Neue Stadt, fremde Sprache, herausfordernde Bürokratie: Viele ukrainische Flüchtlinge sind in Hamburg auf Hilfe angewiesen. FINK.HAMBURG hat die wichtigsten Anlaufstellen in einem Überblick gesammelt – vom Arztbesuch über die Jobsuche bis hin zur Lernhilfe für Kinder.

Von Anita Stall und Gyorgy Röpcke

Seit dem Beginn des Krieges wurden in Hamburg etwa 24.500 ukrainische Geflüchtete (Stand: 15.06.2022) registriert, wie die Hamburger Stabsstelle Flüchtlinge und übergreifende Aufgaben im „Lagebild Flüchtlinge“ mitteilt. Sie alle stehen vor vielen Fragen: Wo muss ich mich in Deutschland registrieren? Wie finde ich eine Wohnung? Wo kann ich Deutsch lernen, wenn ich das möchte? FINK.HAMBURG hat die wichtigsten Adressen für ukrainische Geflüchtete in Hamburg aufgelistet – von der Kleiderkammer bis zur Tierbetreuung.

Hier müssen sich ukrainische Flüchtlinge in Hamburg registrieren

Die erste Anlaufstelle für Geflüchtete aus der Ukraine ist in Hamburg das Amt für Migration. Dort gibt es ein Ankunftszentrum, auch „Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung (ZEA)“ genannt. Geflüchtete werden im ZEA registriert und anschließend wird entschieden, ob sie in Hamburg bleiben können. Es ist zwingend erforderlich, sich dort zu melden, wenn man staatliche Hilfen in Anspruch nehmen oder arbeiten gehen will.

  • Ort: Amt für Migration (ZEA), Bargkoppelweg 66a, 22145 Hamburg-Rahlstedt
  • Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 6 bis 20 Uhr
  • Kontakt: Termine online vereinbaren

Dort sind auch freiwillige Helfer*innen im Einsatz. Helena und Jens haben sogar ihren Urlaub genutzt, um zu unterstützen. FINK.HAMBURG hat mit den beiden vor Ort gesprochen.

Außerdem gibt es dort auch Dolmetscher*innen für gehörlose Menschen. Sie beherrschen die russische Gebärdensprache. Haustiere sind im ZEA, wie in allen Unterbringungen der Stadt, verboten.

Unterbringung für Ukrainer: Hier gibt es Wohnungen für Flüchtlinge in Hamburg

Die Stadt Hamburg stellt Geflüchteten aus der Ukraine eine Unterkunft zur Verfügung. Das wird in der oben genannten ZEA geregelt. Alternativ können sich Ukrainer*innen auch an Fachstellen für Wohnungslose wenden. Die helfen allerdings nur, wenn man bereits eine Unterkunft hat und sie bald verliert. Aber auch Bewohner*innen einer Obdachlosenunterkunft bekommen hier Hilfe.

Fachstellen für Wohnungsnotfälle

  • Ort: in jedem Bezirk vertreten
  • Öffnungszeiten: abhängig vom Bezirk
  • Telefonnummer: 115

Jeder Bezirk in Hamburg hat seine eigene Fachstelle für Wohnungsnotfälle. Welche davon zuständig ist, richtet sich nach der eigenen Wohnadresse. Die kann man online in eine Suchmaske eingeben. Die Webseite zeigt dann automatisch die richtige Fachstelle an.

Vermittlungsplattform „Unterkunft Ukraine“

Das Projekt vermittelt private Unterkünfte nach dem Suche-Biete-Prinzip. Das bedeutet: Wer eine Unterkunft hat, kann dort eine Anzeige aufsetzen. Wer noch eine sucht, kann das ebenfalls tun. Um eine Wohnungsanfrage zu stellen, muss man auf der Webseite ein Formular ausfüllen.

Deutschkurse für Ukrainer in Hamburg

Volkshochschule Hamburg

  • Ort: variiert je nach Kurs
  • Kurse: online einsehbar
  • Kosten: 440 Euro oder kostenlos

An der Volkshochschule Hamburg können ukrainische Geflüchtete für 300 Stunden an einem Integrationskurs teilnehmen. Wer Hilfen vom Staat bezieht, kann unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos teilnehmen. Im Unterricht lernen die Teilnehmenden die deutsche Sprache,Geschichte und Kultur kennen.

