Coldplay live beim Global Citizen Festival. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Coldplay live beim Global Citizen Festival. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Auf dem Global Citizen Festival riefen am Donnerstagabend Politiker und Musiker zur Bekämpfung von Armut und für mehr Gerechtigkeit auf. Doch nach Stars wie Coldplay, Pharrell Williams und Herbert Grönemeyer leuchten auch Firmenlogos.

Sigmar Gabriel lässt den Schlips vor dem Global Citizen Festival lieber zu Hause. „Das wäre sonst das erste Rockkonzert, bei dem man mich mit Krawatte sieht“, sagt er auf der Bühne. „Ist schon ’ne geile Nummer hier“, so der Außenminister über das Festival. Das Publikum lacht. Eigentlich soll sich in der Barclaycard Arena an diesem Abend alles um politischen Protest drehen. Doch das Motto „Für Freiheit. Für Gerechtigkeit. Für Alle.“ wird schnell beliebig – vor allem im Vergleich zu dem, was gleichzeitig in Hamburg passiert.

Auf der großen Bühne vor einer Videoleinwand geben sich Politiker, Vorstandsvorsitzende und Pop-Stars das Mikro in die Hand. Barbara Schöneberger leitet durch den Abend. Als sie mit Olaf Scholz ihren ersten Gast auf die Bühne ruft, sind deutliche Buhrufe aus dem Publikum zu hören. Man müsse zusammen über die Probleme der Welt reden, sagt der Bürgermeister. Der Applaus übertönt nun die Buhrufe. Nach Olaf Scholz tobt die Menge für Justin Trudeau, der fordert die Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen, weniger Armut und mehr Klimaschutz. Alle Politiker, die an diesem Abend nach ihm reden, werden ähnliche Dinge sagen. Es sind wahre Botschaften, die durch ihre ständige Wiederholung leider zur Phrase werden. Sie zeigen, wie wenig politisch bedeutend diese Veranstaltung ist. Leider können auch eindrucksvolle Auftritte von Aktivisten wie Vandana Shiva das Ruder nicht mehr herumreißen.

„Für mich ist das eher ein Konzert. Ich möchte Coldplay und Ellie Goulding sehen“, erzählt die 39-Jährige Diana vor der Arena. Ihre Karte habe sie auf einer Facebook-Seite gewonnen. Wie ihr geht es vielen, die mit ihren Gratistickets vor allem Pharell Williams, Herbert Grönemeyer und Coldplay erleben möchten. Letztere machen nicht nur mit Songs wie „Paradise“, „Viva la Vida“ und „Fix You“ Stimmung. Sie haben auch eine Konfettikanone dabei. Beim Global Citizen Festival spielen alle Musiker ohne Gage, heißt es von Veranstalterseite. Auf der Videoleinwand wird sich deshalb auch bei großen Unternehmen wie YouTube für das Sponsoring bedankt. Das mag alles Teil einer Party sein. Aber politisch Bedeutendes sieht anders aus.

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Martin Tege, Jahrgang 1990, ist leidenschaftlicher Musiker. Während seines Studiums der Kulturwissenschaften an der Uni Lüneburg entdeckte er seine Begeisterung für den Journalismus. Nach diversen Praktika wurde der gebürtige Mecklenburger freier Journalist beim Magazin „Rolling Stone“, für das er neben News auch Konzert- und Plattenrezensionen schreibt. Wenn er nicht gerade als Gitarrist mit seiner Bigband auf Tour ist, interessiert er sich aber auch für Geschichten aus Wissenschaft, Politik und Technik – und für soziale Themen. Fußball dagegen ist ihm „mehr als egal“.
Joachim Plingen, Jahrgang 1990, hat schon einmal in „Carmen“ an der Düsseldorfer Oper gesungen – im Chor. Später studierte er an der Sporthochschule Köln Sportmanagement. Nach dem Bachelor arbeitete er in Leipzig beim Radiosender Detektor.fm. In Quebec jobbte er als Kellner und als Sprachlehrer, um damit eine Motorradtour durch Vietnam zu finanzieren. Der gebürtige Bonner wohnt in St. Georg, spielt Schlagzeug und legt Platten auf. Auf eine bestimmte Musikrichtung möchte er sich dabei nicht beschränken, nur Schlager, Black Metal, Trash-Pop und Dubstep mag er nicht. Joachim spielt Fußball, zuletzt bei Blau-Weiß Leipzig, und ist Fan von Bayer Leverkusen. Manchmal steht er auch als Schauspieler für Kurzfilme vor der Kamera.