Der Extremsegler Boris Herrmann hat beim Vendée Globe die Top 5 erreicht. Ein Zusammenstoß mit einem Fischerboot kurz vor dem Ziel kostete ihn den Podiumsplatz. Gewinner ist ein Franzose.

Der Hamburger Extremsegler Boris Herrmann hat bei der prestigeträchtigen Regatta Vendée Globe die Top 5 erreicht. Er erreichte am Donnerstag um 11:19 Uhr die Ziellinie.

Ob Boris Herrmann Platz fünf oder vier erreicht, ist noch nicht sicher. Sein Konkurrent Jean Le Cam, dem 16:15 Stunden Zeitgutschrift zustehen, könnte ihn damit noch einholen. Le Cam müsste dafür bis Donnerstagabend 20:34 Uhr im Ziel ankommen.

Am Mittwochabend ist Herrmann 90 Seemeilen vor dem Ziel mit einem Fischerboot kollidiert. Das kostete ihn die Chance auf einen Podiumsplatz. Herrmann blieb bei der Kollision unverletzt, konnte danach aber nur noch mit reduzierter Geschwindigkeit fahren. Es sei „der schlimmste Alptraum“ gewesen. Seine Alarmsysteme an Bord haben versagt und ihn nicht rechtzeitig geweckt. Die verlorene Siegeschance nannte er „herzzerreißend“.

Hinter Boris Herrmann liegen fast drei Monate und 27.000 Meilen auf See. Nach 77 Tagen kreuzte er am 24.01. seinen eigenen Kurs vom Rennauftakt. Er der dritte Deutsche, der alleine und nonstop die Welt umsegelt hat.

Gewinner des Vendée Globe ist Yannick Bestaven. Am späten Mittwochabend erreichte der Franzose die Ziellinie in Les Sables-d’Olonne an der französischen Atlantikküste.

Härteste Regatta der Welt

Auch seine Zeitgutschrift von sechs Stunden hat Boris Herrmann den Podiumsplatz nicht mehr sichern können. Diese verdiente er sich durch seine Beteiligung an der Rettung seinen Konkurrenten Kevin Escoffier. Dessen Yacht war in der Nacht vom 30.11. auf den 01.12. im Südatlantik in einen Sturm geraten und gesunken.

Der Vendée Globe 2020/21 startete am 8. November 2020. 33 Segler gingen an den Start. Boris Herrmann ist der erste Deutsche, der jemals an der Regatta teilnahm. Bislang haben ausschließlich Franzosen den Vendée Globe gewonnen.

Die Regatta findet seit 1989 alle vier Jahre statt. Sie führt von Frankreich entlang des Südpolarmeers einmal um den Globus. Der Vendée Globe gilt als die härteste Einhandregatta der Welt und wird als „Besteigung des Mount Everest zur See“ bezeichnet.

Star des deutschen Segelsports

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Die Teilnahme am Vendée Globe brachte Boris Herrmann und dem Segelsport allgemein eine große mediale Aufmerksamkeit. Von Bord seiner Segelyacht „Seaexplorer – Yacht Club de Monaco“ schickte er regelmäßig Fotos und Videos via Instagram und gab Interviews. An einer Liveübertragung via Zoom am 24.01. beteiligten sich Tausende Menschen.

Laut Mona Küppers, Präsidentin des Deutschen Segler-Verbandes, sei Boris Herrmann „ein Glücksfall für den deutschen Segelsport“. Auch andere deutsche Segelsport-Kolleg*innen zollten Herrmann Respekt: „Boris hat Segeln zum Mainstream in einem Land gemacht, in dem das abendliche Fernsehprogramm sonst nur aus Fußball besteht“, sagte Skiffsegel-Europameisterin Susann Beucke. Der dreimalige Olympiasieger Jochen Schümann stellte fest, Herrmann sei „medial das Beste, was dem deutschen Segeln seit langer Zeit passiert ist“.

Boris Herrmann segelte Greta Thunberg nach New York

Der 39-jährige Boris Herrmann, der in der Hamburger HafenCity wohnt, nutzt seine mediale Präsenz auch, um seine Fans auf den Klimawandel und die Gesundheit der Meere aufmerksam zu machen. Als im August 2019 die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg mit dem Segelschiff zum UN-Klimagipfel nach New York fuhr, war er einer der Skipper an Bord. Es handelte sich dabei um dieselbe Yacht, mit der Boris Herrmann nun den Vendée Globe abgeschlossen hat.

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lur/dpa

Titelbild: Boris Herrmann/Team-Malizia.com/dpa

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Lucas Rudolf, Jahrgang 1995, ist ein Mann der Gegensätze: In seiner Freizeit headbangt er am liebsten zu den Klängen von Metal-Bands wie Caliban, Amon Amarth und Cypecore – oder tanzt Rumba, Walzer, Tango. Obwohl im Schwabenland geboren, zog es ihn für ein Studium im Bereich Multimediajournalismus zu den „verfeindeten“ Badenern nach Karlsruhe. Richtiger Lokalpatriotismus ist ihm als überzeugter Europäer aber trotzdem fremd. Als Interrail-Backpacker hat Lucas mittlerweile fast jedes Land des Kontinents bereist – ohne dabei jedoch auch nur ein Bild seiner Reisen auf Instagram geteilt zu haben. Lieber berichtete er als freiberuflicher Reporter über seine Reisen im SWR-Radio, seinem ersten Job nach dem Bachelorabschluss. Seiner Vorliebe für Europa ging er als Freiberufler und Filmemacher nach: Für ein Europe Direct Informationszentrum produzierte er Dokus über Europapolitik und hielt Vorträge. Jetzt will er noch herausfinden, wo er in Hamburg headbangen und tanzen kann. Kürzel: lur