„Wild Rose“ gibt allen Träumer*innen eine Stimme: Der Film ist ein gefühlvolles Musikdrama mit einer starken Hauptdarstellerin. Im Zentrum steht die Jagd nach den eigenen Träumen und das, was man dafür opfern muss. 

„Three cords and the truth“ steht auf Roses Körper. Dort wo andere die Namen ihrer Kinder tätowiert haben, ziert dieses berühmte Country-Zitat Roses rechten Unterarm. Drei Akkorde und die Wahrheit: Das ist es, was Country-Musik ausmacht und für viele Menschen in den USA die musikalische Untermalung ihres Lebens bedeutet.

Rose-Lynn Harlan lebt aber nicht in den USA, sondern im schottischen Glasgow. Hier ist die Country-Szene eine kleine Minderheit, die sich in altmodischen Bars für kleine Konzerte trifft. Zudem wird die Mitte 20-Jährige zu Beginn des Films aus dem Gefängnis entlassen. Trotzdem will Rose weiterhin nur eins: eine erfolgreiche Country-Sängerin werden. 

Auf der Landkarte an ihrer Zellenwand ist Nashville markiert – das Mekka des Countrys. Sie reißt die Karte von der Wand und zieht ihre weißen Cowboystiefel über die Fußfessel. Der rechte Schuh will nicht mehr so richtig über den Knöchel rutschen, dennoch stolziert Rose aus dem Gefängnis, als wäre sie nie dort gewesen.

Kann man einer Frau böse sein, die ihre Träume verfolgt?

Rose hat das Talent, sie hat das Charisma. Und sie hat zwei kleine Kinder zuhause sitzen. Zwölf Monate hat sie die beiden nicht gesehen, trotzdem fährt Rose nach ihrer Entlassung erst zu ihrem Liebhaber, bevor sie den schweren Gang nach Hause wagt. Regisseur Tom Harper („War and Peace“, „The Aeronauts“) zeigt in seinem Film eine Frau, die es einem nicht leicht macht, sie zu mögen.

Als Rose eine Chance von der BBC erhält, den renommierten Radioredakteur Bob Harris zu treffen, feiert sie auf dem Weg nach London mit Fremden und wird daraufhin bestohlen. Als sie mit ihren Kindern in einen lang ersehnten Urlaub fahren will, entscheidet sie sich doch für intensive Proben mit ihrer Band und lässt die Kinder bei Bekannten.

Jessie Buckley spielt Rose-Lynn Harlan im Film "Wild Rose". Sie steht auf einer Bühne und spielt Country-Musik.
Jessie Buckley spielt Rose-Lynn Harlan mit einer starken Stimme. Foto: © Entertainment One GmbH

Kopfhörer auf, Tagträume an

„Wild Rose“ ist einer dieser Filme, der von ihrer Hauptfigur getragen wird. Und das macht Jessie Buckley als Rose-Lynn Harper einmalig: Buckley ist ausgebildete Musikerin und stand bereits für mehrere Musicals auf der Bühne.

Die Musik trägt den Film und untermalt die verschiedenen Stationen von Rose. Obwohl der Film zum Musicalgenre gehört, kommt er ganz ohne Liebesgeschichte aus. Das liegt auch an dem Spiel von Buckley: Sie spielt die junge Mutter so strebsam und doch so verloren – und singt jedes Lied, als hätte sie es selbst geschrieben.

Rose versucht kurzzeitig ein normales Leben zu führen und nimmt dafür einen Job als Reinigungskraft bei einer reichen Familie an. Während sie mit dem Staubsauger an der Hand und Kopfhörern auf den Ohren durch das Haus gleitet, fantasiert sie sich eine komplette Band dazu. Rose singt und tanzt durch das Haus, dass sogar Tom Cruise neidisch wäre.

Das wahre Leben

Rose wird zum Sinnbild für die eigenen Träume des Publikums. Träume, die man nicht erreicht hat, weil man sie schlichtweg nicht so verfolgt, wie Rose es tut. Aber auch sie muss lernen, was das wahre Leben für sie bedeutet – das passiert ausgerechnet in Nashville.

„Wild Rose“ ist ein wunderbarer Film über Träume, Familie und das Gefühl von Heimat. Der Film will niemanden belehren, sondern zeigt, was in jeder Lebenssituation wichtig ist: die Wahrheit. Und vielleicht noch drei Akkorde dazu.

„Wild Rose“ kommt am Donnerstag, dem 12. Dezember in die deutschen Kinos. Der Film feierte auf dem Filmfest Hamburg 2019 Deutschlandpremiere.