Corona-Fallzahlen nur langsam sinken, haben Bund und Länder nun eine Pflicht zu medizinischen Masken beschlossen. Doch die neue Maskenpflicht hat einen Nebeneffekt: Sie zeigt, wer sich guten Schutz leisten kann. 

Medizinische Masken wie etwa die OP- oder FFP2-Masken werden beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr Pflicht. So haben es Bund und Länder am Dienstag beschlossen. Die Idee ist gut, denn CE-zertifizierten FFP2-Masken können, so sie richtig sitzen, rund 95 Prozent aller Viren aus der Umgebungsluft filtern. Durch den besseren Schutz könnte folglich die Zahl an Neuinfektionen verringert werden. Doch FFP2-Masken sind teuer, nicht alle Menschen können sich diesen effektiven Schutz leisten.

Effektiver Schutz ist teuer

Während Alltagsmasken aus Stoff nach dem Einkochen wiederverwendet werden können, sind OP- und FFP2-Masken eigentlich zum einmaligen Gebrauch gedacht. Das Robert Koch-Institut etwa empfiehlt die Wiederverwendung dieser Masken nur im absoluten Notfall. Wer seine FFP2-Maske nach dem Gebrauch jedoch mindestens sieben Tage auslüftet, kann sie bis zu fünf mal wiederverwenden, schreibt die FH Münster in einer Broschüre.

Hier findet ihr eine Anleitung, wie ihr eure FFP2-Masken wiederverwenden könnt.

Doch selbst dann stehen viele Menschen, die sich optimal schützen wollen, finanziell vor einer Herausforderung: Masken nach FFP2-Standard kosten teilweise bis zu fünf Euro pro Stück. Wer auch nur eine Maske pro Tag verbraucht, muss bei sorgfältiger Handhabung eine monatliche Investition von mindestens rund 35 Euro tätigen. Vorausgesetzt, er oder sie hält sich an die etwa fünfmalige Verwendung.

Das mag vielleicht im ersten Moment nach nicht allzu viel Geld klingen, dennoch sind das rund acht Prozent des Hartz-IV-Mindestsatzes. Und: Bei Menschen, die täglich den ÖPNV nutzen müssen, dürfte der Verschleiß an Masken und die damit verbundenen Kosten wesentlich höher sein.

Doch nicht nur Menschen, die Sozialhilfe oder Hartz-IV beziehen, stehen vor einer finanziellen Herausforderung: Was ist mit dem alleinerziehenden Elternteil, das seine Kinder mit den medizinischen Masken ausstatten muss? Wie steht es um die Studierenden, die durch die Corona-Krise ihren Nebenjob verloren haben und sich jetzt mit Bafög oder Krediten über Wasser halten?

Guter Schutz wird endgültig zum Privileg

Wer kein Geld für die regelmäßige Anschaffung neuer FFP2-Masken hat, hat keine Möglichkeit, sich so optimal zu schützen: Entweder werden die weniger wirksamen, aber dafür günstigeren OP-Masken genutzt. Oder eine womöglich kontaminierte FFP2-Maske wird erneut verwendet, um Einkäufe zu erledigen oder schnell den Bus zu erwischen.

Dabei waren einkommensschwache Menschen schon vor der medizinischen Maskenpflicht schlechter vor dem Corona-Virus geschützt als finanziell abgesicherte Bürger*innen. Wer kein Auto besitzt, nicht im Home-Office arbeiten kann oder Angehörige pflegen muss, ist der Gefahr, mit dem Virus in Kontakt zu kommen, zwangsläufig häufiger ausgesetzt.

Die FFP2-Maske als Statussymbol?

Doch die Pflicht zu medizinischen Masken bringt, neben den unbestrittenen Vorteilen hinsichtlich des Infektionsschutzes, noch einen weiteren gravierenden Nachteil für ärmere Menschen mit sich: Beim Einkaufen und im ÖPNV wird nun auf den ersten Blick sichtbar, welche Menschen sich guten Schutz leisten können und welche auf billigere OP-Masken zurückgreifen müssen.

