Weihnachten ohne teure Geschenke? Für viele Hamburger*innen unmöglich. Aber nicht alle Menschen werden am 24. Dezember reich beschenkt. Ein kleines Plädoyer fürs Spenden.

Armut, Obdachlosigkeit, Hunger und Einsamkeit: Für viele Hamburger*innen gibt es schlichtweg keine ruhige und besinnliche (Vor-)Weihnachtszeit. Für viele Menschen ist der 24. Dezember kein Feiertag, andere haben kein Zuhause oder keine Familie. Fakten, die kaum Platz finden zwischen den Massen an Geschenkbergen unter erleuchteten Tannenbäumen in Häusern und Wohnungen dieser Stadt. Weltweit sieht das nicht anders aus.

Alle Jahre wieder ziehen bereits im September und Oktober Adventskalender, Lebkuchen und Spekulatius in die Supermärkte und Kaufhäuser ein. Der Startschuss für die Geschenkejagd. Eine Umfrage der Hochschule für Ökonomie und Management ergab: Hamburger*innen wollen dieses Jahr durchschnittlich 511,10 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Eine immense Summe, die in Spendenform vielen Menschen helfen könnte.

Spenden für Menschen in Not

Aufgrund der Corona-Pandemie fragen sich viele Familien, wie und ob sie die Weihnachtsfeiertage überhaupt miteinander verbringen können. Weil dieses Jahr sowieso vieles anders laufen wird, ist es vielleicht an der Zeit, auf jahrelange Traditionen zu verzichten. Eine Idee für diese Weihnachten: Spenden statt Geschenke.

Und zwar an Menschen in Not. Viele Menschen werden verfolgt oder sind auf der Flucht vor Krieg und Terror. Aber auch Organisationen, die sich für die Umwelt einsetzen, oder Menschenleben im Mittelmeer retten, brauchen Geld.

Etwas Gutes tun: sechs Tipps zum Spenden

Auch dieses Jahr gibt es zahlreiche Weihnachtsspendenaktionen, die bedürftige Organisationen, Familien, Kinder und Einzelpersonen unterstützen. FINK.HAMBURG stellt sechs Projekte aus Hamburg und Umgebung vor, die auch das ganze Jahr auf Spenden angewiesen sind.

Strassenblues

Der gemeinnützige Verein aus Hamburg kümmert sich darum, Menschen ohne Obdach in die Gesellschaft einzubinden. Bereits fünf Mal hat das Team um Nikolas Migut ein gemeinsames Weihnachtsfest für Menschen mit und ohne Obdach veranstaltet. Das Besondere: Die Wohnungs- und Obdachlosen werden im Vorfeld gefilmt und gefragt, was sie sich zu Weihnachten wünschen. Die Videos landen dann auf Social Media und der Homepage des Vereins. Freiwillige Spender*innen schenken zum Beispiel eine warme Jacke, ein Radio oder einen neuen Schlafsack. Gemeinsam verbringen Spender*innen und Beschenkte einen gemeinsamen Weihnachtsabend mit Kaffee, Kuchen und Livemusik. Wegen Corona wird der sogenannte „Straßenweihnachtswunsch“ anders aussehen. Mit Spenden hat der gemeinnützige Verein bereits 20 Obdachlosen ein Zuhause in einem Hotel in Altona ermöglichen können. Dieses Jahr sind es genau diese Obdachlose, die beschenkt werden. Geplant wird die Geschenkübergabe als 30-minütiger Spaziergang – coronakonform. Auch diese Aktion wird wieder getragen von ehrenamtlichen Helfer*innen. Selbstverständlich empfängt der Verein auch Geldspenden.

