Kalligrafie in dem südkoreanischen Konsulat.
Kalligrafie in dem südkoreanischen Konsulat. Foto: Astrid Benoelken

Kleider, Kimchi, Kalligrafie – für einen Kurztrip nach Südkorea mussten Besucher der Langen Nacht der Konsulate nur zum Axel-Springer-Platz fahren. Ziel des Abends: In kurzer Zeit möglichst viel an- und ausprobieren.

Der Aufzug spült neue Gäste in den dritten Stock. An das Geländer des sonst eher schlichten Treppenhauses hat jemand Papierfächer geheftet, über die sandfarbenen Fliesen großformatige Kalligraphie-Banner gehängt. Kaum sind die Gäste ausgestiegen, werden sie von der koreanischen Effizienz erfasst. „Wollen Sie typisch koranische Kleidung anprobieren?“, grüßt ein Konsulatsmitglied und schiebt die Gruppe regelrecht in den Anprobierraum.

Tracht mit Micky-Maus-Ohren

Kimchi, Reiskuchen und Glasnudeln – Koreanische Küche auf Pappschale.
Kimchi, Reiskuchen und Glasnudeln – koreanische Küche auf Pappschale. Foto: Björn Rohwer

An der rechten Seite des Raums hängen auf Kleiderstangen in leuchtendem Pink, Gelb, Blau, Grün und Rot koreanische Trachten. Auf einem Beistelltisch stapeln sich Hüte, die entfernt an Micky-Maus-Ohren erinnern. Vor dem Fenster steht eine Mini-Pagode, in der Ecke ziehen sich hinter einem Paravent Gäste um und dazwischen wuseln Menschen.  „Anprobieren, ja?“, fragt eine Konsulatsmitarbeiterin und schon hat man ein Kleid in der Hand. „Schuhe aus“, kommandiert sie mit einem Lächeln und hilft einem anderen Gast in eine gelb-glänzende Ballonhose. Anschließend wird er zu einer Fotowand gelotst. „In die Kamera gucken“, ordert eine Helferin und drückt auf den Auslöser des Selfie-Automaten.

Rezept für koreanischen Zimttee (Sujeonggwa)

  • 2 Liter Wasser
  • 4 Zimtstangen
  • 2-3 cm Ingwerwurzel
  • Pinienkerne
  • Honig

Raus aus der Kleidung. „Did you have Korean food yet?“ Nein? Direkt weiter in den nächsten Raum. Auf stilechten Pommes-Pappschälchen gibt es dort koreanische Küche – Kimchi, scharfe Reisküchlein, geschmortes Rindfleisch und vegetarische Glasnudeln. Die mutigen Besucher nehmen dazu Essstäbchen, für alle anderen gibt es Plastikgabeln. Das große Highlight ist der rötliche Zimt-Eistee – das koreanische Pendant zum Franzbrötchen. Die süße Mischung aus Zimt, Honig und Pinienkernen mildert das Brennen vom Essen im Mund. Weiter geht es zur Kalligrafie-Stunde.

FINK.HAMBURG lernt Kalligrafie

Glaube, Liebe, Hoffnung – die üblichen Vorlagen für tiefgründige Tattoos auf Koreanisch haben die Mitarbeiter bereits auf dem Tisch ausgelegt. Jetzt sind die Besucher dran. Wer keinen Klischeeschriftzug abzeichnen möchte, kann sich von den Kalligrafie-Expertinnen den eigenen Namen übersetzen lassen.

Aber was heißt eigentlich „FINK“ auf Koreanisch? Anscheinend eine ziemlich schwere Frage. „Die Laute lassen sich nicht eins zu eins ins Koreanische übertragen“, erläutert eine der Expertinnen. Im Koreanischen gebe es nämlich keine „F“-Laute. „FINK“ würde dann zu „Pink“ oder „Ink“. Stattdessen tunkt sie den dicken Pinsel in die schwarze Farbe und zeichnet 되새 – Koreanisch für „kleiner Vogel“. Sie wickelt das Pergamentpapier sorgfältig in Küchenrolle und Backpapier ein und übergibt das Paket mit einem Lächeln. Die Kunst der Kalligrafie ist nicht nur in diesem Konsulat zu bewundern. Auch im Konsulat der Islamischen Republik Iran stellt eine Künstlerin ihre Werke vor.

Zum Abschluss noch ein zweiter Becher Zimttee – und weiter geht es zum nächsten Konsulat.

In Peru leckere Empanadas essen?

Oder wieder an den Anfang des Rundgangs in die Ukraine?

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Björn Rohwer, Jahrgang 1993, liebt drei Dinge: Sport, Musik und Technik. Während er beim Sport lieber zuschaut, ist er bei der Musik mit vollem Einsatz dabei. Seit seinem sechsten Lebensjahr singt der studierte Musikwissenschaftler im Knabenchor, spielt Klavier, Saxophon und Klarinette. Zum Journalismus hat ihn seine dritte Leidenschaft gebracht: die Technik. Für verschiedene Gamingformate rezensiert er Videospiele, führt Interviews und verfasst Hintergrundberichte. In seinem 2014 erschienenen Buch „Unnützes Wissen für Gamer“ gibt er die Antwort darauf, warum Super Mario einen Schnauzbart trägt oder wieso Lara Croft eine große Oberweite hat. Das Buch hat er während eines Kreuzbandrisses geschrieben, den er sich beim Schulsport zuzog. Das Ende der Sportlerkarriere war der Anfang des Schreibens. Kürzel: bro
Astrid Benölken, Jahrgang 1993, hat als Kind sogar die Erziehungsratgeber ihrer Eltern gelesen, wenn ihr die Lektüre ausging. Zu ihren Lieblingsbüchern zählen Klassiker von Goethe, aber auch neue Werke, wie die des Nobelpreisträgers Ishiguro. Für ihr Ressortjournalismus-Studium mit Schwerpunkt Kultur zog Astrid aus dem kleinen Ort Seppenrade im Münsterland ins bayerische Ansbach. Nach dem Studium reiste sie mit dem Rucksack durch Südamerika, Osteuropa und Indien. Als Journalistin hat sie schon für die „Westfälischen Nachrichten“, „Faz.net“, den „Bayerischen Rundfunk“ und die „Süddeutsche Zeitung“ gearbeitet – am liebsten zu Kulturthemen. Kürzel: abe