Pizzabote G20 Welcome to Hell
Pizzabote Benjamin - mitten in der Eskalation von "Welcome to Hell". Screenshot G20-Livestream

Ein Pizzabote inmitten der aufgelösten „Welcome to Hell“-Demonstration. Das Bild gehört zu den unglaublichen Szenen des bisherigen G20-Gipfels in Hamburg. Wir haben mit dem Mann auf dem Roller gesprochen.

Die Demonstration „Welcome to Hell“ am Fischmarkt hat sich gerade aufgelöst, in der Luft liegt der Qualm von Pyrotechnik und ein Hauch von Pfefferspray, die Straße ist nass von den Wasserwerfern. Bis zu 12.000 Menschen halten sich noch zwischen Fischmarkt und Hafenstraße auf. Die Polizei setzt Pfefferspray und Schlagstöcke ein, Demonstranten haken sich gegenseitig unter, andere rennen in alle Richtungen in Sicherheit.

Und dann dieses Bild, das irgendwie überhaupt nicht hierhin passt. Ein Pizzabote schlängelt sich mit seinem Roller durch die Menschenmenge. Dann kommt er vor einer Polizeikette zum Stehen. Auf einem Video ist zu sehen, wie ein gepanzerter Polizist eine Demonstrantin rüde wegstößt, direkt dahinter sieht man den Pizzaboten, der absteigt und seinen Roller zu Fuß zu wenden versucht. Wenige Minuten nach dem Zwischenfall zirkulieren Screenshots von der Szene in den sozialen Medien, Witze über arme Leute, die „drei Minijobs“ machen müssen, werden gerissen. Die Fahrt des furchtlosen Pizzaboten schafft es bis in die Liveberichterstattung des US-Senders „Fox News“.

Wir erreichen Benjamin telefonisch in der Pizzafiliale in Altona, für die er arbeitet. Der Transportkoffer für die Pizzen sei zum Zeitpunkt seines Auftritts inmitten der eskalierenden Demonstration schon leer gewesen: „Ich musste eine Pizza in der Hopfenstraße ausliefern. Auf dem Rückweg in die Filiale in der Jessenstraße bin ich allerdings nicht mehr richtig durchgekommen.“

Normalerweise dauert die Strecke von rund zwei Kilometern nur ein paar Minuten. Für Benjamin wird der Weg zum Slalomparcour. Die Polizei stößt Demonstranten weg, die durch die Polizeikette zu kommen versuchen – doch Benjamin wird durchgelassen. Benjamin fragt höflich nach. „Der Polizist meinte, ich würde mit meinem Roller schon durchkommen.“

Benjamin bewegt sich allerdings mitten in das Chaos hinein. An der Park-Fiction-Anlage entlang bis zum Fischerhaus. „Es war richtig gefährlich. Dort flogen auch Steine.“ Aber zum Glück hat Benjamin ja einen Motorradhelm auf dem Kopf. Irgendwie schafft er es zurück in die Filiale in der Jessenstraße. Roller und Pizzabote sind unversehrt.

Am Telefon klingt der 27-Jährige nicht besonders aufgeregt. Eher so, als habe er in seinem Job schon Schlimmeres erlebt. Nach unserem Telefonat hat er aber genug. Benjamin hat Feierabend.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes hieß es, Benjamin sei 28 Jahre alt. Er ist aber erst 27. Wir haben das korrigiert.

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Christoph Petersen, Jahrgang 1989, liebt Bahnfahren und zahlt gerne seinen Rundfunkbeitrag. Spießig? Von wegen: Der Wiesbadener war sogar schon mal in der „Neon" als Single bei den „Ehrlichen Kontaktanzeigen“. Nach seinem Politik- und Soziologie-Studium in Mainz arbeitete Christoph als Hörfunkredakteur und -Moderator für hr1, bevor er sein Volontariat bei einer Produktionsfirma für Dokumentarfilme abschloss. Jetzt lebt er in der „Barmbronx" im Osten Hamburgs und bummelt lieber über den Flohmarkt beim Museum der Arbeit als über den in der Schanze. Dort sucht er vor allem nach alten Schallplatten, die Kindheitserinnerungen wecken.

4 KOMMENTARE

  1. Live Übertragung der G20 Demo auf N24: Nach einigen Minuten friedlicher Demo, hat die Polizei den Zug gestoppt und alle Demonstranten eingekesselt. Es war und blieb friedlich und die Presse vor Ort konnte sich die Taktik der Polizei nicht erklären. Nach einiger Zeit wurde als Grund vermummte Demonstranten genannt.
    Abgesehen davon, dass man aufgrund von Vermummung keine Demo stoppen muss (legal aber kann), konnte ich bei 90% des schwarzen Blocks (insgesamt ca 600-1000 von insgesamt 12000) keine „Vermummung“ sehen. Die meisten trugen Hut und Sonnenbrille, keine Maske/Schal vorm Gesicht.
    Dann passierte wieder nichts, tausende Menschen auf engem Raum eingekesselt, wartend. Die Presse kommentierte die Stimmung sei angespannt, man frage sich wie die Polizei diese Situation auflösen möchte.
    Statt einer Auflösung wurden dann Wasserwerfer in die Menge gefahren, der Raum wurde noch enger und dann hat man weiter gewartet… bis irgendwer dann etwas geworfen hat, ich glaube da war so eine Stunde rum…

    Für mich war unfassbar, dass vom Polizeichef riskiert wurde, dass eine Panik ausbricht und Menschen ernsthaft zu Schaden kommen. Man konnte live im Fernsehen beobachten wie die Situation eskaliert…. als dann die Wasserwerfer zum Einsatz kamen: Menschen versuchen in panisch zu entkommen, Mauern hoch zu klettern, Bilder wie von der love Parade… furchtbar!

    Der Vermummungsgrund muss auf den Prüfstand und der Polizeichef zu Rechenschaft gezogen werden.
    Neben der Gefährdung von Menschenleben, schadet so ein Hardliner den demokratischen Grundwerten und dem Ansehen der Polizei.

  2. Das ist ein Vorbild für unsere Gesellschaft. Ein Mensch, der einen Job hat und diesen trotz aller Widrigkeiten durchzieht. Nicht Steinwerfen, Pöbeln, Autos anzünden und Polizisten verletzen. Leute wie den Pizzaboten brauchen wird. Er trägt dazu bei dass unser Gemeinwesen funktioniert, dass es Schulen, KiTas, Altenheime, Krankenhäuser etc. gibt. Die linken Gewalttäter tragen zu all dem nichts bei, nur zu Kosten, die Leute wie der Pizzabote zu tragen haben.

  3. Schulen ?! da seh ich in den büchern nur drachen, piraten, geister, hexen, räuber…
    ganz tolles Gemeinwesen habt ihr da auf planet erde….

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