Sea-Watch

Dieses Jahr ertranken schätzungsweise rund tausend Menschen bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren und einen sicheren Hafen in der EU erreichen. Sea-Watch.org betreibt Seenotrettung, wurde 2015 gegründet und arbeitet rein spendenbasiert. Die private Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf offenem Meer nach Booten in Seenot zu suchen, die Öffentlichkeit über Geflüchtetenschicksale aufzuklären und auf die humanitäre Katastrophen im Mittelmeer aufmerksam zu machen. Mit einer Weihnachtsspende kann die Seenotrettung unterstützt werden. Denn „während wir Zuhause bleiben, auf Hygiene achten und soziale Distanz wahren, bereiten sich auf Lesbos Tausende Flüchtende auf einen kalten Winter in menschenunwürdigen Verhältnissen vor. Auf dem Mittelmeer geht währenddessen das Sterben weiter“, schreibt Sea-Watch auf ihrer Website. Die Spendengelder werden unter anderem für Rettungswesten, Rettungsringe oder die medizinische Versorgung eines Einsatztages verwendet.


Hanseatic Help

Im August 2015 entstand die Kleiderkammer in den Hamburger Messehallen. Daraus entwickelte sich die Hilfsorganisation Hanseatic Help, die bis heute Geflüchtete in Hamburg mit Kleidung, Bettwäsche und Hygieneartikeln versorgt. Mittlerweile versorgen die  Mitarbeitenden Hilfsbedürftige in vielen weiteren Einrichtungen in und um Hamburg. Hanseatic Help versendet Hilfstransporte und Sachspenden, die nicht in Hamburg benötigt werden, auch in Krisengebiete. Die Organisation finanziert sich in Form von Geld-, Sach- und Zeitspenden. Ob Sachspenden in Zeiten von Corona möglich sind, kannst du auf der Website nachschauen. Eine Geldspende ist aber in jedem Fall möglich.

Oll Inklusiv

Die Hamburger Musikmanagerin Mitra Kassai hat Oll Inklusiv gegründet. Im Fokus ihrer Arbeit stehen Seniorinnen und Senioren. Eine Risikogruppe, die einen ganz besonderen Schutz vor dem Corona-Virus benötigt. Viele Senior*innen sind durch Isolation und Social-Distancing sehr einsam. Ausgestattet mit Schutzkleidung besucht Mitra Kassai die „Ollen“ in ihrem Zuhause, spielt Spiele und erklärt digitale Medien. Im Sommer veranstaltete Oll Inklusiv ein Hofkonzert für Senior*innen in Ottensen. Mit Hilfe einer App können die Senior*innen sich austauschen und „gemeinsam statt einsam“ sein. Das gemeinnützige Unternehmen veranstaltet Lesungen, Workshops und Ausflüge für „Menschen 60++“. Mit einer Spende kann die Arbeit von Oll Inklusiv unterstützen werden.

S.O.S. – Save Our Sounds

Die Corona-Pandemie hat auch die Musikclub– und Veranstaltungsbranche stark getroffen: Viele Hamburger Clubs bangen ums Überleben. Insbesondere kleine und mittelständige Kulturbetriebe sind gefährdet. Mit einer Weihnachtsspende könnt ihr die Hamburger Club- und Kulturlandschaft unterstützen. Das geht über die Website der Stiftung zur Stärkung privater Musikbühnen Hamburg – auch direkt an einen Lieblingsclub!

Kulturlotse Hamburg

Der gemeinnützige Verein setzt sich für kostenfreie Kultur für Hamburger*innen ein – insbesondere für finanziell Schwächere. Im Kulturlotse-Kulturkalender finden sich immer aktuelle kostenfreie Veranstaltungen. Insgesamt engagieren sich rund 30 ehrenamtliche Kulturlots*innen in dem Verein, die auch während der Corona-Pandemie täglich über Online-Veranstaltung und Outdoor-Aktionen informieren. Der Verein finanziert sich durch Spenden, hier kann „Kulturlotse“ mit einer Spende unterstützt werden.

Jeden Tag könnt ihr im FINK.HAMBURG-Adventskalender 2020 ein neues Türchen öffnen. Die Redaktion von FINK.HAMBURG wünscht euch fröhliche Weichnachten und viel Spaß mit unserem Adventskalender!

Titelbild: Pixabay

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