Seit 1.700 Jahren besteht jüdisches Leben in Deutschland. Höchste Zeit also, sich näher mit dem Judentum zu beschäftigen. FINK.HAMBURG hat informative Bücher, Sendungen, Filme und Podcasts gefunden, die sich zeitgemäß mit der jüdischen Geschichte auseinandersetzen.

Zu Besuch im koscheren Supermarkt, unterwegs mit Stolpersteinputzer:innen und zu Gast im Chabad: FINK.HAMBURG nähert sich in einer Themenwoche mit Reportagen, Interviews und Rückblicken dem jüdischen Leben in Hamburg.

Mit dem Judentum verbinden viele hierzulande Antisemitismus, Holocaust und Israel. Dabei zeichnet sich jüdisches Leben durch viel mehr aus. Jüd:innen der heutigen Zeit beschäftigen Themen, wie Identität, Integration und Feminismus. Diese Sammlung gibt euch einen Überblick über grundlegende Themen des Judentums, aber gewährt auch Einblicke in die neuen Ansichten von Jüd:innen.

1. Terror gegen Juden – Ronen Steinke, Buch

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In dem Buch „Terror gegen Juden“ analysiert der Autor Ronen Steinke die Entwicklung von Antisemitismus in der deutschen Nachkriegszeit. Mit Fallbeispielen zeigt er auf, dass sich Judenfeindlichkeit durch viele Schichten der Gesellschaft zieht. Die Diskriminierung kommt von links, rechts und ist religiös motiviert. Steinke ist für sein Buch durch Deutschland gereist und hat Rabbiner:innen und Polizist:innen getroffen, konfrontiert Staatsschützer:innen, Geheimdienstler:innen und Minister:innen mit dem Staatsversagen. Für Steinke muss sich etwas ändern und in dem Buch erklärt er, was genau.

2. Masel Tov Cocktail, Kurzfilm

Dima ist 16 Jahre alt, Sohn russischer Eltern, Gymnasiast – und Jude. Wie viele andere muss er sich immer wieder dummer Sprüche wegen seiner jüdischen Herkunft anhören. Bis ihm der Kragen platzt und er einem anderen Jungen eine reinhaut. Die Folge: Dima wird von der Schule verwiesen. Er soll sich nun bei seinem Mitschüler entschuldigen. Auf dem Weg dorthin nimmt er die Zuschauer:innen mit, erzählt über seinen Alltag und die verschiedenen Wahrnehmungen seines Jüdischseins mit denen er immer wieder konfrontiert wid. Der Kurzfilm zeigt in 31 Minuten, wie in Deutschland mit dem Thema Antisemitismus, Ignoranz und Judentum umgegangen wird. Anschauen könnt ihr den Film bei Vimeo.

3. Freitagnacht Jews, Talkshow

Die mit dem Fernsehpreis ausgezeichnete WDR-Talkshow Freitagnacht Jews berichtet in acht Folgen über junges jüdisches Leben in Deutschland. In den Sendungen bereitet der Host und Schauspieler Daniel Donskoy typische Gerichte für seine Gäst:innen vor, die sie wie beim Shabbat-Abendessen zu sich nehmen. Themen der Sendung sind unter anderem das Aufwachsen und Leben als Jüd:in in Deutschland oder die Frage, was das Jüdischsein ausmacht. Bei den Gäst:innen handelt es sich beispielsweise um den Schriftsteller Max Czollek, der Schauspielerin Susan Sideropoulos oder Helene Braun, die Rabbinerin werden möchte.

4. Desintegriert euch – Max Czollek, Buch und Hörbuch

Migrant:innen sollen sich gut integrieren. Doch was bedeutet das überhaupt? Feministisch sein, der Demokratie folgen oder einfach stillschweigend die Arbeit verrichten und nicht auffallen? Gute Jüd:innen sollen offen über Antisemitismus, Holocaust und Israel Auskunft geben, meint Czollek. Dieses ganze „Integrationstheater“ solle nur das Selbstbild der Mehrheit dieser Gesellschaft bestätigen. In dem Essayband ruft der Publizist dazu auf sich zu desintegrieren. Damit keine Mehrheit mehr das Recht hat, von ihren Minderheiten Integration zu fordern.

5. #2021JLID, Podcast

2021 werden 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland geehrt. Anlässlich des Festjahres erscheint seit Januar jede Woche eine neue Folge des Podcasts #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland. Hier sprechen die Moderator:innen Mirna Funk, Shelly Kupferberg und Miron Tenenberg im Wechsel mit ihren Gäst:innen über das Thema jüdisches Leben in Deutschland. Ziel ist des Podcasts ist, die Diversität jüdischen Lebens in Deutschland hörbar zu machen.

6. Unverschämt jüdisch – Barbara Honigmann, Buch

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Barbara Honigmann ist eine Schriftstellerin, die 1947 mit ihren Eltern in die DDR zurückgekehrt ist. Immer wieder erzählte sie in Essays und in Reden über ihr Leben als Jüdin. Nun ist in „Unverschämt jüdisch“ eine Textsammlung ihrer Werke erschienen. In dem Buch sind viele Dankesreden zu finden, in denen Honigmann ihre jüdische Biografie anspricht. Sie thematisiert ihr Aufwachsen in der DDR, die Flucht aus dem sozialistischen Deutschland und die Auseinandersetzung mit dem eigenen jüdischen Glauben.

7. Die Unsichtbaren – wir wollen leben, Film

In diesem dokumentarischen Spielfilm werden die Geschichten von vier Jüd:innen zur Zeit des Nationalsozialismus in Berlin erzählt. 1943 wird Berlin als „judenrein“ erklärt. Doch einigen Jüd:innen gelingt es für die Behörden unsichtbar zu werden. Sie geben ihre Identität auf, um zu überleben. Das Drehbuch basiert auf Interviews mit Zeitzeug:innen, die in den Film integriert wurden.

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Keramik, Textilien bemalen, Blumen trocknen oder Kerzen drehen: Irgendetwas Schöpferisches muss Anna Nguyen, Jahrgang 1993, immer zu tun haben. Bis zu ihrem siebten Lebensjahr lebte sie in Köthen, Sachsen-Anhalt, die ersten fünf Jahre in einem Asylbewerberheim. Mit ihren Eltern verkaufte sie auf der Straße Blumen und Zigaretten. Als Teenagerin lebte sie im Allgäu, kann aber trotzdem nicht Skifahren. Sie studierte in Würzburg und Neu-Ulm, machte einen Bachelor in Informationsmanagement und Unternehmenskommunikation. Nach einem Praxissemester bei einem hiesigen Social-Media-Startup wollte sie dauerhaft nach Hamburg. Bei „Mit Vergnügen“ arbeitete sie als Redakteurin – zwischenzeitlich schrieb sie auch eine Kolumne über die Unterschiede zwischen Süd- und Norddeutschland. Besonders viel Ärger gab es, wenn es darin um Aldi Nord und Aldi Süd ging.

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