Im Pride Month veranstaltet die HAW Hamburg drei Lunchtalks, bei denen Forschungen zu queeren Themen vorgestellt werden. Es geht um Diversität in Kinderbüchern, Einsamkeit von Trans* Studierenden und die Versorgung von Trans*Kids.
„Ich bin teilweise wirklich ärgerlich darüber, wie wenig von der Diversität, die wir in Hamburg und der Welt erleben, in diesen Büchern vorkommt”, sagt Anne Franze nach dem ersten Lunchtalk gegenüber FINK HAMBURG. Franze ist Erziehungswissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät Soziale Arbeit und Kindheitspädagogik der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg.
Im Rahmen des Pride Months veranstaltet die HAW Hamburg drei Lunchtalks. Dort finden drei Präsentationen von Forschungsprojekten zu queeren Themen der Hochschule statt. Franze leitete den ersten Luchtalk. Studierende und Interessierte sind dazu eingeladen, sich mit oder ohne Essen zusammenzusetzen und zuzuhören. Der erste Lunchtalk am 10. Juni thematisierte Diversität in Kinderbüchern. Weitere Talks finden am 18. Und 28. Juni statt.
Diversität im Kinderbuchregal

„Kein einzelnes Buch kann die ganze Vielfalt der Welt zeigen”, sagt Franze. Um die Vielfalt im Kinderbuchregal sortieren zu können, kategorisiert und bewertet sie die Bücher. Ihre Einschätzung hilft dann beispielsweise Pädagog*innen bei ihrer Arbeit.
Die Bewertung erfolgt mit Herzen und Blitzen. Ihre Kriterien: Wird Diversität als ein zentraler Punkt in den Büchern betrachtet? Kommt es beiläufig vor oder sogar gar nicht? Bis zu drei Herzen bedeuten, dass Diversität in der Geschichte gelungen eingebaut wurde. Blitze weisen auf problematische Inhalte hin, welche sie Kindern nicht zum Lesen geben würde.
Leicht problematisch bewertet Franze zum Beispiel die Conni-Reihe: Alle Hauptfiguren sind normschön, weiß, nicht beeinträchtigt, heterosexuell. Diversität kommt wenn überhaupt nur in Nebenrollen vor. Diese Art von Büchern würde Franze nicht aussortieren, aber nur reduziert ins Kinderregal stellen.
„Welche Botschaften möchte ich mit Kindern lesen und besprechen?”

Mit Franzes System richtet sich der Blick nicht nur auf queere Inhalte in Kinderbüchern, sondern auch auf Themen wie Rassismus oder Ableismus. Laut Franze sei es grundsätzlich wichtig, sich die Frage zu stellen: „Welche Botschaften möchte ich mit Kindern lesen und besprechen?”. Mithilfe dieser Antwort könne dann ein Kinderbuchregal individuell betrachtet und verändert werden.
Franze empfiehlt, Diversität in Kinderbüchern eher beiläufig, beinahe subtil einzubringen. Würde Diversität ausdrücklich in einer Geschichte behandelt könne es für Kinder verwirrend sein, wenn sie noch nicht mit bestimmten Vorurteilen in Berührung gekommen sind. Ein Negativbeispiel wäre „Aminah gehört zu uns” von Petra Mönter. In dem Buch kommt ein vermeintlich „fremdes” Kind in eine Gruppe „normaler” Kinder. Für Kinder die dem „fremden” Kind ähnlich sind, könnten Bücher wie dieses sehr peinlich und unangenehm sein. Ein Positivbeispiel ist das Buch „Mommy, Mama and Me“ von Leslea Newman. Die Geschichte erzählt von einer Familie mit zwei Mamas. Die Elternkonstellation wird nicht besonders betont.
Queere Forschung: Die nächsten Lunchtalks
Im Juni folgen im Rahmen des Pride Months noch zwei weitere Lunchtalks, wo queere Forschung der HAW Hamburg vorgestellt wird. Beide Lunchtalks finden hybrid statt: Interessierte können sich entweder online zuschalten oder in der Alexanderstraße 1 dabei sein. Eine Anmeldung erfolgt über das Gleichstellungsbüro der HAW Hamburg.
- Am 18. Juni stellt Sabine Wöhlke, Professorin für Gesundheitswissenschaft und Ethik, die Ergebnisse einer Studie zur gesundheitlichen Versorgung von Trans* Kindern und Jugendlichen vor. Um 12 Uhr geht es los.
- Am 29. Juni zeigt Lynn Müller, Studentin der Gesundheitswissenschaften, ihre Forschung zu Einsamkeit unter Trans* und nicht binären Studierenden im Hochschulalltag. Dieser Lunchtalk beginnt um 13.30 Uhr.






