Zyklusapp Gründerinnen Ovy Lina Eva Wüller
Die Gründerinnen von Ovy: Lina und Eva Wüller. Foto: Laura Lagershausen

Die Antibabypille ist praktisch. Dennoch sind viele Frauen auf der Suche nach einer Alternative. Die App Ovy soll die fruchtbaren Tage bestimmen können. Ein Gespräch mit Lina Wüller, einer der beiden Erfinderinnen.

Eine persönliche Geschichte brachte Lina Wüller (30) dazu, ihre App zu entwickeln. Vor zwei Jahren dachte sie sich: „So, Schluss mit den Hormonen.“ Ihre Gynäkologin riet ihr dazu, mit der Temperaturmethode zu verhüten. Dabei wird der Zyklus anhand der Temperaturkurve bestimmt. Diese Art der Verhütung hat einen Pearl-Index von 0,8 bis 3. Im Vergleich dazu liegt der Index der Pille bei 0,1. Es gilt: Je kleiner der Wert, desto sicherer. Lina Wüller wurde daraufhin ungewollt schwanger.

Das Kind bekam Lina nicht. Gemeinsam mit ihrer Schwester Eva Wüller (28) stand sie die schwierige Zeit durch. Anschließend entschlossen sich die Schwestern, die Temperatur-Methode mit Hilfe einer App zu revolutionieren. „Die Dokumentation mit Zettel und Stift ist einfach zu ungenau. Auch die Zyklus-Apps, die sich bereits auf dem Markt befanden, waren nicht zufriedenstellend. Eva und ich wollten eine Methode finden, die genauer und einfacher zu handhaben ist“, erzählt Lina Wüller.

Zyklus-App Ovy
Die Ovygirls sitzen derzeit im Mindspace am Rödingsmarkt. Foto: Laura Lagershausen

Im Mai launchten die Schwestern die App Ovy. Um sie zu nutzen, braucht man ein Basalthermometer, das auf zwei Nachkommastellen genau misst. Damit misst die Nutzerin morgens nach dem Aufwachen im Bett ihre Körpertemperatur im Mund und gibt den Wert in die App ein. Auch Veränderungen des Körpers wie Krankheiten, die Einnahme von Medikamenten, das Stimmungsbild und das Ausflussverhalten werden dokumentiert. Ein Algorithmus berechnet daraus den weiblichen Zyklus und die damit verbundenen fruchtbaren Tage. Ovy basiert also auf der symptothermalen Methode, da zusätzlich noch Körpersignale ausgewertet werden.

Diese Funktion begrüßt auch Dr. med. Susanne Röhr. Die Frauenärztin gibt jedoch zu Bedenken: „Ein relativ regelmäßiger Zyklus ist bei der Temperaturmethode Voraussetzung. Der menschliche Körper ist kompliziert und es gibt keine einfache, schnelle hormonfreie Verhütungsmethode.“ Generell sieht Röhr Zyklus-Apps kritisch: „Diese Apps sind sehr unsicher. Denn die Fruchtbarkeit wird nur aufgrund des Zyklus berechnet. Das Problem: selbst wenn man einen regelmäßigen Zyklus hat, kann man nie genau vorhersagen, wann genau die fruchtbaren Tage sind. Manchmal reicht schon eine Erkältung oder Stress aus, um den Eisprung zu verschieben.“

Die beiden Ovy-Gründerinnen arbeiten aktuell an einer Health-Coach-Funktion, die die App ergänzen soll. „Ebenfalls etwas, das Ovy von anderen Zyklus-Apps unterscheidet“, sagt Lina Wüller. Den Mut zu gründen, haben die beiden Schwestern von ihrer Großmutter. Sie hat ihnen in der Kindheit eine Unternehmerweisheit mitgegeben:

„Sie hat immer gesagt, wenn ihr einen Plan B habt, dann kann Plan A nicht funktionieren.“

Ihre Großmutter ist ihr Vorbild.“Sie war eine Geschäftsfrau und besaß eine Drogeriemarkt-Kette. Das hat uns inspiriert und vor allem gezeigt, dass man für sein eigenes Unternehmen sehr hart arbeiten muss.“

Nachdem Lina und Eva Wüller ein Konzept ausgearbeitet hatten, ließen sie einen Prototyp programmieren, um damit nach Investoren zu suchen. Lina leitete zu diesem Zeitpunkt die Agentur Rebel at heart. „Durch die Agentur hatten wir die Möglichkeit, die bereits bestehenden Ressourcen in der Startphase von Ovy zu nutzen. Das hat uns sehr geholfen“, sagt Lina Wüller. Da sie sich komplett auf Ovy konzentrieren wollte, stieg sie einige Zeit später bei der Agentur aus.

Gründerinnen Hamburg Zyklus-App Ovy
Screenshots: Ovy App, Grafik: Laura Lagershausen

Ende diesen Jahres wollen sie ihr Produkt weiterentwickeln. Mit einem Bluetooth-Thermometer sollen die Werte dann direkt an die App gesendet werden. „Wir legen sehr viel Wert auf den Austausch mit unseren Nutzerinnen und entwickeln die App gemeinsam mit ihnen weiter“, sagt Lina Wüller, „Das Bluetooth-Thermometer wird dann das Herzstück von Ovy.“ So zeigen Lina und Eva Wüller, dass Pläne sich erst nach und nach entwickeln. Auch Plan A kann also kleine Abweichungen enthalten.

In der Serie Gründerinnen beleuchtet FINK.Hamburg die Hamburger Startupszene und stellt Frauen vor, die den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben.

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Lisa-Marie Eichhorn, Jahrgang 1989, schläft besonders gut ein, wenn auf dem Bildschirm „Ultimate Fighting“ läuft. Sie kommt aus der Nähe von Stuttgart und interessiert sich für eine Vielzahl von Themen, von Deutschrap bis Stadtpolitik. Studiert hat sie an der Universität Hamburg, und zwar Deutsche Sprache und Literatur mit dem Schwerpunkt Medien und Theater. Sie hat schon für Medien von „Bild“ bis „Tagesschau“ gearbeitet. Damit finanziert sie das, was sie am liebsten ständig macht: ausgedehnte Reisen.
Bei gutem Wetter findet man Laura Lagershausen, Jahrgang 1990, in einem Tretboot auf der Alster, bei schlechtem in einem gemütlichen Café im Eppendorfer Weg. Die studierte Modejournalistin schreibt als freie Redakteurin unter anderem für Kundenmagazine bekannter Modemarken, auf ihrem eigenen Blog stellt sie die Hotspots der Hansestadt vor. Was ihr an Hamburg fehlt? Eine so lebendige Hiphop-Tanzszene wie die ihrer Geburtsstadt Hannover - dort war sie früher als Profi aktiv.

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