Eine gute Idee, aber die Fräse oder Hobelbank fehlt? In der Welcome Werkstatt in Barmbek wird gemeinsam gewerkelt, gefräst, gelötet und alles geteilt. Auch über die neuesten Heimwerker-Projekte lässt sich trefflich quatschen.  

Moritz Stückler steht in der alten Feuerwache Barmbek und schleift sein selbstgebautes Frühstücksbrettchen ab. Ihn umgeben Hobelbänke, Fräsen, Blattsägen, Farbeimer und Europaletten. Und weiteres Werkzeug, soweit das Maßband reicht. Zusammen mit François Entringer und Derek Leach hat der 29-Jährige die alte Feuerwache zu einer Selbsthilfewerkstatt umfunktioniert. Jeden Samstag öffnet die Welcome Werkstatt das große Falltor und lädt jede*n ein, dem oder der fürs Heimwerken das entsprechend ausgestattete Zuhause fehlt.

Und die Besucher sind bunt gemischt. Ein Mann kommt wöchentlich mit seinem Campervan, den er sich ausbaut, berichtet Stückler. Ein paar Jungs werkeln sich ihre WG-Garnitur hier zurecht. Ein anderer Besucher repariert italienische Rennräder aus den Achtzigern. Wieder ein anderer wollte Hobeln lernen. „Der hat stundenlang gehobelt, bis er knietief in Holzspänen stand“, erinnert sich der Betreiber. Sein Ziel: Die Leute aus dem Stadtteil sollen hier einen Ort finden, ihren Ideen nachzugehen. Und seien sie auch noch so ungewöhnlich. Ein ehemaliger Eisenbahnladen-Besitzer sei mal vorbeigekommen, um zu sortieren. „Der wollte einfach nur Dinge sortieren. Das hat er den halben Tag gemacht und ist dann wieder nach Hause gegangen“, erzählt Stückler.

Mit dem Werkeln aufgewachsen

Stückler ist ehemaliger HAW-Student, heute arbeitet er als Informatiker. Von seinem Vater hat er früh gelernt, mit Säge oder Hobel umzugehen. Für ihn ist das Handwerken ein schöner Ausgleich zu seiner Arbeit am Computer.

Aber wo geht man einer solchen Leidenschaft in einer Großstadt wie Hamburg nach? „Ich komme vom Land, da hat jeder seine Werkstatt im Garten“, sagt er. In der Stadt sei das schwieriger. Und so machte Stückler sich auf die Suche nach einem geeigneten Platz. Vor ein paar Jahren stand er mal kurz davor, sich einen alten Schiffscontainer in seinen Schrebergarten zu stellen, um dort seine eigene Werkstatt aufzubauen. Dann wurde er auf die Welcome Werkstatt aufmerksam. Die Idee gefiel ihm noch besser.

Entringer und Leach gründeten die Welcome Werkstatt 2015 als Initiative. Im Sommer 2017 wurde aus der Initiative ein eingetragener Verein. Stückler ist jetzt seit gut anderthalb Jahren dabei und erster Vorsitzender des Vereins.

Moritz Stückler steht in seiner Welcome Werkstatt und schleift ein Brettchen ab. Foto: Max Nölke
Nur noch der Feinschliff fehlt, dann ist Moritz Stücklers neuestes Frühstücksaccessoire fertig. Foto: Max Nölke

Stückler, Entringer und Leach sind in der Welcome Werkstatt Ansprechpartner für die Besucher*innen. „Aber wir sind keine Dienstleister“, sagt Stückler. Jede*r solle sich selbst ausprobieren. „Ich bau niemandem seinen Stuhl zusammen.“

Auf Spenden angewiesen

Die Ausstattung bekommt die Welcome Werkstatt vor allem gespendet, etwa wenn Heimwerkstätten aufgelöst werden. Das Equipment ist bereits recht umfangreich: Es gibt eine Hobelbank, eine Banksäge, Schleifer, Kreissägen, einen 3D-Drucker oder eine kleine CNC-Fräse, mit der zum Beispiel Holz und Plexiglas zurechtgefräst oder Logos eingraviert werden können.

Die drei Initiatoren geben sich damit dennoch nicht zufrieden. Eine Metallwerkstatt im Kellergeschoss ist angedacht. Stücklers Wunsch als Informatiker: Der Elektro-Arbeitsplatz soll zudem ausgebaut werden.

In der Welcome Werkstatt wird der Austausch groß geschrieben, nicht nur von Werkzeug, sondern auch von Fertigkeiten und Wissen. „Der eine kann gut mit Fahrrädern, der andere ist Drechsler. Ich kenne mich mit allem aus, was blinkt und bin sozusagen der Elektro-Experte.“ Zudem verfolge der Verein das Prinzip der Nachhaltigkeit, so Stückler. „Warum soll ich mir eine Flachdübelfräse kaufen, sie einmal benutzen und dann jahrelang im Keller stehen lassen? Bei uns in der Werkstatt können wir solche Ressourcen teilen.“

Die Welcome Werkstatt liegt in der Bachstraße 98.
Besucher*innen können die Werkstatt samstags von 14 bis 18 Uhr für 10 Euro nutzen.
Mitglieder zahlen 25 Euro im Monat und haben jederzeit Zugang zu den Räumlichkeiten.

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Harald Schmidt hat 1995 gesagt, dass Kinder nur noch Max, Paul oder Leonard heißen. „Namen wie blank geputzte Holztische“. Zu diesem Zeitpunkt war Max Paul Leonard Nölke seit zwei Monaten auf der Welt. Der Dortmunder Knirps teilt mit seinen Namensvettern Hobbys wie Fußball, Musik hören und Freunde treffen. Soweit, so blank geputzt. Markanter ist Max‘ Schreibe. Der herbe Ruhrpott-Schlag gepaart mit seinem Feingefühl brachten ihn in die Redaktionen der Dortmunder “Ruhr Nachrichten” und der Berliner “taz”. In Marburg hat er Sprache und Kommunikation studiert, kann auf Italienisch einen Ramazzotti bestellen und auf Niederländisch eine Frikandel Speciaal. Am liebsten sind ihm aber die Kohlrouladen von Mama. Irgendwann will er mal mit Olli Schulz ein Fischbrötchen verspeisen. Der ist sowieso lustiger als Harald Schmidt. Kürzel: max

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