Künstler Gunter Demnig hat dreizehn neue Stolpersteine im ehemaligen Chinesenviertel auf St. Pauli verlegt. 1944 verschleppte die Gestapo von hier 129 Männer. Viele starben durch Folter, Haftumstände und Zwangsarbeit.

Kultursenator Carsten Brosda (SPD) und Künstler Gunter Demnig verlegten am Montag gemeinsam den 6000. Stolperstein. „6000 Stolpersteine in der Stadt, das heißt 6000 Mal Konfrontation mit einer Vergangenheit, für die wir Verantwortung zu übernehmen haben“, sagte Brosda.

Mehr zu den Stolpersteinen in Hamburg in der ausführlichen FINK-Reportage.

Der goldene Stolperstein erinnert an Chung Ying, der im damaligen Chinesenviertel auf St. Pauli lebte. 1944 verhaftete die Gestapo hier ihn und 128 weitere Männer. Danach folterten die Nationalsozialisten die Chinesen und zwangen sie zur Arbeit unter schlechten hygienischen Umständen. Viele der Menschen starben noch im Gefängnis Fuhlsbüttel oder später in Konzentrations- und Arbeitslagern. Insgesamt dreizehn Stolpersteine erinnern in der Talstraße jetzt an die Opfer der „Chinesenaktion“.

Die Aktion zerstörte letztlich das Chinesenviertel auf St. Pauli. Carsten Brosda bedauert diesen Verlust: „Diese Geschichte ist Mahnung, miteinander die Regeln und Rahmenbedingungen zu setzen, die es uns möglich machen, in Vielfalt friedlich und freiheitlich miteinander zu leben.“ Nur die Hong Kong Bar blieb als Erinnerung an Hamburgs China Town erhalten.

2002 verlegte Demnig den ersten Hamburger Stolperstein. Seitdem ist die Zahl stetig gewachsen. Hunderte Freiwillige recherchieren seit Jahren Biografien zu den Namen auf den Stolpersteinen und tragen sie in eine Datenbank ein. Diese ist online frei zugänglich. So gibt es inzwischen zu fast jedem Stolperstein eine Hintergrundgeschichte des Opfers.

lau/dpa

Titelbild: Axel Heimken/dpa