Bleiben dann in Zukunft die FFP2-Masken-Träger*innen in der U-Bahn unter sich? Wird im Supermarkt ein großer Bogen um Träger*innen der günstigeren OP-Masken gemacht?

ffp-2-masken-fink-hamburg
Nur FFP2-Masken oder die äquivalenten KN95-Masken mit CE-Zertifizierung garantieren auch für den Träger einen Schutz. Foto: Unsplash

Höhere Preise drohen

Schon zu Beginn der rasanten Ausbreitung des Virus war klar, dass FFP2-Masken effektiver als OP- oder Alltagsmasken vor einer möglichen Infektion schützen. Damals waren solche Masken aber knapp, weshalb sie das medizinische Personal bekam. Das war richtig, doch die Situation hat sich nun verändert: Die Produktion von FFP2-Masken wurde erhöht, die CE-zertifizierten Masken sind reichlich vorhanden. Mancherorts waren die Masken im Sommer für knapp einen Euro pro Stück zu haben. Ende vergangenen Jahres wurden dann die ersten kostenlosen Exemplare an Risikopatient*innen verteilt und auch Hamburger Lehrkräfte erhielten die sicheren Masken.

Was ist eine CE-Zertifizierung?

Das CE-Kennzeichen dient der Sicherheit von Verbraucher*innen. CE steht dabei als Abkürzung für Conformité Européene, der französische Begriff für Europäische Konformität. Mit der CE-Kennzeichnung wird durch den Hersteller erklärt, dass sein Produkt mit den Richtlinien der Europäischen Gemeinschaft konform ist. Hinter jeder CE-Kennzeichnung findet sich außerdem eine Prüfnummer.

Durch die Pflicht zu medizinischen Masken droht nun aber ein Ansturm auf die Bestände von FFP2-Masken in Apotheken, Supermärkten und Drogerien. Das könnte die Preise für effektiven Schutz noch weiter in die Höhe treiben und somit die Situation für einkommensschwache Menschen noch weiter verschärfen. Billiger sind die Masken nach FFP2-Standards derweil zwar im Internet verfügbar, aber gerade hier sind etliche Masken mit gefälschtem CE-Siegel im Umlauf, die weder Träger*innen, noch Kontaktpersonen ausreichend schützen.

Wir brauchen gleichen Schutz für alle

Wenn Deutschland die Corona-Fallzahlen also wirklich nachhaltig in den Griff bekommen möchte, muss mehr Geld für kostenlose FFP2-Masken zur Hand genommen werden. Und diese müssen gezielt an einkommensschwache Menschen verteilt werden. Denn alle Bürger*innen müssen die gleiche Möglichkeit haben, sich und andere optimal zu schützen. Nur dann können wir diese Krise gemeinsam überwinden.

Titelbild: Pixabay

Vorheriger ArtikelWillkommen im Clubhouse?
Nächster ArtikelKeine Busse mehr auf der Mönckebergstraße
Alex Baur, 1997 in Augsburg geboren, ist zwar Bayer, war aber noch nie auf dem Oktoberfest. Nach dem Abitur floh er nach München und arbeitete dort bei Filmproduktionen mit, zuerst als Verantwortlicher für Kabel und Kaffee, später als Regieassistent. In Wien studierte er dann Theater, Film und Medien, unterbrochen von einem halben Jahr bei „Bento“ in Hamburg. Hier produzierte er Videos, moderierte und widmete sich Themen von der LGBTQ-Szene bis hin zu Nachhaltigkeit. Neben Klassikern und Sachbüchern über Film oder Queer Theory hat er eine Schwäche für Reality-TV á la Kardashians. Genau wie die sieht er sich zukünftig vor der Kamera, wenn auch als Reporter und nicht als Influencer. Kürzel: aba

3 KOMMENTARE

  1. Als arbeitsloser Student kann ich mir das nicht leisten. Werde die gleiche Maske jeden Tag tragen müssen.

Comments are closed.