Einen Tag nach dem Anschlag auf den Botschaftssekretär Ernst vom Rath fordern deutsche Zeitungen „Vergeltung für die jüdische Bluttat“. Hitlers Leibarzt ist derweil in Paris angekommen, um die Chirurgen bei der Behandlung zu unterstützen.

Vor und nach der Progromnacht

Jedes Jahr gedenken Menschen den Opfern der Reichspogromnacht, also jener Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, als Synagogen und jüdische Geschäfte überall in Deutschland angegriffen wurden. Was passierte in den Tagen davor und danach? Ein Überblick zur historischen Nachrichtenlage.

Im Oktober 1938 werden 17.000 Juden und Jüdinnen nach Polen abgeschoben. In Paris schießt daraufhin der 17-Jährige Herschel Grynszpan am 7. November 1938 aus Protest gegen die Abschiebung seiner Eltern auf den Botschaftssekretär Ernst vom Rath. Dieser muss im Krankenhaus operiert werden.

Am Abend des 7. Novembers schickt Adolf Hitler einen seiner persönlicher Ärzte Karl Brandt und zusätzlich den Chirurgen Georg Magnus nach Paris. Sie treffen dort am 8. November um 5 Uhr morgens ein und sollen den französischen Chirurgen bei der Behandlung des angeschossenen vom Rath helfen.

Am 8. November 1938 berichten deutsche Zeitungen über das Attentat. In den Zeitungsberichten ist zu lesen, dass die französische Polizei Grynszpan direkt nach der Tat fasste und in Untersuchungshaft nahm.

Antisemitsche Schlagzeilen am 8. November 1938

Die Berichterstattungen provozieren Vergeltung: Die Parteizeitung der Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), der „Völkische Beobachter“, widmet dem Angriff auf vom Rath die Titelseite: „Jüdischer Mordanschlag in Paris“. In den „Hamburger Nachrichten“ heißt es: „Vergeltung für die jüdische Bluttat“.

Die NSDAP nutzt das Attentat auch in den kommenden Tagen zum Aufruf für antisemitische Gewalt. Am 8. November 1938 bleibt es aber vorerst ruhig in Deutschland. Nur vereinzelt kommt es, wie auch schon am 7. November, zu gewalttätigen Ausschreitungen.

Illustration: Laurenz Gottstein

Quellen:

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Lilly Brosowsky, 1994 ist im Schatten der Zugspitze aufgewachsen: in Garmisch-Partenkirchen. Der Höhenlage ist sie lange treu geblieben, hat mal auf 3.640 Meter Höhe in La Paz als Barkeeperin gearbeitet, mal Waliser Schwarznasenschafen auf einer Hochhausalm in München die Klauen geschnitten. Nach sieben Jahren in München musste sie im flachen Hamburg erst einmal lernen, dass sie in einer Bäckerei fragend angeschaut wird, wenn sie Fleischpflanzerlsemmeln bestellt. Dabei ist sie kulinarisch durchaus aufgeschlossen: Als Volontärin kostete sie für „Mit Vergnügen“ bereits kandierte Heuschrecken. Für das Stadtmagazin schrieb sie unter anderem über die Münchner Szene. Als sie den Hype eines Clubs kritisch kommentierte, wurde sie von der „Süddeutschen Zeitung“ auf Instagram zitiert. Vor ihrem Volontariat hat Lilly einen Bachelor in Literaturwissenschaften und einen in Philosophie gemacht. Sie wünscht sich für die Zukunft Feminist:innen wie Sophie Passmann wegen ihrer progressiven Ansichten zu interviewen. (Kürzel: bros)

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