Dialog in Deutsch

  • Ort: Zentralbibliothek und ausgewählte Bibliotheken
  • Öffnungszeiten: variiert, online einsehbar
  • Kontakt: dialogindeutsch@buecherhallen.de

Bei „Dialog in Deutsch“ können ukrainische Geflüchtete an Gesprächsrunden der Bücherhallen Hamburg teilnehmen. Der Kurs hilft beim Deutschlernen und findet wöchentlich für eine Stunde statt. Das kostenlose Angebot hat auch Schauspieler und Moderator Ilya in Anspruch genommen. FINK.HAMBURG hat sich mit ihm getroffen.

Sachspenden: Hier gibt es Kleidung, Essen und Hygieneartikel

HelpStore

  • Ort: Große Elbstraße 264, 22767 Hamburg
  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 10 bis 18 Uhr
  • Kontakt: 040/210919070 oder helpstore@hanseatic-help.org

Im HelpStore werden Sachspenden an ukrainische Geflüchtete ausgeteilt. Die Vergabe erfolgt mit einem Termin. Das Angebot ist Teil des gemeinnützigen Vereins Hanseatic Help. FINK.HAMBURG war vor Ort und hat mit Helfenden und Hilfesuchenden gesprochen.

Kleiderkammer für Mütter und Kinder

  • Ort: Am Mariendom 6, 20099 Hamburg (Zugang: Danziger Straße 65)
  • Öffnungszeiten: Montag und Donnerstag, 14 bis 17 Uhr
  • Sprache: größtenteils ukrainisch

Dieses Spendenangebot der Caritas Hamburg richtet sich speziell an Frauen und Kinder. Dort können sich ukrainische Geflüchtete kostenlos Kleidung und Spielsachen abholen. Vor Ort sind mehrere ehrenamtliche Helfer*innen, die größtenteils ukrainisch sprechen.

Hilfe bei der Suche nach Jobs für ukrainische Flüchtlinge in Hamburg

Flüchtlingszentrum Hamburg

  • Ort: Adenauerallee 10 (fünfter Stock), 20097 Hamburg
  • Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 bis 13 Uhr; Dienstag und Donnerstag zusätzlich von 15 bis 17 Uhr
  • Kontakt: 040/2840790 und info@fz-hh.de

Im Flüchtlingszentrum können sich Geflüchtete in puncto Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung beraten lassen. Allerdings muss man vorab per Telefon einen Termin vereinbaren. Die Berater*innen sprechen auch ukrainisch.

Fluchtort Hamburg 5.0

  • Ort: Michaelisstraße 20, 20459 Hamburg
  • Öffnungszeiten: Donnerstag von 11 bis 13:30 Uhr (offene Sprechstunde)
  • Kontakt: 040/35772945 und fluechtlingsprojekt@why-not.org

Der Verbund koordiniert mehrere Projekte, um die beruflichen Chancen von Geflüchteten zu verbessern. Hier werden Interessierte beraten und beim Berufseinstieg begleitet. Eins der kostenlosen Projekte ist die „Lernwerkstatt für geflüchtete Frauen“, bei der auch Workshops zur Berufsvorbereitung angeboten werden.

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine macht sich auch in Hamburg bemerkbar. FINK.HAMBURG hat dazu in der Serie „Ukraine in Hamburg“ Reportagen und Porträts von Betroffenen zusammengestellt. In der Schule und im Ballett, unterwegs mit einer geflüchteten Influencerin und einem Tennisprofi aus Kiew – FINK.HAMBURG zeigt unterschiedliche Herausforderungen und Perspektiven, die mit dem Krieg zusammenhängen.

Vom Geschlecht unabhängige Hilfe bei der Jobsuche können ukrainische Geflüchtete bei der „Beratung und Begleitung zum Berufseinstieg für alle“ bekommen. Dieses Angebot wird ebenfalls von Fluchtort Hamburg 5.0 koordiniert. Teilnahmevoraussetzung ist das Sprachniveau A2 in Deutsch und der Zugang zum Arbeitsmarkt.

Jobsuche für geflüchtete Menschen mit Behinderung

  • Ort: Haus am Schlicksweg, Schlicksweg 39, 22307 Hamburg
  • Öffnungszeiten: Montag, Donnerstag von 9 bis 12 Uhr; Dienstag von 12 bis 16 Uhr
  • Kontakt: 040/30936852 oder agnes.hass@ausblick-hamburg.de

Ausblick Hamburg bietet Menschen mit Behinderung oder gesundheitlichen Problemen Unterstützung bei der Suche nach einer Arbeitsstelle in Hamburg. Migrant*innen erhalten dort unter anderem Hilfe beim Schreiben einer Bewerbung, bei Bewerbungsgesprächen und in der Probezeit. Die Beratung kann auch anonym erfolgen.

