Fahne der Seychellen vor Konsulat
Im seychellischen Honorarkonsulat haben Mitarbeiter die Fahne des Inselstaats gehisst. Foto: Astrid Benoelken

Das Hamburger Honorarkonsulat der Seychellen ist nicht nur eine Anlaufstelle für die Bewohner und Besucher des Inselstaats. Statt lediglich Pässe auszustellen und Reisetipps zu geben, werden die Inseln hier auch verkauft.

Die Seychellen liegen direkt an der Alster – im fünften Stock. Zumindest findet man hier das Honorarkonsulat des afrikanischen Inselstaates. Nur ein kleines Emblem neben der Eingangstür verrät die ehrenvolle Aufgabe, nicht einmal eine Fahne weht vor dem Gebäude. Wobei: Die meisten der vorbeilaufenden Passanten würden die regenbogenfarbene Flagge wohl sowieso keinem Land zuordnen können.

Gerade einmal 90.000 Menschen leben auf den Seychellen, erklärt Honorarkonsul Farhad Vladi. Die Inseln haben damit in etwa so viele Einwohner wie in Rahlstedt im Nordosten Hamburgs. Weil für sie allein in Deutschland fünf Konsulate zur Verfügung stehen, hat Vladi in den Räumlichkeiten am Ballingdamm noch ein zweites Standbein aufgebaut: Er verkauft Träume.

Farhad Vladi deutet auf eines der Fotos an der Wand: weißer Sandstrand und sattgrüne Palmen, eingebettet in tiefblaues Meer – „Cousine Island“, die erste Insel auf den Seychellen, die er 1971 verkauft hat. Seitdem sind mehr als 2000 weitere dazugekommen, auch abseits von den Seychellen. „Britische Jungferninseln“, „Kanada“, „Spanien“ steht auf den Aktenschränken des von Vladi aufgebauten Inselarchivs, auf die jemand für die Lange Nacht der Konsulate bunte Wasserbälle und Kokosnüsse drapiert hat. In etwa 40 Staaten der Welt kauft Vladis Firma Inseln ein.

Eine eigene Insel? Billiger als eine Wohnung in Hamburg

Damit die Kunden gleich in Inselstimmung kommen, hat Vladi auch die Räume des Unternehmens passend gestaltet. Türkisblau wie der Indische Ozean leuchtet der Teppichboden, darauf stehen sandgelbe Konferenzstühle, die an den Strand von Mahé erinnern, der größten Insel der Seychellen.

Bürodeko im Konsulat der Seychellen
Inselgefühle mit Blick auf den Jungfernstieg: Bürodeko im Honorarkonsulat der Seychellen. Foto: Astrid Benoelken

„Wer sich heute ein Auto kaufen kann, der kann sich auch eine Insel leisten“, sagt Vladi. Für 40.000 Euro bekomme man bereits eine kleine Insel in Europa, „für 100.000 Euro verkaufe ich Ihnen eine richtig tolle Privatinsel“. Das sei allemal billiger als eine Hamburger Eigentumswohnung.

Natürlich hat Vladi auch eine eigene Insel – allerdings liegt diese in Neuseeland. Mindestens einmal im Jahr fährt er dorthin, meist in den Weihnachtsferien, wenn es etwas ruhiger wird im Inselgeschäft. 100 Schafe, 50 Ziegen und zwei Alpacas leben dort – und vier Wochen im Jahr eben auch der Hamburger Honorarkonsul der Seychellen.

Nach Korea zu traditionellen Gewändern und Kalligraphie?

Oder in Peru leckere Empanadas essen?

Vorheriger ArtikelTraditionelle Kunst und iranische Küche unter freiem Himmel
Nächster ArtikelÄthiopischer Kaffee in Eimsbüttel
Astrid Benölken, Jahrgang 1993, hat als Kind sogar die Erziehungsratgeber ihrer Eltern gelesen, wenn ihr die Lektüre ausging. Zu ihren Lieblingsbüchern zählen Klassiker von Goethe, aber auch neue Werke, wie die des Nobelpreisträgers Ishiguro. Für ihr Ressortjournalismus-Studium mit Schwerpunkt Kultur zog Astrid aus dem kleinen Ort Seppenrade im Münsterland ins bayerische Ansbach. Nach dem Studium reiste sie mit dem Rucksack durch Südamerika, Osteuropa und Indien. Als Journalistin hat sie schon für die „Westfälischen Nachrichten“, „Faz.net“, den „Bayerischen Rundfunk“ und die „Süddeutsche Zeitung“ gearbeitet – am liebsten zu Kulturthemen. Kürzel: abe
Björn Rohwer, Jahrgang 1993, liebt drei Dinge: Sport, Musik und Technik. Während er beim Sport lieber zuschaut, ist er bei der Musik mit vollem Einsatz dabei. Seit seinem sechsten Lebensjahr singt der studierte Musikwissenschaftler im Knabenchor, spielt Klavier, Saxophon und Klarinette. Zum Journalismus hat ihn seine dritte Leidenschaft gebracht: die Technik. Für verschiedene Gamingformate rezensiert er Videospiele, führt Interviews und verfasst Hintergrundberichte. In seinem 2014 erschienenen Buch „Unnützes Wissen für Gamer“ gibt er die Antwort darauf, warum Super Mario einen Schnauzbart trägt oder wieso Lara Croft eine große Oberweite hat. Das Buch hat er während eines Kreuzbandrisses geschrieben, den er sich beim Schulsport zuzog. Das Ende der Sportlerkarriere war der Anfang des Schreibens. Kürzel: bro