Die Polizei plant fünf neue Blitzerfahrzeuge und mehr Blitzsäulen, darunter auch Modelle ohne Kamera. Der Chef der Verkehrsdirektion Hamburg kündigt eine umfangreiche Aufrüstung für Verkehrskontrollen an.
Fünf neue mobile Blitzer, feste Radarsäulen an der Norderelbbrücke und eine mögliche Kameraüberwachung gegen die Nutzung von Handys am Steuer: Diese Neuerungen verkündet Thomas Model, Chef der Verkehrsdirektion Hamburg, in der „Welt am Sonntag“. Als Grund für die Aufrüstung nennt er ein zu hohes Tempo als die häufigste Unfallursache. Bisher betreibe die Polizei 21 mobile Überwachungsanlagen, neun Blitzerfahrzeuge sowie 40 Säulen. Nun soll weiter ausgebaut werden.
Warum es aus Sicht der Polizei mehr Verkehrsüberwachung braucht
2025 habe es mehr als 7.500 Unfälle mit Verletzten und Toten gegeben. „Davon wurden knapp 15 Prozent durch zu hohe Geschwindigkeit verursacht.“ Es gehe aber nicht nur um Tempoverstöße, sondern auch darum, „ob jemand während der Fahrt das Handy bedient oder über Rot fährt“, so Model in der Bild am Sonntag. Blitzerfahrzeuge und damit flexible Standorte seien wichtig, weil immer mehr Menschen vebotenerweise Blitzer-Apps nutzen würden. Auf der baufälligen Norderelbbrücke sollen die mobilen Anlagen durch feste Säulen ersetzt werden. Diese können auch Abstandsverstöße feststellen. Niedriges Tempo sei laut Model für die Haltbarkeit der Brücke relevant.
Für die Kontrolle von Handys am Steuer sollen in Zukunft Kamerasysteme bei Brücken oder Tunneleinfahrten von oben in die Fahrzeuge hineinfilmen. Voraussetzung dafür sei eine Änderung des Polizeigesetzes, die laut Model aktuell mit dem Datenschutzbeauftragten abgestimmt wird.
Geschwindigkeitskontrollen: eine nachhaltige Lösung?
Cajus Pruin, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zweifelt gegenüber FINK.HAMBURG, ob Blitzanlagen nachhaltig etwas bewirken. Zwar würden Autofahrer*innen an den entsprechenden Stellen langsamer fahren, aber „kurz nach dem Blitzer ist alles wieder vergessen“. Bei mobilen Anlagen sorge vielleicht der Überraschungseffekt für Disziplin.
Allerdings: Auch das sei mittlerweile „ein Katz-und-Maus-Spiel“, denn in Warnapps werden die Standorte von Nutzern verraten und eingetragen. Sinnvoller wäre es aus seiner Sicht, die Sanktionen für ein Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit zu erhöhen. In Deutschland seien die Strafen – anders als etwa in der Schweiz oder in Frankreich – verhältnismäßig niedrig (siehe Infobox). In Deutschland habe man schon das Gefühl, dass „Autofahrer beim Thema Geschwindigkeitsüberschreitungen mit Samthandschuhen angefasst werden“, kritisiert Pruin.
Der ADAC listet als mögliche Konsequenzen für Rasen in der Schweiz: Gefängnisaufenthalt ohne Bewährung, Beschlagnahme des Fahrzeugs und das Verschrotten beziehungsweise die Versteigerung des Fahrzeugs.
Hundertprozentige Regeltreue durch Sanktionen?
Benjamin Harders ist Grünen Politiker, ADFC Mitglied und Autor einer Verkehrskolumne in der Hamburger Morgepost. Im Gespräch mit FINK.HAMBURG zweifelt er an, dass nur 15 Prozent der Verkehrsunfälle der Geschwindigkeit geschuldet sind. Die Zahl würde nur darauf schauen, was die Hauptunfallursache sei. Vorfahrtsverstöße oder Abbiegeunfälle, bei denen die Geschwindigkeit auch eine Rolle spiele, würden beispielweise aus der Statistik fallen. “Es gibt viele Leute die ganz bewusst die Geschwindigkeit missachten.” Die Blitzerapps machen es möglich, so Harders. Auf mobile Blitzer wie Blitzerfahrzeuge könne man sich jedoch schlechter einstellen. „Wir werden nie eine hundertprozentige Regeltreue erreichen, deshalb ist es notwendig, dass solche Überwachungen stattfinden.“
hej/dpa
Kaum jemand geht dreimal am Tag ins Kino, doch Hendrik Joachim, geboren 1999 im Sauerland, schafft das mit links. Er liebt politische Filme, schreibt Rezensionen und schwärmt noch immer von seinem Job in einem Berliner Kino. Sein Lieblingsfilm ist eine britische Rom-Com, die niemand kennt. Beim Uni-Radio in Lüneburg berichtete er, parallel zum Studium der Kulturwissenschaften, über geraubte Kunst aus ehemaligen Kolonien. Beim RBB machte er einen Beitrag über ein polnisches Filmfestival, beim Deutschlandfunk Kultur über eine Disney-Animationsserie mit Produktionen aus afrikanischen Ländern. Auf seiner Watchlist steht jetzt erst einmal Kino aus Hamburg: alle Filme von Fatih Akin.
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