Angebot für gehörlose Geflüchtete

  • Ort: Bernadottestraße 128, Hamburg-Altona
  • Kontakt: anmeldung@glvhh.de

Der Gehörlosenverband Hamburg bietet seine Hilfe für ukrainische Gehörlose an. Der Verband hilft Geflüchteten beim Ausfüllen der Anträge zur Grundsicherung. Vor Ort sind auch Dolmetscher*innen verfügbar. Eine Anmeldung per Mail ist zwingend erforderlich.

Ukrainische Flüchtlinge mit Tieren: An diesen Stellen in Hamburg gibt es Hilfe

Grundsätzlich dürfen Haustiere ohne vorherige Genehmigung nach Hamburg einreisen – auch wenn die Papiere fehlen oder der Impfstatus unklar ist. Allerdings müssen die Tiere anschließend umgehend bei der zuständigen Behörde gemeldet werden. Dafür sollen sich die Besitzer*innnen per E-Mail an „veterinaerwesen@justiz.hamburg.de“ wenden. Dort bekommen sie nähere Informationen.

Ukrainischer Hilfsstab

  • Ort: auf Anfrage
  • Termin: auf Anfrage
  • Kontakt: 0170/4842664 oder 0170/4839366

Der Ukrainische Hilfsstab vermittelt Betreuungsplätze für Tiere von ukrainischen Geflüchteten. Wer ein Tier im Raum Hamburg aufnehmen kann, meldet sich dort per Telefon. Genauso wie Personen, die noch einen Betreuungsplatz für ihr Haustier suchen. Es handelt sich hierbei um eine private Vermittlung.

Hamburger Tierschutzverein e. V.

  • Ort: Süderstraße 399, 20537 Hamburg
  • Termin: auf Anfrage
  • Kontakt: HTV-Ukraine@hamburger-tierschutzverein.de

Der Hamburger Tierschutzverein ist ein Tierheim. Die Haustiere können von dort aus auch in Pflegestellen kommen. Das geht auch übergangsweise, sodass die Tiere an einem anderen Zeitpunkt wieder abgeholt werden.

Hamburg hilft

Das Portal funktioniert nach dem Suche-Biete-Prinzip. Auf der Webseite kann man einen Post erstellen und nach Hilfe fragen. Das Angebot umfasst alle Bereiche – von der Tierbetreuung bis zu Sachspenden – und wird privat organisiert. Bei dem Portal hat auch die ukrainische Geflüchtete Anastasiya mit ihren Hund Amigo um Hilfe gebeten.

Facebook-Gruppe für Tierarztbehandlungen

Auch auf Facebook erhalten Nutzer*innen Hilfe. In der Gruppe „Veterinarian Care for Ukrainian Animals in Germany“ geben sich Ukrainer*innen gegenseitig Tipps. Die Gruppenmitglieder besprechen dort zum Beispiel, wie und wo sie günstig an eine Tierarzt-Behandlung gekommen sind. Die Inhalte sind auch ohne Facebook-Profil öffentlich einsehbar.

Tiertafel Hamburg e. V.

Bei der Tiertafel können sich bedürftige Menschen Futterspenden für ihre Tiere abholen. Allerdings geht das nicht rund um die Uhr, sondern nur zu bestimmten Terminen. Die genauen Daten werden vorab auf der Webseite bekannt gegeben. An einigen Tagen steht auch kostenlos ein*e Tierärzt*in zur Verfügung. Jedoch erhalten ausschließlich chronisch kranke Tiere eine medizinische Vollversorgung.

Schulen für ukrainische Flüchtlinge

Schulinformationszentrum Hamburg (SIZ)

  • Ort: Hamburger Straße 125a, 22083 Hamburg (barrierefrei)
  • Öffnungszeiten: Montag bis Dienstag von 9 bis 13 Uhr; Donnerstag von 13 bis 18 Uhr; Freitag von 9 bis 13 Uhr
  • Kontakt: zuschulung@bsb.hamburg.de

Das SIZ ist die erste Anlaufstelle für ukrainische Geflüchtete, die eine Schule suchen. Um dort Hilfe zu bekommen, müssen Geflüchtete eine Kopie des Ausweises oder der Geburtsurkunde der Kinder an die oben angegebene Adresse senden und einen Termin vereinbaren. Danach findet ein Aufnahmegespräch statt. Bereits wenige Tage später kann die Einschulung beginnen. Die wichtigsten Informationen zum Schulbesuch hat die Stadt Hamburg auch auf Ukrainisch verfasst.

