Sind Streaming-Dienste wie Tiefkühlpizza und wird Bio-Seife das Kino retten? Am Samstag wurde auf dem Filmfest Hamburg die Zukunft des Kinos diskutiert. FINK.HAMBURG war vor Ort.

Ein Blick auf die Statistiken der vergangenen Jahre zeigt: Immer weniger Menschen gehen ins Kino. Laut einer Studie der Filmförderungsanstalt (FFA) wandten sich im Jahr 2018 mehr als sieben Millionen Menschen vom Lichtspielhaus ab. Dadurch wurden 18 Millionen weniger Kinokarten verkauft als im Vorjahr. Ein ganz anderer Trend zeichnet sich bei den Nutzerzahlen von Streaming-Diensten ab. Denn diese steigen kontinuierlich an, wie Growth from Knowledge kürzlich berichtete. Besonders bei jungen Deutschen ist Streaming beliebt. Stirbt das Kino folglich aus?

„Wir hätten gerne eine Glaskugel und würden wissen, was in zehn Jahren passiert“, so eröffnete Martin Hagemann am vergangenen Samstag die Diskussion „Von der Couch zurück in den Kinosaal“. Zusammen mit Christine Berg (Vorstand HDF Kino), Carsten Horn (Cinemaxx AG), Jan Krüger (Port au Prince Pictures) und Ruth Rogée (Scala Kino Lüneburg) diskutierte er 90 Minuten über die Herausforderungen und Chancen von Kinos in Zeiten von Subscription-Video-on-Demand-Plattformen (SVoD) wie Netflix, Amazon Prime und Co.

Die Diskussionsteilnehmer*innen Christine Berg, Carsten Horn, Jan Krüger und Ruth Rogée auf der Bühne.
Martin Hagemann, Christine Berg, Carsten Horn, Jan Krüger und Ruth Rogée (v.l.n.r.) bei der Diskussion „Von der Couch zurück in den Kinosaal“. Foto: Nina Maurer

„Streaming-Dienste sind wie Tiefkühlpizza“

Auf die Frage nach dem Tod des Kinos hatten Berg, Horn, Krüger und Rogée eine klare Antwort: SVoD-Dienste werden nicht das Aus bedeuten. Denn diese seien wie Tiefkühlpizza, so Horn. Und deren Erfindung sei auch nicht der Tod der italienischen Restaurants gewesen. Die Studie der Filmförderungsgesellschaft gibt ihm Recht. Aus dieser geht hervor, dass mehr als die Hälfte aller SVoD-Nutzer*innen auch ins Kino gehen.

Für Krüger nachvollziehbar: „Das eine ist ein digitales Endgerät und das andere ein Ort, an dem ich auf einer riesiger Leinwand gemeinsam mit anderen Menschen eine Geschichte erlebe.“ Er erwartet, dass dieser Ort immer wichtiger wird. Trotzdem muss Horn zufolge in der Kinobranche einiges getan werden. „Wir haben unser Buch mit Hausaufgaben und es ist super voll.“

Bio-Seife fürs Kino

Kino müsse moderner werden. Laut Horn muss der Komfort in Kinosälen verbessert werden, um Filmhäuser wieder beliebter zu machen. „Viele Traditionskinos leben von Nostalgie. Menschen wollen aber mittlerweile ein schönes Ambiente“, sagte er. Auch gesellschaftliche Trends müssten vermehrt berücksichtigt werden. „Kein Kino hat zum Beispiel Bio-Seife, obwohl das Trend ist“, sagte Berg.

Ein großes Problem von Kinos sei außerdem, dass diese heutzutage nicht mehr wahrgenommen werden, so Berg. Menschen müssten erst einmal wissen, dass es Filme gibt, um ins Kino zu gehen. In diesem Punkt hinke das Kino anderen Branchen hinterher. Eine Lösung könnte der Diskussionsrunde zufolge sein: Weniger Filme produzieren, dafür mehr Geld in die Vermarktung stecken. „Es muss nicht jeder Film ins Kino. Wer soll sich das anschauen?“, sagte Rogée.

Hier findet ihr den Bericht von der Diskussionsrunde aus dem letzten Jahr:

Killt Netflix den Kino-Star?

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Reiterhof, Tech-Konzern, Streetfood-Märkte – Nina Maurer , Jahrgang 1994, treibt die Neugier. Als Kind fand sie ihr Glück auf dem Rücken der Pferde. Reitlehrerin wurde sie aber nicht: Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in einer Schule für Kinder mit Behinderung studierte sie Ökotrophologie in Hamburg. Ihre Begeisterung für Essen und Kommunikation vereinte sie als Werkstudentin und Volontärin in einer PR-Agentur. Für Food-Marken durchforstete sie sämtliche Blogs Deutschlands. Seit 2018 arbeitet sie in der Unternehmenskommunikation des Tech-Konzerns NXP. Wenn sich Nina nicht gerade mit künstlicher Intelligenz beschäftigt, stöbert sie in der Hamburger Gastro-Szene nach rohem Fisch und Kurzkornreis. Auch zu Hause experimentiert sie gerne: ob Sushi, Curry oder Kürbissuppe – Hauptsache viel Ingwer. Kürzel: nim