Die Stadt Hamburg hat ein Teilgrundstück auf dem Gelände des unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen sogenannten Neuen Israelitischen Tempels in der Neustadt gekauft. Ein neues jüdisches Kulturdenkmal und Wohnungen sollen entstehen.

Zur Rettung der denkmalgeschützten Ruine des ehemaligen Neuen Israelitischen Tempels in der Poolstraße 12 in der Neustadt investiert die Stadt Hamburg in das Gelände. Damit werde sichergestellt, dass dieses beteutende Kulturdenkmal dauerhaft erhalten und geschützt werden kann.

In einer Pressemitteilung der Hamburger Behörde für Kultur und Medien heißt es: „Die unter Denkmalschutz stehende ehemalige Tempelanlage soll als jüdisches Kulturdenkmal und Erinnerungsort baulich erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich werden.“ Gleichzeitig soll auf dem Grundstück Wohnraum entstehen.

Der Neue Isrealitische Tempel und seine Geschichte

Neuer Israelitischer Tempel in der Poolstraße 12, Foto: Tim Vogel/dpa
Von dem einst dreischiffigen, neogotischen Bau sind heute nur noch das Eingangsportal und die Apsis als Kriegsruinen erhalten. Zwischen den Ruinen befindet sich eine Autowerkstatt. Foto: Tim Vogel/dpa

Den Überresten des ehemaligen Neuen Israelitischen Tempels komme eine besondere religiöse und geschichtliche Bedeutung zu: 1844 wurde in der heutigen Poolstraße 12 der erste Tempel einer eigenständigen jüdischen Gemeinde des damals noch jungen liberalen Judentums in Deutschland überhaupt errichtet. Unter den Nationalsozialist*innen musste der Tempel 1937 unter Wert verkauft werden. Das Gebäude wurde dann im Zweiten Weltkrieg durch eine Fliegerbombe weitgehend zerstört.

„Es ist gemeinsames Ziel des Senats, jüdisches Leben in Hamburg wieder stärker sichtbar und erlebbar zu machen“, so Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Im jüdischen Erbe der Stadt komme dem Tempel eine ganz besondere Bedeutung zu. „Mit dem Erwerb des Grundstücks ist dieses bedeutende Denkmal endlich dauerhaft gesichert“, sagt Kultursenator Carsten Brosda (SPD). Das biete „die Chance, dass hier ein lebendiger Ort entsteht, der nicht nur Erinnerung wach hält, sondern eingebunden ist in die Entwicklung der Stadt“.

Über weitere Pläne, jüdisches Leben in der Stadt stärker sichtbar zu machen, hat FINK.HAMBURG bereits berichtet, zum Beispiel über die Diskussionen über den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge. Im vergangenen Februar sprach sich die Hamburger Bürgerschaft einstimmig dafür aus. Der Senat initiierte daraufhin eine Machbarkeitsstudie, für die der Haushaltsausschuss im Bundestag 600.000 Euro zur Verfügung stellt. Die Studie wird derzeit vorbereitet.

Stadt reagiert auf Wünsche aus dem vergangenen Jahr

Schon im November 2019 sorgte sich die „Liberale Jüdische Gemeinde Hamburg“ um die Zukunft der Überreste des Tempels in der Hamburger Neustadt. Damals drängte bereits die Zeit, denn die Ruinen befanden sich in einem sehr schlechten Zustand. „Das Gebäude kann jede Minute zusammenbrechen“, so Galina Jarkova, Vorsitzende der liberalen jüdischen Gemeinde. Auch der Hamburger Denkmalverein forderte umgehende Sicherungs-, Instandsetzungs- und Restaurierungsmaßnahmen – entweder durch den Eigentümer oder die Stadt Hamburg.

Hamburg brauche dringend mehr sichtbare Orte jüdischer Geschichte und jüdischen Lebens. Die Gemeinde wünscht sich, dass in der Poolstraße ein öffentlicher Begegnungs- und Erinnerungsort entsteht, der für alle Menschen offen und erfahrbar ist. „Mit dem Tempel in der Poolstraße beherbergt Hamburg ein jüdisches Erbe von Weltrang“, sagt Jarkova. „Wir können und dürfen nicht zulassen, dass es verschwindet.“

mfa/dpa

Titelbild: Tim Vogel/dpa