LeseLeo Beratungsstelle

  • Ort: Quarree 8 – 10, 22041 Hamburg (erstes Obergeschoss)
  • Öffnungszeiten: Freitag von 11 bis 17 Uhr
  • Kontakt: 040/6570095 oder info@leseleo.de

Der Verein „LeseLeo e. V.“ fördert die Sprachentwicklung von Kita- und Grundschulkindern. Eltern zugewanderter Familien können sich hier bis zum Jahresende über das Hamburger Schulsystem informieren. Es gibt auch eine Beraterin vor Ort, die ukrainisch spricht.

Heisenberg Gymnasium Hamburg

  • Ort: Triftstraße 43, 21075Hamburg
  • Öffnungszeiten: Montag – Freitag von 07:30 bis 15 Uhr
  • Kontakt: 040/42888710 oder heisenberg-gymnasium@bsb.hamburg.de

Das Heisenberg Gymnasium ist eine von vielen Schulen, die eine Klasse für ukrainische Geflüchtete eingerichtet hat – eine sogenannte „internationale Vorbereitungsklasse“. Ihre Lehrerin kann russisch und deutsch sprechen. Sobald die Kinder das Sprachniveau B1 erreichen oder spätestens nach einem Jahr, wechseln sie von dort aus in eine reguläre Schulklasse. FINK.HAMBURG hat die Klasse begleitet.

Medizinische Versorgung für ukrainische Flüchtlinge

Grundsätzlich haben geflüchtete Menschen aus der Ukraine, die einen Antrag auf Asyl gestellt haben, einen Anspruch auf medizinische Versorgung. Das gilt sowohl in der ambulanten als auch in der stationären Betreuung. Das regelt § 4 des Asylbewerberleistungsgesetzes.

Allerdings sollten sich ukrainische Geflüchtete vorab bei einer Krankenkasse, wie der AOK Bremen/Bremerhaven, melden. Danach können sie zu jedem Arzt und jeder Ärztin in Hamburg gehen, der oder die Kassenpatient*innen behandelt. Eine genaue Übersicht gibt es bei der KVH-Arztsuche.

Flüchtlingszentrum Hamburg (Clearingstelle)

  • Ort: Adenauerallee 10, 20097 Hamburg
  • Öffnungszeiten: Montags von 9 bis 13 Uhr; Donnerstag von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr
  • Kontakt: 040/284079123 oder niethammer@fz-hh.de

Bei Bedarf kann auch Hilfe im Flüchtlingszentrum Hamburg in Anspruch genommen werden. Die Helfer*innnen der „Clearingstelle Gesundheitsversorgung Ausländerinnen und Ausländer“ unterstützen ukrainische Geflüchtete dabei, Zugang zu medizinischer Versorgung zu erhalten. Das geht auch ohne legalen Aufenthaltsstatus.

Impfungen für Geflüchtete aus der Ukraine

Um einen Impftermin zu bekommen, können sich ukrainische Geflüchtete einfach an eine Arztpraxis wenden. Vorgeschriebene Impfungen, wie zum Beispiel die Masernimpfung für Kinder, sind dort kostenlos. Eine Übersicht über alle Praxen gibt es bei der KVH-Arztsuche.

Auch Corona-Impfungen können beim Arzt gemacht werden. Alternativ gibt es in Hamburg diverse Impfstationen, die sich nur um Impfungen gegen COVID-19 kümmern. Das funktioniert zum Teil auch ohne Termin. Die Stadt Hamburg hat eine Übersicht zu allen Impfstationen veröffentlicht.

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Anita Stall, Jahrgang 1999, ist zwar eines der Küken in der Redaktion, hat aber mit Bauernhof sonst eher wenig am Hut. Stattdessen ist sie mit ihrem Van „Möhrchen“ immer auf der Suche nach Menschen, die ein Gesicht ihres Onlinemagazins „Faces of earth“ werden. Sie interviewte dafür eine Dragqueen, schrieb über Weltraumschrott und will Nischenthemen und Randgruppen mit ihrem Magazin eine Plattform bieten – auch auf Social Media. Offline setzt sie sich ebenfalls für Freiheit und Gerechtigkeit ein. Freedom ist nicht nur auf Anitas Handgelenk tätowiert, sie hat bereits ein Hörspiel über den Christopher Street Day geschrieben und war auf einer Demo gegen Delphinfang. Dass sie die Wasserwelt liebt, zeigt sich schon im Namen ihres Heimatortes: Meerbusch. Nach ihrem Journalistik-Studium in Hannover wohnt Anita jetzt in Hamburg-Fischbek – manchen Dingen muss man einfach treu bleiben. Kürzel: ast

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